Welche Rolle spielen die Banken?

Viel Kapital, wenig Moral

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Thomas Kreuzer (links), Leiter der Staatskanzlei, in der Diskussion mit Moderator Thomas Bergert.

Kempten – Große Bankenkrise, Euro-Desaster, zu hohe Managergehälter und Milliarden-Subventionen – dass das Vertrauen der Menschen in Politik und Banken verloren gegangen ist, und dass die Bürger Angst um ihr Erspartes und um die Stabilität der Währung haben, ist mehr als verständlich.

So argumentierte auch Staatsminister Thomas Kreuzer (CSU) am vergangenen Freitagabend im Rahmen einer Podiumsdiskussion in den Räumen der Sparkasse Kempten. Als Initiator der Gesprächsrunde stellte er die Frage nach der Moral im Kapital. 

Man müsse mit den Menschen reden, für Transparenz sorgen, damit die Bürger wieder Vertrauen zu Staat und Wirtschaft finden. Deshalb habe er die Podiumsdiskussion ins Leben gerufen, so Kreuzer. Vertreter aus Bankenwesen, Kirche und Bildungssystem leisteten dem Staatsminister dabei Gesellschaft. Unter ihnen der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Allgäu, Manfred Hegedüs, Weihbischof Anton Losinger und Prof. Dr. Georg Köpf, Spezialist für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Kempten. 

Eine vielseitige Zusammenstellung von Experten, um zu klären, welchen moralischen Standpunkt Kirche, Hochschulen, Politik und Wirtschaft vertreten. Was haben die Banken falsch gemacht? Und was muss sich systematisch verändern, um geschehene Wirtschaftskrisen künftig zu vermeiden? Das waren grundlegende Fragen, die es zu diskutieren galt. „Die Vorwürfe an die Kreditinstitute liegen auf der Hand: Sie haben am Kundenwunsch vorbei gehandelt und den Anleger mit Leistungen geködert, die nicht nötig gewesen wären“, betonte Sparkassen-Vorstand Manfred Hegedüs. Besondere Schuld käme dabei den Privatbanken zu. „Die Sparkasse kann man mit diesen Banken aber nicht in einen Topf werfen, denn sie legt großen Wert auf ganzheitliche Beratungsgespräche und auf die Frage, was das Beste für den Kunden ist“, versicherte Hegedüs weiter. Unabhängig von der Schuld der Banken müsse man den Spiegel aber auch in die Gesellschaft halten: Denn wenn die Rendite locke, stehe der Verstand oftmals an zweiter Stelle. „Schließen die Banken Geschäfte nicht ab, bleibt für den Anleger immer noch die Möglichkeit online aktiv zu werden. Die Folge: den Kreditinstituten fehlen die Kunden. Als Bank muss man deshalb irgendwie reagieren,“ argumentierte Hegedüs. 

Ruf nach Regelkatalog 

 Unabhängig von der Schuldfrage – was kann man jetzt konkret tun, um das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen? Hier waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Transparenz ist das entscheidende Schlagwort. „Außerdem sollten die Eigengeschäfte aller Banken künftig einem Regelkatalog unterliegen. Der Steuerzahler kann diese Risiken nicht mehr tragen“, so Thomas Kreuzer. Ausgehend vom Thema Bankenkrise nahm die Diskussion anschließend Kurs auf Zypern. 16 Milliarden Euro braucht der Inselstaat, um wieder auf die Beine zu kommen. „Entweder wir helfen oder sie gehen Pleite!“ eröffnete der Staatsminister die Debatte. Der Zypriot wird hart zur Kasse gebeten und hat Angst um sein Erspartes. Auf die Frage hin, ob derartiges auch in Deutschland passieren könne, betonte Prof. Dr. Georg Köpf: „Bei uns gibt es ein so genanntes Einlagensicherungssystem. Zypriotische Zustände wird es hier nicht geben!“ Einlagensicherungssysteme erstatten einen beschränkten Betrag an Einleger, deren Bank zusammenbricht. Aus Sicht der Einleger sichert dies einen Teil ihres Vermögens. Vor dem Hintergrund der Stabilität des Finanzsystems verhindert dieses Versprechen panische Geldabhebungen, die zu schwersten wirtschaftlichen Folgen führen können.

 Auch Weihbischof Anton Losinger teilte die Einschätzung zum Einlagensicherungssystem, machte aber darauf aufmerksam, dass es in Deutschland anderweitig Verbesserungsbedarf gäbe: „Die Altersarmut ist schon fast naturgemäß. Die Lohnstruktur muss dringend überdacht werden.“ Und bezogen auf Zypern forderte er weiter: „Solche Steuerparadiese darf es nicht mehr geben!“ 

Gehälter kürzen 

Genau so wenig wie überzogene Managergehälter. Auch hier waren sich die Vertreter von Wirtschaft, Staat, Kirche und Politik einig. Vom reinen Menschenverstand ausgehend, so Weihbischof Losinger, entsprächen die Gehaltsproportionen nicht mehr dem Gefühl von Gerechtigkeit. Dabei bezog er sich auf den aktuellen Armut- und Reichtumsbericht, der die Asymmetrie in der Gelderverteilung deutlich macht: zehn Prozent besitzen 50 Prozent des Vermögens. „Vermögen schafft aber Freiheit. Und damit spricht die aktuelle Vermögensverteilung gegen die soziale Gerechtigkeit,“ so Losinger. 

 Wie aber soll und will man maßlosen Managergehältern künftig begegnen? Ein Gesetz, das Gehälter regelt befürwortet zumindest der Leiter der Münchner Staatskanzlei nicht. Er sprach sich aber eindeutig für eine angemessene und vernünftige Begrenzung aus. „Angemessen ist wichtig, denn sonst laufen wir Gefahr, dass die guten Manager ins Ausland abwandern! Deutschland lebt aber von seinen qualifizierten Mitarbeitern. Wir brauchen sie,“ argumentierte er. Ergänzend übernahm Weihbischof Anton Losinger das Wort: „Man muss ernsthafte Grenzen ziehen. Nicht nur nach oben, sondern auch nach unten, damit jeder Mensch anständig leben kann!“ Damit sprach Bischof Losinger bestimmt vielen Zuhörern aus dem Herzen. Sie hatten im Anschluss an die Diskussionsrunde Zeit ihre Fragen an die Experten zu richten. Summa summarum: Eine spannende Runde, die auf das offene Gespräch baut. Ein kleiner Schritt für mehr Transparenz in einem großen System.

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