Der Förderverein stellt sein Nutzungskonzept zur Diskussion

Ein Weckruf für das Beginenhaus

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Der Nonnenturm in der Burghaldegasse ragt über die Stadtmauer hinaus. In seinem Inneren sind ein Stück des Stadtmauerwehrgangs  erhalten und eine Wohnung der Renaissancezeit.

Kempten – Nach dreizehn Jahren intensiver Arbeit des Fördervereins zur Erhaltung des Beginenhauses und des Nonnenturms ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Seit 2003 haben die Mitglieder des Vereins Tausende Arbeitsstunden in den Häuser und am Schreibtisch über Plänen und Kalkulationen verbracht.

Die Erfolge sind zahlreich: Die Häuser sind bestens erforscht, dokumentiert, komplett mit 3D-Lasertechnik vermessen und das Raumbuch ist auf dem aktuellen Stand. Seit Dezember 2014 wurde die Sanierungs- und Nutzungsplanung mit dem Architekturbüro Maucher und Höß, dem Statikbüro Prof. Schütz und weiteren Fachplanern unter der Projektleitung des Hochbauamts ausgearbeitet.

Parallel lief die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins weiter. „Wir haben die Häuser in zahlreichen Führungen Besuchergruppen gezeigt“, sagt Birgit Kata, die Vorsitzende des Fördervereins. „Auch dieses Jahr kamen die Angebote im Haus zum Tag des offenen Denkmals sehr gut an, besonders die Ausstellung der Rekonstruktionsbilder von Roger Mayrock und die Vorführung des Drohnenflugs über den Häusern.“

Zeitplan offen

Seit Ende 2015 läuft das Projekt nur noch auf Sparflamme, weil der Eigentümer der Gebäude, die Stadt Kempten, die weiteren Planungsgelder für 2016 nicht freigegeben hat und auch keinen Beginn für die Sanierung in Aussicht gestellt hat.

Der Verein kam dadurch in Erklärungsnot gegenüber den auswärtigen Fördergeldgebern, die etwa die Hälfte der Sanierungskosten tragen würden. Die Gesamtkosten des Sanierungs­projekts belaufen sich nach der momentanen Berechnung auf ca. 6,5 Millionen Euro.

Es ist auch noch keine Entscheidung gefallen, ob das „Zentrum für Buchkultur“ im Beginenhaus realisiert wird. In dieser Zweigstelle der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs sollte die bedeutende historische Büchersammlung Kemptens zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In Kabinettausstellungen könnten Einzelthemen der reichen Buch-, Papier-, Bibliotheks- und Druckereiengeschichte der Stadt präsentiert werden.

Die Nutzungsvorschläge des Vereins

Falls die Stadt die Büchersammlung anderweitig unterbringen will, hat der Förderverein für die dafür vorgesehenen Räume andere Nutzungen eingeplant, zum Beispiel als weitere Kurs-, Aus­stellungs- oder Museumspädagogikräume.

Um die Meinung der Kemptenerinnen und Kemptener zur Nutzungsplanung zu erfahren, startet der Förderverein jetzt eine Befragungsaktion. Auf einer „Stimmkarte“ kann jede/r ankreuzen, welche Nutzungen im Beginenhaus und im Nonnenturm gewünscht sind. Vorschläge seitens des Vereins sind:

- Ein großer Veranstaltungssaal im Erdgeschoss des Beginenhauses, der auch für Feiern gemietet werden kann.

- Ein Tagescafé zur Burghaldegasse hin, vor dem man im Sommer auch draußen unter den Kastanien sitzen kann.

- Ein Museum im Nonnenturm mit dem originalen Wehrgang der Stadtmauer und einer Wohnung der Renaissancezeit. Dort kann die Kultur und Geschichte der Reichsstadt am authentischen Ort erfahren werden.

- Einen Laden bzw. ein Antiquariat zur Burgstraße hin.

- Eine Werkstatt, in der Kurse für Kinder und Erwachsene stattfinden können.

- Ein Saal für kleine Sonderausstellungen und Versammlungen, der ebenfalls gemietet werden kann.

- Im neu errichteten Verbindungsbau zwischen den mittelalterlichen Gebäuden werden ein Aufzug für den barrierefreien Zugang, ein feuersicheres Treppenhaus und die Toilettenanlage untergebracht

- Falls das „Zentrum für Buchkultur“ doch ins Beginenhaus einzieht, wird es dort eine Schatz­kammer für die besonders wertvollen oder seltenen Bücher geben, einen Lesesaal und eine Schausammlung sowie ein Antiquariat.

Auch die Schriftführerin Bernadette Mayr hofft, dass viele bei der Befragungsaktion mitmachen. „Sie können alles ankreuzen, was Ihnen gefällt. Als Dankeschön für die Mitwirkung verlosen wir Gutscheine unter den Teilnehmenden“, ergänzt sie.

Wünsche werden ausgewertet

Die Stimmkarten und Zuschriften werden ausgewertet und vor Beginn der Haushaltsberatun­gen an den Oberbürgermeister und den Stadtrat weitergeleitet. Ziel ist es, dass die Stadt der von der Bevölkerung gewünschten Nutzungsplanung zustimmt, die bereits bewilligten Planungsgelder für 2017 freigibt und einen konkreten Sanierungsbeginn festlegt.

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es auf der Homepage des Fördervereins www.beginenhaus-kempten.de. kb

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