"Verschiedene Formen von Gewalt"

Gewalt an Frauen, ob im öffentlichen oder privaten Bereich, „stellt eine Menschenrechtsverletzung dar“, machte Roswitha Ziegerer vom Frauenhaus Kempten klar. Am heutigen Mittwoch, 25. November, findet traditionell der bundesweit von Aktionen begleitete internationale Tag „Keine Gewalt gegen Frauen“ statt.

Größere Aufmerksamkeit für den Tag und die dahinter stehende Problematik wünschen sich Ziegerer und ihre Mitstreiterinnen Irmgard Leicht vom Weissen Ring, Claudia DallaTorre vom Kemptener Mädchenhaus „Rock Rose“, Amelia Ulbrich vom Kemptener Interventionsmodell (KIM) und die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Kempten, Verena Dengg, im Rahmen eines Pressegesprächs. Sie möchten diesen Tag nutzen, um sich „gemeinsam als Netzwerk zu präsentieren“, wie Leicht ankündigte. Neben der von „Terre des Femmes“ entwickelten Fahnenaktion „Frei Leben ohne Gewalt“ wollen die Netzwerkerinnen diesmal auch mit einer Plakataktion – fünferlei Motive thematisieren unterschiedliche Arten von Gewalt – an die Öffentlichkeit gehen. Sie hoffen, damit betroffenen Frauen sowie Unterstützerinnen den Weg zur Kontaktaufnahme zu erleichtern. Weiters haben sie ein Benefizkonzert mit dem gemischten Chor „Cantiamo“ in der St. Hedwigskirche organisiert, zu dem eine Ausstellung über die Arbeit der Einrichtungen informiert. Gewalt ohne Grenzen Gewalt gegen Frauen kenne weder geographische, noch kulturelle oder soziale Grenzen, machte Ziegerer deutlich. Menschenhandel, Zwangsprostitution oder –heirat und Genitalverstümmelung seien nur einige Gesichter der Gewalt, die Frauen erlebten. Auch in Deutschland seien Frauenhandel und Prostitution ein Milliardengeschäft. Zudem würde das „Bedürfnis der Kunden“ dazu führen, dass Prostituierte „immer jünger werden und zu 90 Prozent aus dem Ausland kommen“. Als „gravierendste Form“ von Gewalt nannte Ziegerer die so genannte „häusliche Gewalt“, die vom eigenen Partner ausgehe. Geschätzte 20 bis 30 Prozent Frauen erlebten „in ihren aktuellen Beziehungen verschiedenste Formen von Gewalt“ – mit Folgeschäden im zweistelligen Milliardenbereich. Seit 26 Jahren kümmert sich Ziegerer um Frauen aus Kempten und dem Oberallgäu, die Gewalt erlebt haben. Häufige Auslöser seien Veränderungen durch das erste Kind in „jungen Familien“, oder wenn die Frau irgendwann wieder anfange, ihr „eigenes Geld zu verdienen“. Mit fünf Frauen und acht Kindern „ist das Kemptener Frauenhaus derzeit voll belegt“, meinte sie. „Bei uns kommen Mädchen aus genau diesen Familien“, wies DallaTorre darauf hin, dass selbst erlebte Gewalt oft von Generation zu Generation weiter gegeben werde. Von 40 Beratungen über das seit 2006 unter der Trägerschaft des Frauenhauses bestehende KIM, wusste Ulbrich zu berichten. Und auch der Weisse Ring habe in diesem Jahr bereits 100 Beratungen vorgenommen, vervollständigten Leichts Zahlen den Bedarf.

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