Video-Reisezentrum am Bahnhof Röthenbach feierlich eröffnet

Endlich wieder eine persönliche Beratung

+
Wer hätte 1893 bei der Eröffnung der Bahnlinie Röthenbach – Weiler gedacht, dass 123 Jahre später so etwas möglich ist? Feierlich durchschneiden der Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter (2.v.li.), der Verkaufsbezirksleiter Südbayern Wolfang Jakob (Mitte) und Röthenbachs Bürgermeister Stephan Höß (2.v.re.) das rote Band, gehalten von der Produktmanagerin Video-Reisezentrum Anja Carola Stiebeling (li.) und Peter Mintrop (re.), Fachreferent für das Verkaufsgebiet Südbayern.

Röthenbach – Nach über zehn Jahren ohne persönliche Beratungsmöglichkeit war es am vergangenen Mittwoch endlich soweit: Das Video-Reisezentrum in Röthenbach wurde feierlich eröffnet und ist damit das 13. Video-Reisezentrum in Bayern und das 33. deutschlandweit.

Sechs Mitarbeiter kümmern sich in der Zentrale in Kempten fortan schichtweise um die Fragen und Wünsche der Kunden aus Röthenbach und der anderen acht Video-Reisezentren in Südbayern und des angrenzenden Baden-Württembergs. Dadurch kann zum einen eine sehr lange Öffnungszeit von 70 Stunden pro Woche für alle Video-Reisezentren garantiert werden, zum anderen kennen sich die Mitarbeiter in der Region und in den Bahnhöfen gut aus, so dass qualifizierte Auskünfte erteilt werden können.

Das Konzept scheint erfolgreich zu sein: rund 5000 Anfragen im Monat werden alleine in den beiden bayerischen Zentralen Kempten und Schweinfurt bearbeitet. Was auch daran liegen mag, dass die Bahn bewusst auf komplizierten Schnickschnack verzichtet. „Wir wollen vor allem älteren Leuten helfen, die sich nicht alleine an die Fahrkartenautomaten trauen“, erklärt Anja Stiebeling, die Produktmanagerin der Deutschen Bahn. „Das schwerste ist tatsächlich, in die Kabine einzutreten.“ Ist die scheu aber überwunden und die große, leuchtende Taste unter den Bildschirmen gedrückt, erscheint ein echter Mitarbeiter auf dem Bildschirm und es ist beinahe alles so wie am Schalter. Gehen die Fragen über bloße Auskünfte hinaus, können die Fahrscheine hier direkt gekauft und ausgedruckt werden. Die Steuerung übernehmen freilich die Mitarbeiter in Kempten, so dass der Kunden nur bezahlen und die Fahrscheine in Empfang nehmen muss. Auch die Anrechnung von Gutscheinen oder Ermäßigungsnachweisen ist durch die eingebauten Scanner möglich. Und selbstverständlich sind die Video-Reisezentren auch groß genug, dass ein Rollstuhlfahrer dort Platz hat.

In Röthenbach war es allerdings nicht möglich die Kabine abschließend zum Boden zu bauen, so dass eine ca. zwei Zentimeter hohe Kante zu überwinden ist. „Meistens stehen die Kabinen drinnen und haben keine Tür, da ist das dann sowieso kein Problem für Rollstuhlfahrer. Eine Rampe konnten wir hier aufgrund der Stützfeiler leider nicht anbringen“, erklärt Wolfgang Jakob, der Leiter des Verkaufsbezirks Südbayern. „Das wäre für die anderen Bahnhofsbesucher zu unübersichtlich und damit gefährlich geworden“.

Nachdem im April 2013 die ersten fünf Video-Reisezentren im Schwarzwald auf der Strecke Villingen – Offenburg eröffnet wurden, war schnell klar, dass dieses Konzept erfolgsversprechend ist. „Wir haben im Schwarzwald viele Gäste, die mit der Konus-Gästekarte die Bahn kostenlos nutzen können, die kommen dann in das Video-Reisezentrum für Fahrplanauskünfte und ähnliches, dort geht es dann nicht so sehr um den Fahrkartenverkauf“, erläutert Stiebeling. Aus diesem Grund werden die Mitarbeiter in den Zentralen auch nicht nach Umsätzen bewertet. „Wir wollen hier vor allem einen Service für den Kunden bieten.“ Ob sich die Kunden nur beraten lassen oder später doch noch einen Fahrschein am Automaten lösen, lässt sich ja nicht sagen, wissen auch die Bahn-Verantwortlichen. Zumindest haben bereits eine Baumarktkette, eine Bank und eine Autovermietung Interesse an dem Konzept gezeigt. Denn das Video-Reisezentrum ist nicht nur ein Gewinn für die Kunden. „Viele Mitarbeiter haben sich beschwert, wenn sie irgendwo alleine auf einem kleinen Bahnhof arbeiten sollten“, berichtet Stiebling. „Dazu kam natürlich auch die Angst, dass mal etwas passieren könnte.“

Kein Wunder also, dass Wolfgang Jakob in seiner Eröffnungsrede vor allem dem Röthenbacher Bürgermeister Stephan Höß und dem Landtagsabgeordneten Eberhard Rotter für die Umsetzung dankte. Denn ohne die Zustimmung und Unterstützung der Gemeinde hätte das Video-Reisezentrum in Röthenbach nicht gebaut werden können, da sie der Eigentümer des Bahnhofsgeländes ist. So verging von der Anfrage beim Gemeinderat bis zur Eröffnung rund ein halbes Jahr. „Als ich das gehört habe, habe ich gleich gesagt, dass ich noch ein paar Standorte kenne“, ließ Eberhard Rotter in seiner Rede verlauten und spielte damit auf Hergatz an. Aktuell sind aber erst einmal keine weiteren Video-Reisezentren im Allgäu geplant. „Aber das kann sich auch ganz schnell wieder ändern,“ lächelt Anja Stiebeling.

Der Bahnhof Röthenbach liegt etwas außerhalb im Ortsteil Oberhäuser. Das Video-Reisezentrum befindet sich dort direkt am Bahnsteig und ist montags von 7 bis 19 Uhr, dienstags bis freitags von 7.30 bis 19 Uhr, samstags von 8.15 bis 14.45 Uhr und sonntags von 8.15 bis 13.45 Uhr geöffnet. Eine extra Gebühr für die persönliche Beratung fällt nicht an. Die beiden Fahrkartenautomaten sind auch außerhalb der Öffnungszeiten wie gewohnt zugänglich.

Bianka Hauck

Meistgelesene Artikel

Chancen und Arbeit bieten

Kempten – Unternehmen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren, das will die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen erreichen. Über hundert Firmen …
Chancen und Arbeit bieten

Vergangene und künftige Entwicklungen als Thema

Dietmannsried/Probstried – Ende November finden traditionell in allen fünf Teilgemeinden der Marktgemeinde Dietmannsried (Dietmannsried, Probstried, …
Vergangene und künftige Entwicklungen als Thema

"Kaviar und Hasenbraten"

Isny/Rohrdorf – Diesmal haben sich die „Theaterleute“ vom Theaterverein Rohrdorf ein Stück von Regina Rösch ausgesucht und „Kaviar und Hasenbraten“, …
"Kaviar und Hasenbraten"

Kommentare