Völlig schutzlose Nacktheit

Nein, bei dem Ausstellungstitel „Gefühlswelten“ erwartet man sicher ganz und gar nicht zwangsläufig das, was man dort zu sehen bekommt. Ist einem das Werk des Irseer Künstlers Peter Zeiler allerdings nicht ganz fremd, ist man darauf vorbereitet, dass seine „Gefühlswelten“ wenig mit Beschaulichkeit oder Romantik gemein haben können.

Zum Teil fast unerträglich grausam, laden derzeit über 60 seiner Werke in der Kemptener Kunsthalle zur individuellen Auseinandersetzung mit Seelenzuständen vor allem der heftigeren Art ein. Nur wenige der Plastiken, Malereien, Zeichnungen, Radierungen und erstmals auch bemalten Keramiktellern, bieten dem Betrachter Entspannung. Düster regiert die Farbe schwarz die menschlichen Zerreißproben der verwundeten, mit sich selbst oder äußeren Angreifern ringenden Gestalten. In ihrer Nacktheit sind sie sich, ihren Feinden und ebenso dem Voyeur, schutzlos ausgeliefert. „Ich weiß, dass meine „Gefühls-Schattenbilder“ in manchen Betrachtern auch Angst und Abwehr auslösen. Ich denke: Alle Gefühle – auch unangenehme – sind Teile des Lebens“, steht als Zitat des Künstlers selbst über dessen Vita zu lesen. Damit hat er unbestritten recht. Nur, muss man den Menschen Wahrheiten wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen? Möglicherweise ja. Immerhin, auch das Abwenden und die Abwehrhaltung manch eines Betrachters zeigt, dass die Bilder und Skulpturen etwas berühren, ins Innere vordringen, Gelegenheit bieten, die eigenen Empfindungen gegenüber dem Stein des Anstoßes zu hinterfragen. „Überfall“ heißt eine der Aufmerksamkeit fordernden Skulpturen: Zwei Wölfe haben sich im Hals ihres blutverschmierten Opfers festgebissen. Befremdend unaufgeregt, ja geradezu genießend steht der Attackierte mit himmelwärts gerichtetem Blick da. Häufiger aber geht es um den inneren Feind, der „Abwehrend“, „Nachdenklich“, „Angstvoll“ oder auch im „Zwiegespräch“ bekämpft oder versöhnlich angenommen wird. Vom Leben nicht immer freundlich gezeichnete Fratzen, Schmerz, aber auch Neugier ausdrückende Gesichter, oft mehrere Varianten in einem vereint, werfen Fragen nach den Persönlichkeitsfacetten des Individuums auf. In kraftvollen Linien haucht Zeiler seinen expressiven Figuren Intensität ein. Kohle, Bleistift, Kreide, Acryl – gleich zu welchem Material oder welcher Technik er greift, immer tragen die Werke seine unverkennbare Handschrift. Noch bis zum 7. März sind die „Gefühlswelten“ von Peter Zeiler in der Kunsthalle zu sehen: Freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Am Samstag, 20. Februar, ist Peter Zeiler selbst anwesend.

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