Helferkreise feiern Weihnachten mit Flüchtlingen verschiedener Herkunftsländer

Glaube spielt keine Rolle

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Einen gemütlichen und fröhlichen Abend verbrachten die Ehrenamtlichen des Helferkreises Kempten Ost mit „ihren“ Flüchtlingen. Mit dabei waren Christian Wilhelm, Mitglied des Pfarrgemeinderates St. Ulrich und leitender Koordinator des Flüchtlingskreises Kempten Ost (2. vorne rechts) sowie die ehemalige Deutschlehrerin und Ehrenamtliche der ersten Stunde, Sibylle Fischer (r.).

Kempten – „Weihnachten ist Teil unserer Kultur und eigentlich ist es ja nicht der Weihnachtsmann, sondern das Christkind, das im Mittelpunkt der christlichen Weihnacht steht, aber auch wir haben im Laufe der Zeit schließlich fremde Gebräuche übernommen“, sagt Jasmin Alber von „students4refugees“, einem Arbeitskreis der Studienvertretung der Hochschule Kempten.

„Wir feiern hier nicht wirklich eine christliche Weihnachtsfeier“, sagt Christian Wilhelm von der Pfarrgemeinde St. Ulrich aus dem Kemptener Osten, „sondern wir wollen zum Jahresende noch einmal die Flüchtlingshelferinnen und Helfer unseres Helferkreises Kempten Ost mit ‚unseren‘ Flüchtlingen in gemütlicher Runde zusammen bringen“.

Beide Helferkreise, zum einen die studentische Organisation „students4refugees“ der Hochschule Kempten und der Helferkreis Kempten Ost, hatten am vergangenen Freitag Abend Flüchtlinge eingeladen, um gemeinsam mit ihnen in geselliger Runde ein vorweihnachtliches Fest zu feiern. „Wir wollen den Flüchtlingen zeigen, dass Weihnachten ein Teil unserer Kultur ist, aber gleichzeitig den Flüchtlingen darlegen, dass wir offen sind, Toleranz pflegen und uns über ihre Teilnahme an diesem Fest freuen, auch wenn diese einen anderen Glauben haben“, so die junge Studentin der Sozialwirtschaft Alber und fügt hinzu: „Das klappt sehr gut.“ Sibylle Fischer, eine ehemalige Deutschlehrerin, die ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge gibt, freut sich, dass so viele Flüchtlinge den Weg, unter anderem aus den Unterkünften in der Kaufbeurer Straße, der Reinhartser Straße und dem Siedlerweg, zur Pfarrkirche St. Ulrich gefunden haben, um gemeinsam mit ihnen in gemütlicher Runde bei Punsch und Plätzchen zu feiern.

Buntes Kaleidoskop der Flüchtlingssituation 

Bei diesen beiden Weihnachtsfeiern für Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft Rübezahlweg, um die sich die Organisation students4refugees kümmert, und denen aus dem Kemptener Osten, um die sich der Helferkreis Kempten Ost unter der Leitung der Pfarrkirche St. Ulrich kümmert, offenbart sich das ganze, bunte Kaleidoskop der bundesdeutschen Flüchtlingssituation.

Unbegleitete junge Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea und Somalia sitzen gemeinsam mit syrischen Flüchtlingsfamilien sowie jungen afrikanischen Müttern mit Kindern am weihnachtlich eingedeckten Tisch und genießen gemeinsam mit Flüchtlingshelfern die wenige Abwechslung aus ihrem oft tristen Alltag.

Dabei spielt der Glaube keine Rolle. „Ich möchte gerne arbeiten“, sagt ein junger Mann aus Somalia etwas enttäuscht, „aber alles dauert so lang“. Kommt man mit den Flüchtlingen ins Gespräch, erfährt man schnell, wo der Schuh drückt. Auf engstem Raum zusammen in übervollen Unterkünften zusammengepfercht, entsteht schnell Frust über die eigene Situation, die oftmals geprägt ist von Beschäftigungslosigkeit und alltäglicher Langeweile. Nichts mehr wünschen sich die meisten, als irgendwo eine Beschäftigung zu finden, die ihnen zudem soziale Kontakte zu ihren neuen Mitmenschen verschafft. Mangelnde Sprachkenntnisse sind da das größte Problem, wissen die Flüchtlingshelfer zu berichten. „Ich kann niemanden beschäftigen, der weder Deutsch noch Englisch spricht“, hört Fischer vom Helferkreis Kempten Ost allzu oft, wenn sie versucht „ihren“ Flüchtlingen aus der Kaufbeurer Straße Praktika zu verschaffen.

Umso mehr freut es sie, wenn Menschen einem jungem Flüchtling die Chance auf eine Beschäftigung geben, wie es unlängst das Colosseum Kino Center Kempten tat. Zur Zeit versuchen Ehrenamtliche, wie eine Dame aus dem Kemptener Osten, die seit 15 Jahren mit ihrem Mann in den arabischen Emiraten lebt, zu helfen, so gut es geht. „Wenn ich nicht in den Emiraten bin, kann ich mich hier als Übersetzerin einbringen, denn es ist wichtig, dass wir mit den Menschen, die zu uns kommen, ins Gespräch kommen und bleiben.“ Es sind Menschen, wie diese, die das „Wir schaffen das!“ der Kanzlerin ehrenamtlich in die Tat umsetzen und zu dieser besinnlichen Zeit zeigen, dass man zu christlichen Werten steht.

Jörg Spielberg

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