"Es gab zu viele Häuptlinge"

Er soll’s richten: Das Amtsgericht hat Michael Eß als Notvorstand des FC Kempten bestimmt. Das zehnköpfige Gremium, das den scheidenden Vorstand kürzlich ersetzt hat, hat den 29-Jährigen Bürokaufmann benannt. Im Gespräch mit KREISBOTE erklärt Eß seine Ziele mit dem FCK. Herr Eß, Sie sind beim FC Kempten ein weit gehend unbeschriebenes Blatt. Wie kamen Sie zu ihrem Engagement bei dem Verein?

Eß: „Ich habe vergangenes Jahr nach einem Heimspiel meine Unterstützung angeboten. Ich habe versucht, der Mannschaft neue Impulse zu geben und auch neue Sponsoren zu akquirieren. Im November habe ich mich aber wieder zurückgezogen.“ Aus welchem Grund? Eß: „Der Erfolg war nicht da, weil er nicht da sein konnte. Es gab zu viele Häuptlinge und kein echtes Wir-Gefühl.“ Sie sind noch jung und haben nur wenig Erfahrung mit Fußball. Wie kam man gerade auf Sie als Notvorstand für größten Fußball-Verein der Stadt? Eß: „Reinhard Melder, der auch im Gremium sitzt, hat mich eben deswegen gefragt, weil ich kein alt eingesessenes Mitglied beim FC Kempten bin. Ich habe gegen niemanden etwas. Natürlich spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass sich aus dem Verein niemand zur Verfügung gestellt hat.“ Was haben Sie sich als Notvorstand vorgenommen? Eß: „Der Verein muss zu Ruhe kommen und wieder mit einer Zunge sprechen. Stefan Zeiler und Manfred Singer haben keine schlechte Arbeit geleistet, aber in der Öffentlichkeit hat jeder ständig seinen Senf zu allem gegeben. Jetzt ist klar: ich bin der Einzige, der an die Öffentlichkeit geht. Der Verein ist wirtschaftlich in einer Schieflage, die wir mit aller Kraft beheben müssen. Die wirtschaftliche Lage ist nicht zu unterschätzen aber dennoch nicht aussichtslos. Die Mitglieder des FCK können versichert sein, dass mein Gremium und ich alles versuchen werden, diesen Traditionsverein wieder auf die Erfolgsspur zurück zu bringen. Neue Sponsoren akquirieren Darüber hinaus möchte ich auch, dass der Fußball in Kempten allgemein wieder attraktiver wird. Es muss in Kempten eine Mannschaft geben, die hochklassig spielt, sonst werden nur die guten Spieler untereinander ausgetauscht. Eine Spielgemeinschaft aus dem FC Kempten, dem TSV Kottern, und vielleicht auch Mannschaften aus der näheren Umgebung könnte auch die Sponsorengelder bündeln. Eine solche Spielgemeinschaft möchte ich anregen. Sie zu realisieren ist aber die Aufgabe eines Vorstandes, der von den Mitgliedern gewählt wird. Deswegen wird es unter meiner Führung zum aktuellen Zeitpunkt auch keine Jugend-Fördergemeinschaft zwischen dem FC Kempten und dem TSV Kottern geben. Das kann ein Notvorstand nicht entscheiden. Das muss in einer Mitgliederversammlung mehrheitlich beschlossen werden.“ Wie wollen Sie die finanzielle Situation des Vereins verbessern? Eß: „Unsere Sponsoren sind treue Partner. Trotzdem wollen wir auch neue Sponsoren gewinnen. Dabei geht es uns nicht ausschließlich um große Geldgeber, die 10000 oder 20000 Euro im Jahr bezahlen. Auch an die kleinen Sponsoren, die vielleicht 500 Euro im Jahr geben, müssen wir ran. Wir werden mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen versuchen, unser angekratztes Image aufzupoliern und zu beweisen, dass der FC Kempten ein durchaus attraktiver Verein ist. Unsere finanziellen Zusagen, auch die an die Spieler der ersten Mannschaft, werden wir einhalten. Keiner der Spieler ist überbezahlt. Sie erhalten lediglich eine Aufwandsentschädigung dafür, dass sie sich viermal in der Woche für den FCK ins Zeug legen.“ Wird es personelle Veränderungen in der ersten Mannschaft geben? Eß: „Nein, gar nicht. Wir haben mit Andreas Gote einen Top-Trainer, der die Mannschaft in der Winterpause absolut fit gemacht hat. Außerdem kann er die Spieler motivieren, er hat quasi das Klinsmann-Gen. Hubert Geiger und Herbert Hegenbart wurden vom Gremium beauftragt, mit allen Spielern ein persönliches Gespräch zu führen. Ich biete mich ebenfalls der Mannschaft als Ansprechpartner an. Die Spieler müssen wissen, dass jemand da ist, der sich um sie kümmert. Entscheidend ist, dass wir die nächsten Spiele gewinnen, denn da spielen wir gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf.“ Sie sind mit 29 noch sehr jung. Sehen sie das als Vorteil oder als Nachteil? Eß: „Als Vorteil. Weil mein Name noch unbekannt ist, kann ich neutral argumentieren, wenn ich etwa an neue Sponsoren heran trete. Ich kenne mich als aktiver Tennisspieler mit dem Leistungssport aus und weiß auch, was in Vereinen abläuft.“ Welchen Zeitplan haben Sie sich gesteckt? Eß: „Das Gremium und ich wollen zunächst bis zum 30. Mai zusammenarbeiten. Dann ist die Saison auch vorbei und wir wissen dann, in welcher Liga wir in der kommenden Saison spielen. Die finanzielle Situation wollen wir bis dahin unter Kontrolle haben. Je nachdem ob es uns gelingt, ein zukunftsfähiges Konzept für den FC Kempten zu erstellen, werden wir sehen, ob ich oder Mitglieder des Gremiums weiterhin zur Verfügung stehen.“ Herr Eß, vielen Dank für das Gespräch.

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