Wacker AG zieht ab

Die Wacker Chemie AG will den Standort Kempten zum 31. März 2011 schließen. Das gab das Unternehmen am vergangenen Donnerstag auf seiner Homepage bekannt. „Wir wollen die Produktionsvolumina des Standortes Kempten auf unsere bestehenden Großanlagen in Burghausen und Nünchritz übertragen und dort auf diese Weise die Auslastung optimieren“, so Wacker-Sprecher Christof Bachmair. Betriebsbedingte Kündigungen soll es in diesem Zusammenhang aber nicht geben. Die Belegschaft wurde von der Geschäftsleitung ebenfalls am Donnerstag über den Schritt informiert.

„Unser Ziel ist es, die Schließung des Werks Kempten ohne betriebsbedingte Kündigungen umzusetzen – und ich sehe gute Chancen dafür, dass uns das auch gelingt“, sagte Wacker-Personalvorstand Dr. Wilhelm Sittenthaler. So sei unter anderem geplant, den 44 Mitarbeitern in Kempten Arbeitsplätze an den Standorten Burghausen und Nünchritz anzubieten. „Speziell durch den Ausbau unseres Polysilicium-Geschäfts haben wir dort in den kommenden Jahren weiteren Personalbedarf“, so Sittenthaler weiter. Dabei werde man selbstverständlich die bereits vorhandene Belegschaft bevorzugt behandeln. Von daher sei er zuversichtlich, dass die Schließung des Kemptener Werks sozialverträglich durch natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und Abfindungsverträge bewerkstelligt werden könne. Für die Kemptener Beschäftigten kommt der Schritt offenbar nicht völlig überraschend. „Das ist ein eineinhalb bis zwei Jahre altes Gespenst, das hier durch die Flure läuft“, berichtete Betriebsratsvorsitzender Rudi Voss. Schließlich sei die Anlage in Kempten die kleinste der drei Anlagen zur Produktion von pyrogenen Kieselsäuren. „Das war irgendwann abzusehen.“ Trotzdem sei er zuversichtlich, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. „Ich gehe davon aus, dass es so etwas nicht geben wird und jedem ein Arbeitsplatz angeboten wird“, so Voss. „Die Wacker AG hat sich bisher immer ihrer sozialen Verantwortung gestellt“, betonte er. Hoffen auf Lösungen Problematisch sei allerdings, dass die Belegschaft zum guten Teil aus älteren Arbeitnehmern in den 50ern bestehe, die sich in Kempten und im Allgäu eine Existenz aufgebaut haben. Ein Umzug oder Pendeln nach Burghausen sei so schwer zu handhaben. „Ich gehe davon aus, dass auch hier eine Lösung gefunden wird – das ist ganz ganz wichtig“, betonte der Betriebsratsvorsitzende. „Das wird für alle schwierig, aber ich gehe davon aus, dass Wacker mit uns an einem Strang zieht“, sagte Voss weiter. „Wir sind intensiv dabei, Lösungen auszuloten.“

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kommentare