Kloster Lenzfried

Und wieder einer weniger

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Dass es sich bei der Esche in der Klostermauer in Lenzfried um einen morschen Patienten handelte ist unter anderem an den vielen trockenen, absplitternden Zweigen und Ästen zu sehen, als der Baum zu Boden ging.

Kempten – Auf 60 bis 80 Jahre schätzte Stadtgärtner Uwe Gail das Alter der Esche, die bis Mitte letzter Woche noch an, oder besser gesagt „in“ der westlichen Mauer des Kloster Lenzfried stand.

Weniger als fünf Minuten hat es gedauert, bis der große Baum unter schwerem Ächzen und Stöhnen zu Boden krachte. Eine Kette um den Stamm gelegt und mit einem langen Seil an der Winde des Traktors befestigt, ein paar gezielte Schnitte um einen Keil in den Stamm zu sägen, dann per Funk das Kommando an die Seilwinde – das war’s. Zwar war der Baum im Rahmen des Bebauungsplanes zum Erhalt bestimmt gewesen, aber wie Gail auf Nachfrage des KREISBOTEN erklärte, sei das so genannte „Eschen-Triebsterben“ trotz mehrfacher Rettungsversuche so weit fortgeschritten, dass der Baum verkehrsgefährdend geworden sei. Herumliegende morsche Zweige und Äste lassen an der Diagnose tatsächlich kaum zweifeln. Die bereits im Oktober 2012 vom Umweltausschuss abgesegnete Fällung habe erst jetzt vorgenommen werden können, so Gail, weil die Umsetzung aus Gründen des Faunaschutzes nur in dem „sehr kurzen Zeitfenster“ zwischen 1. November und 28. Februar erlaubt sei.
Biotop verschwindet
Nicht nur viele Lenzfrieder haben die im Jahr 2010 begonnene Erschließung des als Baugrund ausgewiesenen ehemaligen Klostergartens an der Ostbahnhofstraße mit Bedauern verfolgt. Dadurch sind einst zum Kloster gehörende Landwirtschaftsgebäude ebenso verschwunden wie ein üppiger Bestand an vor allem Obst- und Nutzbäumen, kurz gesagt: ein Biotop unter anderem für Fledermäuse sowie zahlreiche Vogelarten.
Vögel erwünscht
„Die Lebensräume sind natürlich erst einmal verloren“ und nicht zu ersetzen, räumte Gail ein. Auch wenn sehr wohl Ersatzpflanzungen festgeschrieben seien und jeder „Häuslebauer“ einen Obstbaum in seinem Garten pflanzen müsse, sei „ein alter, knorriger Obstbaum natürlich ganz was anderes als ein neuer, eventuell nur kurzlebiger“. Dennoch werde zumindest langfristig dafür gesorgt, dass sich wieder ein Biotop ansiedeln könne, aufgrund des veränderten Umfeldes allerdings in neuer Zusammensetzung. Unter anderem sah es Kemptens Stadtgärtner als „wichtig, dass man wieder Heckenstrukturen für Brutplätze schafft, an die Katzen nicht herankommen und sich so wieder eine Fauna mit Vögeln bildet“. Christine Tröger

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