"War nie mein Hobby"

Für über 30 Jahre ehrenamtlicher Einsatz für die Bodendenkmalpflege wurde Walter Keinert nun mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Foto: Tröger

Passion muss da wohl reichlich mit im Spiel sein, auch wenn Walter Keinert betont, „es war nie mein Hobby“. Seit über 30 Jahren, genau seit 1983, engagiert sich der Kemptener für die Bodendenkmalpflege. Als Mitglied des 45-köpfigen Archäologischen Arbeitskreises Allgäu hat er unzählige topographische Vermessungen an Fundorten im Gebiet zwischen Füssen, Schongau, Memmingen und Lindau vorgenommen, Pläne erstellt und den hauptamtlichen Archäologen, auch durch seine Mitarbeit bei Ausgrabungen, zugearbeitet. Im Rahmen der 33. Verleihung wurde er jetzt zusammen mit 27 weiteren Persönlichkeiten und Institutionen, die sich besonders für Denkmalschutz und Denkmalpflege einsetzen in München von Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Eine „schöne Feier“, wie er im Gespräch mit dem KREISBOTEN wenige Tage danach meinte.

Zu erzählen hatte der pensionierte Bauingenieur und Architekt rückblickend eine ganze Menge. Zum Beispiel von der tachymetrischen Erfassung der Römerstraßen, der inzwischen 15 römischen Wachtürme oder auch der Steinzeitfunde, die nahe des Hopfensees beim Autobahnbau nach Füssen zutage gekommen seien. Von seinen Vermessungen an rund 30 Burgen war ihm die „gefährliche“ Arbeit „auf der Mauer in sieben, acht Metern Höhe“ an der „zum Teil steil abfallenden“ Alt-Trauchburg noch sehr präsent. „Wir sind ja alle ehrenamtlich tätig und im Unglücksfall nicht groß versichert“, fügte er an. Eine wichtige Rolle beim Auffinden von archäologisch interessanten Stellen sprach er den so genannten „Flurbegehern“ zu. Wenn sie auf ihren Spaziergängen „eine auffällige Stelle entdecken, melden sie sie uns“ – wie zum Beispiel einmal „querliegende Hölzer über einem Weg mit Radspuren“ südlich von Pfronten. Den Fund aus der Hallstattzeit 450 v. Chr. „haben wir vermessen und in die Flurkarte eingetragen“, erinnerte er sich. Gravierende Veränderungen im Boden gebe es derzeit aufgrund des massiven Anbaus von Mais für Biogas im Unterallgäu. „Viele vergessene Bodendenkmäler kommen wieder heraus“. Gemeldet würden sie allerdings von den Grundbesitzern so gut wie nie. Auch der sehr spektakulär klingende Fund des auf einer Gesamtfläche von rund 7000 Quadratmetern verteilten römischen Gutshofs von Kohlhunden, der 2002 beim Bau der neuen Staatsstraße südlich von Marktoberdorf entdeckt wurde, geht laut Keinert auf die Meldung eines Flurbegehers zurück. Freigelegt worden sei allerdings nur das Badegebäude, „das jetzt das Museum ist“. Aus Geldmangel sei nicht gegraben worden, denn „Geld fehlt immer und die Sponsoren werden immer weniger“, bedauerte er. „Das schönste war der Geschirrfund“, geriet er fast ins Schwärmen über die „fünf vollständig erhaltenen Kugelbecher“ – auf dreien seien „auf gallische Herkunft hinweisende Namen“ eingraviert gewesen: Sturilles, Liacus und Duccus – und das insgesamt 25-teilige, fast vollständig intakte Terra-Sigillata. „Das war also die große Überraschung vom Gutshof in Kohlhunden“ mit zehn Gebäuden, von denen „fünf dem Bau der Straße weichen mussten“, schloss er das Thema. Sein Interesse für die Archäologie sei bereits an der Oberrealschule durch Dr. Josef Rottenkolber geweckt worden, der „mit uns zum Thema Römer sehr viele Exkursionen auf den Lindenberg unternommen hat“. In den 1950ern sei dort die zivile Stadt Cambodunum schon überbaut worden. „Es hat mir damals schon sehr weh getan, dass man 2000 Jahre alte Gebäude einfach so dem Bagger überlässt“, bekannte er, dass die Geschichte ihn seither „nicht mehr losgelassen“ habe. Und als dann vor etwa gut 30 Jahren der heutige Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber als Archäologe in Kempten verpflichtet worden sei, habe er begonnen sich ehrenamtlich zu engagieren.

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