Viele (teure) Varianten

Eine Erweiterung der Stadtbibliothek mit einem Anbau an der Orangerie würde nach derzeitigem Stand zwischen 6,9 und 8,5 Millionen Euro kosten. Foto: Läufle

Die Frage nach dem künftigen Standort der Kemptener Stadtbibliothek ist weiter offen. Im Kulturausschuss stellte Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, am Dienstagabend die Entwicklungsmöglichkeiten sowohl am jetzigen Standort, der Orangerie, als auch in der möglichen Alternative, dem Marstall, vor. „In beiden Standorten kann eine zeitgemäße Bibliothek untergebracht werden“, bilanzierte Schießl nach seinem Vortrag. Allerdings kommen auf die Stadt in jedem Fall hohe Kosten zu. Für eine Erweiterung der Bücherei in der Orangerie rechnet die Verwaltung derzeit mit 6,9 bis 8,5 Millionen Euro, eine Erweiterung im Marstall würde voraussichtlich zwischen 4,9 und 6,8 Millionen Euro kosten.

Die Kemptener Stadtbibliothek ist nicht mehr zeitgemäß. Sie ist nicht barrierefrei und aufgrund der beengten Fläche stehen die Regale viel zu eng, die Kinderbuchregale sind teilweise zu hoch und es gibt keine Plätze zum Lernen oder Arbeiten in Gruppen. Auch die Zahl der Ausleihen steigt stetig an. Waren es im Jahr 2002 noch 362 000 Ausleihen, so stieg die Zahl mittlerweile auf 560 000 an. „Das Buch ist kein Auslaufmodell“, betonte Schießl. Außerdem gibt es in Bibliotheken neben Büchern heutzutage auch viele andere Medien. Für eine moderne, zeitgemäße und zukunftsfähige Bücherei ist dem Referatsleiter zufolge ein großes, breites und aktuelles Medienangebot ebenso notwendig wie Plätze zum Lesen und Schmökern. Außerdem müsse das Gebäude hoch flexibel sein, damit auch Veranstaltungen wie Lesungen dort stattfinden können. „Laut einer Richtlinie sollte eine Stadtbibliothek zwei Medien pro Einwohner haben“, so Schießl. 1000 Medien benötigen rund 30 Quadratmeter Nutzfläche. Zieht man die Flächen in den Außenstellen der Stadtbibliothek (zum Beispiel St.-Mang, Heiligkreuz) ab, ergibt sich für Kempten ein Nutzflächen-Bedarf von rund 2700 Quadratmeter. In Zusammenarbeit mit dem Architekten-Büro Maucher und Höß hat das Hochbauamt in den vergangenen Wochen untersucht, ob eine zeitgemäße Bibliothek sowohl im Marstall als auch in der Orangerie unterzubringen ist. Das Ergebnis: An beiden Standorten wäre es machbar, kostet allerdings viel Geld. Schießl stellte dem Ausschuss die Erweiterungsmöglichkeit im Marstall-Gebäude und mehrere Varianten für das Orangerie-Gebäude vor. Marstall: Die notwendigen Flächen für die Stadtbibliothek gibt in dem Gebäude in der Landwehrstraße. Insgesamt stünden dort sogar über 3300 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Neben den Räumen, in denen die Medien untergebracht würden, ist ein Café und Veranstaltungsraum angedacht sowie ein Raum zum Lesen und Lernen. In Sachen Kosten hat die Verwaltung laut Schießl versucht, eine realistische Größenlage zu ermitteln. Eine Erweiterung der Bücherei im Marstall würde die Stadt voraussichtlich zwischen 4,9 und 6,8 Millionen Euro kosten. „Die Spanne definiert sich über die Frage, wie viel in den Bestand investiert wird“, erklärte Schießl. Orangerie: „Bei der Orangerie gibt es viele Varianten, die prinzipiell alle machbar sind“, so der Referatsleiter. Die Nutzfläche beträgt zwischen 2500 und 2700 Quadratmeter. Bei allen Varianten sind neben den Medienstellflächen, Studienplätze, ein Lernzentrum, ein Veranstaltungsraum und ein Café angedacht. Außerdem wäre im Gegensatz zum Marstall eine weitere Lagerfläche integrierbar. Die Varianten 1a und 1b sehen einen zweigeschossigen Neubau mit Keller nach Westen bzw. Norden mit Anbindung an das Bestandsgebäude vor. Bei der Variante 2a wird an einen unterirdischen Anbau direkt an das bestehende Haus in Richtung Hofgarten gedacht. Durch ein Glasdach soll in dem Anbau ein Lichthof entstehen. Variante 2b sieht ebenfalls einen unterirdischen Anbau vor – in Richtung Norden. Bei den Varianten 3a und 3b wird in Richtung „Wohnen am Hofgarten“ angebaut, entweder zweistöckig mit Keller oder eingeschossig mit Keller und einer größeren Grundfläche. Der Neubau wäre über einen Mittelgang an die Orangerie angebunden. Einen halbrunden, zweigeschossigen nördlichen Anbau an die Orangerie sieht Variante 4 vor. Dadurch würden laut Schießl sehr kurze Wege entstehen und das vorhandene Gebäude fast nahtlos erweitert. Die Kosten für die verschiedenen Erweiterungsmöglichkeiten liegen bei 6,9 bis 8,5 Millionen Euro. „Die Spanne definiert sich wieder über die Frage, wie sehr greif ich in den Bestand ein und wie führ ich den Neubau aus“, erläuterte Schießl. "Das sind Träume" „Ich bin richtig erfreut, was für Varianten es gibt. Ich kann mir alle Möglichkeit bei der Orangerie gut vorstellen“, sagte UB/ödp-Stadtrat Michael Hofer. In Sachen Nutzungsfläche ist er der Meinung, dass 3000 Quadratmeter nicht nötig sind. Mit den rund 2700, die in der Orangerie entstehen könnten, habe man im Vergleich zu jetzt bereits eine große Steigerung. Lothar Köster von der SPD meinte, dass der Marstall zwar günstiger sei, aber keine optimalen Bedingungen für eine zeitgemäße Bibliothek biete. Der Stadtrat prognostizierte allerdings, dass eine Umsetzung in den nächsten zehn Jahren nicht zu schaffen ist. „Das sind Träume.“ Die Kulturbeauftragte des Stadtrats, Hildegard Greiter (CSU), freute sich, dass eine Erweiterung sowohl im Marstall als auch in der Orangerie möglich ist. „Wir werden die Varianten in der Fraktion besprechen und schauen, wo wir Akzente setzen.“ Es sei viel möglich, betonte auch Bürgermeisterin Sybille Knott (FW). Die hohen Kosten sah sie jedoch als Wermutstropfen. „Wenn wir Geld in die Hand nehmen, brauchen wir eine Lösung, die auch in zehn Jahren noch den Ansprüchen gerecht wird“, verdeutlichte Thomas Kiechle (CSU). Es stelle sich die Frage, was tatsächlich notwendig ist und worauf verzichtet werden kann. „Wenn wir das noch erleben wollen, sollten wir den Kostenfaktor nicht vergessen.“ OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) gab als Ziel für die weitere Planung vor, dass relativ schnell die Entscheidung für einen Standort fällt. „Für zwei Standorte zu planen ist schwierig und kostet Geld.“ Der Auftrag für die Verwaltung sei jetzt anzuschauen, wie viel für eine moderne und funktionsfähige Bibliothek tatsächlich notwendig ist. Der Rathauschef betonte zudem, dass die Stadt die Erweiterung der Bücherei auch umsetzen und nicht nur davon träumen will. „Die Gretchen-Frage ist: Was kann von den Visionen in der Kultur in den nächsten sieben Jahren umgesetzt werden?“ meinte er und betonte, dass man „dieses Problem“ lösen wolle.

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