Abwechslungsreiches Programm

Festliche Wohlklänge

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Auf dem Marimbaphon zeigt Lukas Holzinger sein großes Talent.

Kempten – Als nach zweieinhalb Stunden das letzte Stück zu Ende war, blieben die Zuhörer im Schönen Saal einfach sitzen. Gern hätten sie noch mehr von den festlichen Wohlklängen gehört. Die Mitwirkenden des Weihnachtskonzerts an der Sing- und Musikschule Kempten beeindruckten jetzt das Publikum.

Den Anfang machte das Jugendblasorchester unter der Leitung von Thomas Frasch. Wie eine Hymne erklang das „Glorioso“ des US-Amerikaners Robert W. Smith. Die Bläser interpretierten das Stück vor allem im tiefen Blech sehr kraftvoll. Das „Sleigh Ride“ von Leroy Anderson mit seiner be-kannten Melodie spielte das Jugendblasorchester lustig und beschwingt, manchmal etwas geheimnisvoll. Gekonnt ahmte der Perkussionist das Pferdetraben dieser musikalischen Schlittenfahrt nach.

Unter der Leitung von Susanne Kühn gaben die Maxi-Strings und Kleopha Haslach am Cembalo fünf Sätze aus den „Concerti Grossi op. 6“ von Arcangelo Corellli zum Besten. Die Allemanda ertönte sehr ho-mogen. Bei den schnellen Läufen hatten die jungen Musiker keinerlei Schwierigkeiten. Den festlichen Charakter der Corrente unterstrichen sie gut. Bei der Gavotta setzten die verschiedenen Instrumentalgruppen stets richtig ein. Durch schöne Dynamik und Tempi überzeugten die Maxi-Strings und die Cembalistin bei der Sarabanda. Die Pastorale boten sie mit schwelgerischer Ruhe dar. Alle fünf Sätze erklangen sauber und tänzerisch, der barocke Stil kam gut zur Geltung. Die zehn- bis zwölfjährigen Streicher erstaunten dadurch, dass an keiner Stelle ein Instrument quietschte oder schnarrte.

Mit der „Sonate B-Dur“ von Giuseppe Sammartini ging es im Stile des Barock weiter. Im Allegro gelang Elena Rothermel an der Altblockflöte und Annette Naumann am Cembalo der Wechsel zwischen fröhlichen und wehmütigen Klängen außerordentlich gut. Die Flötistin meisterte die überaus schnellen Läufe souverän. Andächtig hörte sich das Adagio an. Den lebendigen Charakter des abschließenden Adagios untermalten die beiden Instrumentalistinnen gekonnt.

Den ersten Satz Allegro moderato aus dem „Konzert für zwei Klaviere in C-Dur“ von Johann Sebastian Bach spielten Kleopha Haslach und Tabea Hiemer. Die beiden waren gut aufeinander abgestimmt. Sie trugen den Satz mit viel Lei-denschaft und Gefühl vor. Dabei hatten sie trotz der Schwierigkeit des Klavierstücks keinerlei Schwierigkeiten.

Das Collegium Vocale sang unter der Leitung von Rebecca Heudorfer „O Magnum Mysterium“ von Francis Poulenc. Der Chor klang dabei sehr rein und gestaltete das Stück kontrastreich aus. Gekonnte Dramatik war beim „Corpus Christi Carol“ von Trond Kverno zu hören. Die Unterstimmen ahmten bei „Es wird scho glei dumpa“ von Franz M. Herzog Zupfinstrumente nach. Die Sänger beeindruckten durch Klangreinheit und abwechslungsreiche Dynamik. Sie waren sicher im Rhythmus, obwohl dieser schwierig war.

Äußerst besinnlich wirkte auf dem Marimbaphon Lukas Holzingers Interpretation von „A little Prayer“ der zeitgenössischen Komponistin Evelyn Glennie. Dabei überzeugte er auch durch eine tolle Dynamik. Ohne Dirigenten spielte das siebenköpfige Bläser-Ensemble das „Scherzo und Trio in F“ von Franz Schubert nach einem Arrangement von Geoffrey Emerson. Die Darbietung war sehr beschwingt und wirkte wie ein Dialog zwischen den verschiedenen Instrumenten. Schön untermalten die Bläser die verschiedenen Stimmungen des Stücks, die von belustigt über nachdenklich bis traurig reichten.

Mit dem „Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 a-moll“ von Johann Sebastian Bach stand erneut ein barockes Werk auf dem Programm. Das Jugendsinfonieorchester und Annette Naumann am Cembalo trugen unter der Leitung von Johannes Kühn das Allegro leicht wehmütig und sehnsüch-tig vor. Mit dem Andante drückten die Musiker großen Sanftmut und Güte aus, in die sich hin und wieder schwermütige Töne mischten. Große Le-bendigkeit und Klangfülle bewiesen sie beim Allegro assai. Überragend als Solistin auf der Violine war dabei Susanna Mar-quardt, die durch ihr sicheres und ausdrucksstarkes Spiel begeisterte. Melancholisch begann die „Pavane und Gigue für großes Orchester“ von William Byrd nach einer Bearbeitung von Leopold Stokowski. Streicher und Bläser ertönten im Wechsel und gefielen durch schöne reine Klänge.

Die Zuhörer belohnten die Mitwirkenden mit großem Applaus. Das ganze Weihnachtskonzert zeugte von der hohen Qualität der Ausbildung an der Kemptener Sing- und Musikschule.

Franziska Kampfrath

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