"Weltweit die Einzige dieser Art"

Prof. Dr.-Ing. Stefan M. Holzer (3.v.r.) erklärt Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann (v.l.), Baureferentin Monika Beltinger, Dr. Heinrich Schroeter, Dipl.-Ing. Rainer Ueckert und OB Dr. Ulrich Netzer die Besonderheiten der Brücke. Fotos: Läufle

Sie ist 160 Jahre alt und ein einzigartiges Denkmal des frühen Eisenbahnzeitalters: Die König-Ludwig- Brücke in Kempten. Im Rahmen eines Festakts ist der Illerübergang an der Kreuzung Kotterner Straße/Schumacherring am Freitagmittag als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet worden.

In Bayern ist die König-Ludwig-Brücke nach der Fleischbrücke in Nürnberg das zweite und bundesweit das elfte Bauwerk, das mit dem von der Bundesingenieurkammer verliehenen Titel geehrt wird, wie Dipl.-Ing. Rainer Ueckert, Vorstandsmitglied der Bundesingenieurkammer, erläuterte. „Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Brücke nun den Titel 'Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland' verliehen bekommt“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und bedankte sich bei denjenigen, von denen der Anstoß für die Ehrung kam: Karl-Heinz Gärtner aus Kempten und die Konstruktionsgruppe Bauen. Welche Leistung Konstruktion und Bau der Brücke waren, zeigt sich laut Netzer darin, dass auf der 1847 bis 1851 erbauten Bahnbrücke, die die Stadt 1907 erworben und zur Straßenbrücke umgestaltet hat, bis ins Jahr 1980 noch der gesamte Fahrverkehr rollte. Seitdem dient sie als Fuß- und Radwegbrücke. Dr. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurkammer-Bau, hob die Besonderheiten der Kemptener Brücke hervor. „Das ist ein ganz seltenes Zeugnis für die Entwicklung unseres Berufsstandes.“ Die König-Ludwig-Brücke war eines der ersten Bauwerke in Deutschland, dessen Tragelemente nicht empirisch, sondern auf Grundlage theoretischer Überlegungen bemessen wurden. „Hier sind Konstruktionsprinzipien verwirklicht worden, die später im Stahlbau weitergeführt wurden“, so Schroeter. „Die König-Ludwig-Brücke ist etwas einmaliges und dürfte weltweit die einzige Brücke dieser Art sein, die noch steht“, erklärte Prof. Dr.-Ing. Stefan M. Holzer, der eine 94-seitige Broschüre über das Kemptener Bauwerk geschrieben hat. Der fünf Meter hohe hölzerne Träger aus Gitterwerk ist nach dem amerikanischen „System Howe“ konstruiert worden. „Das ist ein robustes Tragwerk. Man könnte die Hälfte der Traghölzer wegnehmen, ohne dass etwas passiert“, verdeutlichte Holzer. Der Experte wünschte sich jedoch, dass die Holzkonstruktion der Brücke künftig wieder vor der Witterung geschützt wird, das heißt, mit Brettern verschalt wird, damit sie noch länger besteht. „Ich hoffe, dass die Brücke noch ihr 200-jähriges Jubiläum feiern kann.“ Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, kommen auf die Stadt in den kommenden Jahren hohe Kosten zu, wie OB Netzer erläuterte. „Zum Erhalt der König-Ludwig-Brücke sind in nächster Zeit umfangreiche Sanierungen notwendig.“ So müssen dem Stadtoberhaupt zufolge tragende Bauteile wie zum Beispiel Holzschwellen, diagonale Druckhölzer an den Pfeilern und zum Teil auch die unteren Traghölzer erneuert werden. „Wir haben massive Schäden und müssen dringend handeln“, verdeutlichte Netzer. Eine deutliche siebenstellige Summe müsse dafür aufgewendet werden. „Allein können wir das aber nicht schultern, deshalb hoffen wir sehr auf eine breite Unterstützung aller beteiligten Behörden und Ministerien“, so der OB in Richtung der anwesenden Verantwortlichen der zuständigen Stellen.

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