Viele gut gemeinte Worte

„Wir werden weniger, wir werden älter und wir werden internationaler.“ Demographischer Wandel nennt sich die Entwicklung, die Sozialreferent Benedikt Mayer unlängst im Stadtrat kurz und knapp beschrieb. Doch davon will sich die Stadtverwaltung nicht überraschen lassen, weshalb OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) bereits zu Beginn der Legislaturperiode das strategische Ziel 2020 „Demografischen Wandel gestalten“ ausgegeben hatte. Jetzt durften die Stadträte ausführlich darüber diskutieren.

„Seniorenpolitisches Gesamtkonzept“, „Kinder- und Familienfreundlichkeit“ und „Integrationsarbeit, Segregation vermeiden“ heißen die drei Handlungsfelder, auf denen ein von der Verwaltung ausgearbeitetes Papier basiert. „Es sind nahezu alle Aufgabenbereiche der Stadt mit betroffen“, wies Benedikt Mayer darauf hin, dass es sich bei diesem strategischen Ziel um eine Querschnittsaufgabe handle. „Die Städte sind gefordert, passgenaue Strukturen zu entwickeln“, sagte er. Mehr generationsübergreifende Angebote und nationalitätenübergreifende Integration forderte in diesem Zusammenhang Erna-Kathrein Groll (Grüne). „Die aufsuchenden Strukturen können verbessert werden“, mahnte sie an. Ludwig Frick (SPD) erinnerte hingegen daran, den Jugendhilfeplan in dem Konzept zu verankern. „Damit der nicht in Vergessenheit gerät.“ Auf die vielen aktiven Senioren in den Bereichen Sport, Wirtschaft und Ehrenamt verwies Bürgermeister Josef Mayr (CSU). „Die kommen mir etwas zu kurz“, kritisierte er. „Es würde sicher schon heute viel in Kempten zusammen brechen, wenn sich viele, die wir Senioren nennen, schon aus dem bürgerschaftlichen Engagement verabschieden würden“, sagte Mayr. Eine Steigerung der Standortqualität mahnte hingegen CSU-Stadtrat Thomas Kiechle an. „Die Leute werden dahin gehen, wo sie die bessere Lebens- und Wirtschaftsqualität finden“, prophezeite er. Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, Seniorenpolitik gemeinsam mit den Senioren zu machen. „Wir brauchen aktive Senioren“, appellierte er. Dieter Zacherle von den Freien Wählern (FW) pries hingegen den Weitblick des Papiers und die Verdienste der Vergangenheit, wie der Erfolg des Haus der Senioren beweise. „Wir haben bereits erkannt, wie die Zukunft unserer Stadt sein wird“, frohlockte er. „Das ist ein Papier, auf das man aufbauen kann.“ Lothar Köster (SPD) regte dagegen an, auch die Jugend in das Gesamtkonzept einzubinden. "Das ist kein Abschieben" Als ein „sehr schönes Konzept“ verspottete dagegen Dr. Philipp Jedlhauser (UB/ödp) das Papier. Denn angesichts der derzeitigen Pflegegesetzgebung „können wir Konzepte machen, soviel wir wollen, dann wird die Oma trotzdem ins Heim abgeschoben.“ Hauptproblem werde nämlich die Pflege und Betreuung der Senioren werden. Und da gehen diejenigen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen derzeit im Vergleich quasi leer aus. Dem widersprach Bürgermeister Mayr, der darauf verwies, dass auch in Heimen mit viel Engagement gepflegt werde. „Das ist kein Abschieben“, betonte er. Das Ehrenamt insgesamt attraktiver für alle machen, zum Beispiel durch Vergünstigungen bei Theaterkarten oder ähnlichem, forderte Harald Platz (CSU). Er regte an, den Kontakt zur Wirtschaft zu suchen, um Alleinerziehenden und jungen Eltern familienfreundlichere Arbeitszeiten zu ermöglichen. Besser zusammenführen Zum Teil nicht weit genug ging Helmut Hitscherich (UB/ödp) das Papier. Er appellierte, den Unterpunkt „Entwicklung der Armut beobachten und reagieren“ auf alle Handlungsfelder auszuweiten. Außerdem wünschte er sich Angebote für Kontakte zwischen „Ureeinwohnern und Zugereisten“. Integrationsbeauftragter Siegfried Oberdörfer (SPD) erinnerte dagegen daran, dass mittlerweile jedes vierte Kind in Kempten ausländischer Herkunft sei bzw. einen Migrationshintergrund habe. „Sprache, Bildung und Arbeit gehören deshalb zusammen. Hier müssen wir unsere Kräfte sammeln“, appellierte er. OB Dr. Netzer sicherte zu, alle Anregungen in den städtischen Gremien zu diskutieren und zu verarbeiten. Im Herbst solle dann gemeinsam mit allen Beteiligten mit der Arbeit an dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept begonnen werden.

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