70 Verstöße in einer Stunde

Wenn man einen Kreisverkehr verlässt, muss man blinken. Eigentlich sollte diese Regel allen Auto-, Lkw- oder Zweiradfahrern bekannt sein. Eigentlich... Die Kemptener Polizei machte vergangenen Donnerstag den Test und der KREISBOTE war dabei. Kontrolliert wurden Fahrzeuge, die zwischen 7.15 und 8.15 Uhr morgens, also mitten im Berufsverkehr, den Kreisverkehr Memminger Straße/Thomas-Dachser-Straße/An der Stiftsbleiche vor dem Dachser-Gelände stadteinwärts befuhren. Allein innerhalb dieser einen Stunde Kontrollzeit stellte die Polizei 70 Verstöße fest.

Da aber nicht alle Autofahrer bis zum Eisstadion weiterfuhren, wo die Polizei sie herauszog bzw. aufgrund der Menge nicht alle kontrolliert werden konnten, war die eigentliche Zahl der Verstöße deutlich höher. Anlass der Aktion, erläuterte Polizeihauptkommissar Thomas Riester, seien die 1090 Kleinunfälle gewesen, die sich 2009 im Bereich der Polizeiinspektion ereignet haben (der KREISBOTE berichtete). Unfallursache sei dabei auch häufig das fehlende Blinken gewesen, so Riester weiter. Ein weiterer Grund für die Kontrolle waren dem Polizeihauptkommissar zufolge zahlreiche Beschwerden von Bürgern über Blink-Muffel im Kreisverkehr. Laut Riester hat sich ein Bürger sogar die Mühe gemacht, am Kreisverkehr beim Galeria Kaufhof Autos zu zählen, die beim Verlassen des Kreisels nicht blinkten. „Dem Blinken wird nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die es bräuchte“, meinte Riester. So machten sich nach der Einsatzbesprechung am frühen Morgen ein Dutzend Polizisten auf dem Weg zum Eisstadion. Am Kreisverkehr positionierte sich Polizeioberkommissar Roland Kind zusammen mit einer Praktikantin. Die zwei beobachteten das Verhalten der Fahrer und gaben per Funk die Kennzeichen derer an die Kollegen durch, die beim Verlassen des Kreisels nicht geblinkt hatten. An der Einfahrt zum Eisstadion machte Riester dann zusammen mit seinem Kollegen Rudolf Dieing die Fahrzeuge ausfindig und zog sie aus dem Verkehr. Die dort in Stellung gegangenen Polizistinnen und Polizisten übernahmen die Kontrolle. Immerhin zehn Euro kostet das Nicht-Blinken. Die Reaktionen der Betroffenen waren unterschiedlich. Die einen nahmen es mit Humor, andere zahlten schnell und fuhren weiter und wieder andere reagierten sauer. „Des is scho a schwers Verbrechen, des i da jetzt begangen hab“, scherzte Motorradfahrer Michael Hehl. Das Bußgeld zahlte er ohne Murren. „Was willst machen, Regeln sind Regeln“, so Hehl. Ein 22-jähriger Autofahrer versuchte sich zu rechtfertigen. Es sei Stau gewesen im Kreisverkehr, „warum soll i da blinken?“, fragte er. Die Aktion fand er „nicht gut“. Einfach „vergessen“ hatte eine 17-jährige Fahranfängerin, die in Begleitung ihrer Mutter fuhr, zu blinken. „Ich blinke sonst eigentlich immer“, meinte eine weitere Autofahrerin. „Aber wenn zähfließender Verkehr ist und alle so langsam fahren, blinkt ja fast keiner“, versuchte sie sich zu rechtfertigen. Jeder reagiert anders Manche Autofahrer reagierten sauer auf die Kontrolle. „Ich muss mein Kind in die Schule bringen“, schimpfte ein Mann. Er war überzeugt, dass er geblinkt hatte: „Ich blinke immer“. Um die zehn Euro kam er aber trotzdem nicht herum. Fast verweigert habe ein Autofahrer die Verwarnung, erzählte Polizeioberkommissar Michael Miebach. Er war überzeugt, dass er geblinkt habe. Bevor es zu einer Anzeige gekommen wäre, habe er aber doch lieber gezahlt: „Man glaubt einem Polizisten ja eh mehr als mir“, war sein Kommentar. „Aufschlussreich“ fand Polizist Gerd Jeschke die Blinkaktion, die zum ersten Mal gemacht wurde. „Im Berufsverkehr sind Kontrollen aber immer kritisch“, erklärte er: „Die Leute wollen nicht zu spät zur Arbeit kommen.“ Damit die Autofahrer künftig wissen, wann und wie sie zu blinken haben, verteilten die Polizisten während der Kontrollen Merkblätter. „Es ist erfreulich, dass trotz zähfließenden Verkehrs viele blinken“, lobte Thomas Riester. Nach der Kontrolle am Kreisverkehr fuhren Kind und Riester noch über die Kemptener Ringe. Auf dem Heussring fiel ihnen ein schwarzer Pkw auf, der ohne zu blinken die Fahrbahn wechselte. Mit Humor nahm die 28-jährige Autofahrerin aus Dietmannsried die anschließende Kontrolle. „Ich wusste gar nicht, das man fürs nicht blinken zehn Euro zahlen muss“, sagte sie. Schlimm fand sie es nicht: „Solange es nur zehn Euro sind und kein Punkt.“ Insgesamt ahndete die Polizei auf dem Ring, außerhalb des Berufsverkehrs, vier Verstöße. Am Nachmittag fand dann nochmals eine Kontrolle an einem Kreisverkehr statt. Wie Riester mitteilte wurden innerhalb von etwas über einer Stunde 149 Blink-Verstöße in Börwang festgestellt.

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