Viel Platz zum Austoben

Nach der offiziellen Einweihung probieren einige Schüler die neue Boulderanlage in der Nordschule gleich aus.

Die Kletteranlage in der Nordschule hat jetzt auch eine Nord- und Westwand. Eine weitere Neuheit ist die riesige, blaue, rund 40 Zentimeter hohe Matratze, die nun in dem ehemaligen Gymnastikraum der Schule liegt. Am Donnerstagvormittag vergangener Woche weihten Vertreter der Grundschule, der Stadt Kempten und des Deutschen Alpenvereins (DAV) Allgäu-Kempten die Boulderanlage ein.

Franziskas dunkle Augen leuchten vor Begeisterung, wenn sie die neue Anlage sieht. „Ich habe sie mitverschraubt“, sagt die 12-Jährige, die mit ihrer Mutter gekommen ist. Die Schülerin des Lindegymnasiums gehört der Kinder- und Jugendgruppe des DAV an und ist somit schon ein kleiner Kletterprofi. Wenn das Mädchen groß ist, möchte es gern einen „echten“ Felsblock erklimmen. „Aber dann natürlich mit Seil, Helm und richtiger Kletterausrüstung“, erzählt sie. Denn beim Bouldern, das aus dem englischen ‚boulder‘ für Felsblock abgeleitet ist, braucht man das alles nicht. Ein Stockwert höher warten die Veranstalter, Schüler und Gäste auf den offiziellen Beginn der Einweihungsfeier. Als alle Platz genommen haben, spielt die „Cambodunum Big Band“, eine vierköpfige Saxophongruppe, fetzige Jazzmusik. Danach singt die Klasse 4d voller Freude und Inbrunst das Bergvagabundenlied „Wenn wir erklimmen schwindelnde Höhen, steigen die Kletterwand empor.“ Der Konrektor der Nordschule, Michael Klein, der das Lied für den Anlass leicht umgedichtet hatte, begleitet die Mädchen und Buben am Keyboard. OB Dr. Ulrich Netzer zeigt sich von diesem „schwungvollen Auftakt“ beeindruckt. „Der wichtigste Muskel beim Klettern ist das Hirn.“ Mit diesen Worten zitiert Netzer den berühmten Freikletterer Wolfgang Güllich. Der Sport sei gut für Kinder, da die Muskeln, Beweglichkeit und Konzentration trainiert würden. „Von der Anlage profitieren die Schüler der Nordschule, der Astrid-Lindgren-Schule und die Jugendlichen des DAV“, so Netzer. Finanziell getragen werde das rund 40 000 Euro teure Gemeinschaftsprojekt von der Stadt Kempten, dem DAV und der Nordschule. Konzentration fördern „Der Bereich Klettern ist der Wachstumssektor in der Sektion Allgäu-Kempten des DAV“, berichtet deren Vorsitzender Harald Platz. Das zeige sich an der Mitgliederzahl der Sektion, die seit 1992 kontinuierlich gestiegen sei. „Im Jahr 2011 sind es etwa 125 000 Mitglieder“, so Platz. Klettern sei für Kinder und Jugendliche besonders wichtig, da dabei Stress abgebaut und die Konzentration gefördert werde. Zudem biete die Sportart viel Spaß. „Durch den Bau wohnortnaher Kletteranlagen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz“, betont Harald Platz. Denn Kletterfreunde müssten dadurch keine langen Strecken mehr mit dem Auto fahren, was den CO2-Ausstoß reduziere. Auch die Berge selbst würden dadurch besser geschützt, da durch manche Kletterer dort viel Müll anfalle. Schulleiter Ulf Kronmüller schließt sich seinen beiden Vorrednern an. „Wir sind begeistert über diese Möglichkeit.“ Klettern sei eine gute Sportart, um Fähigkeiten zu fördern. „Durch die Kooperation mit der Astrid-Lindgren-Schule bietet die Anlage die Möglichkeit der Inklusion.“ Dabei begrüßt Kron- müller Helmut Kirsch, der an der Förderschule für Körperbehinderte als Konrektor arbeitet. Am Ende der Einweihung dürfen die Anwesenden die Kletteranlage selbst einmal testen. Norbert Grotz, Kindertrainer beim DAV, leitet sie dabei an: „Die Kinder sollen Bewegungserfahrung und Körperkoordination lernen. Insgesamt haben wir 107 Routen geschraubt.“ Dabei gebe es fünf Schwierigkeitsstufen, die an der Farbe der Griffe zu erkennen seien. Sofort wagen sich einige Kletterneulinge an die einfachste grüne Route.

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