Vielseitige Aufführung

Fünf Bauchtänzerinnen entführen am Samstagabend im TIK in den Orient. Foto: Kampfrath

Schlafstörungen zehren an den Kräften. Das muss „Prinzessin Schlafittchen” erfahren. Wegen ihrer bösen Träume magert sie immer mehr ab und wird fahl. Ihr Vater begibt sich auf die Suche nach einer Heilung. Diese getanzte Geschichte sah das Publikum am Samstagabend im voll besetzten Stadttheater. Die Ballettschule Pfannenstein-Kustermann und die Ballettklassen des musischen Zentrums Altusried führten das Stück „Traumfresserchen“ auf.

Die Bühne im Stadttheater verwandelte sich in ein Schloss, die Arktis und Antarktis, die nordamerikanische Prärie sowie in eine afrikanische Wüste. Wilde Tiere und allerlei Völker tauchten auf. Die fantasievollen Kostüme der etwa 150 überwiegend weiblichen Tänzer hatten die Mütter genäht. Ulrich Schwab saß auf einem Sessel unter einer Stehlampe und las die Geschichte vor, die auf einer Erzählung von Michael Ende basiert. Im Schlummerland ist derjenige König, der am besten schlafen kann. Doch böse Gestalten wie Spinnen, Drachen und Hexen tanzen durch die Träume der Prinzessin Schlafittchen (Emilia Rauch). Sie hat Angst vor dem Einschlafen. Da helfen auch die Schlaflieder ihres königlichen Vaters (Bernd Bär Aries) nicht. Die Choreografie von Franziska Hagg, Leiterin der Ballettschule Pfannenstein-Kustermann, ist sehr abwechslungsreich. So zeigen der König und die Königin (Lisa-Marie Stöberl) ein formvollendetes Menuett zu Renaissancemusik. Statt zu schlafen, holt Schlafittchen eine Spieldose aus einer Truhe hervor. Die beiden Mädchen Annemarie Ronsdorf und Leonie Schleyer ahmen mit steifen Bewegungen gekonnt Spieluhrfiguren nach. Als nächstes findet die Prinzessin eine Ballerinapuppe in der Kiste. Nun bekommt das Publikum klassisches Ballett zu sehen. Franziska Dobler, Larissa Sepperer und Leonie Steinle zeigen im Tutu graziös den „Tanz der Rohrflöten“ aus Peter Tschaikowskys „Nussknacker“. Doch wegen des Schlafmangels wird Schlafittchen immer dünner und blasser. Der König lässt Ärzte kommen, die jedoch nicht helfen können und sich lieber amüsieren. Ein langer Weg Erfolglos lässt der Adelige in der ganzen Welt nach einer Heilung für seine Tochter suchen. Schließlich macht er sich selbst auf den langen Weg. Er fragt Feuerwehrleute, Lehrerinnen, alte Chinesen und Gemüsefrauen vergeblich um Rat. Auch die Eskimos und Schneeflocken in der Arktis können ihm nicht helfen. Als er die amerikanische Prärie erreicht, sieht er Kakteen, die ihn stechen. Indianer erzeugen Rauchwolken, Cowboys kommen angeritten, um mit den Rothäuten zu tanzen. Ein Cowboy jagt den König davon, der nach Afrika weiterreist. Dort frönt ein Rudel Löwen seinem Großkatzendasein. Doch auch hier findet das Oberhaupt von Schlummerland keine Hilfe für seine Tochter. Fast fehlerlos Der König zieht in die bittere Kälte der Antarktis zu den schnattrigen Pinguinen. Auf ihren Watschelgang antwortet das Publikum mit viel Gelächter. Der König wandert in den Orient, wo er einen Schlangenbeschwörer samt dreister Schlange und Bauchtänzerinnen bestaunt. Diese bewegen sich sehr synchron und anmutig zur Musik. Sie bezirzen den König, der jedoch flieht. Im Wald sieht er ein Feuer lodern. Die kleinsten Ballettschülerinnen stellen mit roten und gelben Bändern die Flammen dar. Zigeunerinnen tanzen sehr rhythmisch um das Feuer. Auch sie können dem Mann mit der Krone nicht helfen. Mutlos und ohne Ziel geht der König weiter. Als es schneit, verirrt er sich. Bäume, Schneeflocken und Raben tanzen zu trauriger Musik. Plötzlich sieht Schlafittchens Vater ein blau funkelndes Männchen, dessen Gesicht aus lauter lachenden Fältchen und einem riesigen Mund besteht. Da es Hunger hat, soll der König das Männchen einladen. Böse Träume sind seine Nahrung. Das Traumfresserchen, so der Name, schreibt einen Spruch auf Papier, den der König seiner Tochter vorlesen soll. Fliegend trägt das Männchen ihn nach Hausse. Mit dem Spruch heilt der König Schlafittchen, die von nun an nur noch gute Träume hat. Jedes Mal vor dem Einschlafen sagt sie den Spruch auf und lädt das Traumfresserchen ein. Die mitreißende Vorstellung lief nahezu fehlerlos ab. So las Ulrich Schwab die Prärie-Szene versehentlich zu früh vor. Denn auf der Leinwand, die die jeweilige Landschaft zeigte, war bereits das entsprechende Bild zu sehen. Manche Kinder starrten beim Tanzen immer wieder auf ihre Füße. Dennoch war es eine beeindruckende Aufführung. Die Ballettschüler agierten unglaublich lebhaft. Ihr Spaß am Tanzen war nahezu greifbar. Das Publikum belohnte die Tänzer mit Zwischenapplaus und Beifall sowie Bravorufen nach der Vorstellung.

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