Zu wenig wahrgenommen

Um Gäste in die Region zu locken, seien „weiche Faktoren“ wie Freundlichkeit, Servicequalität oder Werbung bedeutend, eröffnete OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) den Tourismustag im Rahmen der Allgäuer Festwoche. Allerdings sei auch das Gebaute wichtig, das Touristen bis zum Restaurant an der Bergbahn erleben. „Architektur sowohl im öffentlichen wie im touristischen Bereich ist ein noch zu wenig wahrgenommener Faktor“, betonte er vor dem Fachpublikum. Um das zu ändern, richtete sich der Fokus der Tagung auf „Architektur als touristisches Marketinginstrument“.

Zwar könnten mit Architektur allein keine Touristen angelockt werden, aber zusammen mit stimmigen „Softfacts“ einen „wesentlichen Beitrag leisten“, machte auch die Wiener Referentin Bibiane Hromas von der Plattform für Architektur im Tourismus (pla’tou) im Rahmen der zahlreich besuchten Veranstaltung im Zuge der Festwoche klar. Mit technischen Neuerungen, Wellness und Spaß seien die Gäste in den letzten Jahren verwöhnt worden, „aber Baukultur wurde noch zu wenig beachtet“. Dabei gehe es um die Balance zwischen wirtschaftlicher Funktionalität, die Gäste aber nicht sehen wollten, und einem „Ambiente zum Wohlfühlen“. Mit starker, moderner Architektur „kann man sich immer von den Mitbewerbern abheben“, machte sie deutlich, wobei alter Baubestand problemlos integriert werden könne. Als Paradebeispiel nannte sie das durch seine herausragende Architektur auch für Gäste attraktive benachbarte Vorarlberg. Auch beim Bauen müsse sich der Tourismus mit der Beobachtung beschäftigen, „dass die Vertreter der Spaßgesellschaft abnehmen“, bedeutete Hromas die Zunahme an Gästen der sogenannten „Sinngesellschaft“, die ein „introvertiertes Erleben“ bevorzugten. Diese seien meist sehr „architektursensibel“ und fokussiert auf Genuss mit Verantwortung für die Zukunft, Design und Nachhaltigkeit. Hervorragende Unterkünfte Die ebenso gute Unterbringung der Mitarbeiter war für Hromas selbstredend „Voraussetzung für gutes Personal“. Mit einigen Ergebnissen der österreichischen Studie „Architektur macht Gäste“, die sich mit Architektur und Wirtschaftlichkeit im Tourismus befasst, untermauerte Hromas den Erfolgsfaktor Architektur. Danach hätten sich für 88 Prozent der Befragten die „Investition in moderne Architektur rentiert“ und 80 Prozent sähen darin einen „wichtigen Marketingfaktor“. Oder wie Moderatorin Bettina Ahne es zusammenfasste: „Gute Gäste wollen gute Architektur. Gute Architektur bringt gute Gäste“. Dass es moderne Architektur anfangs oft nicht leicht hat, machte hingegen Alfons Zeller, Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben, am Beispiel des Pariser Eiffelturms deutlich. Heute eine touristische Hauptattraktion, sei der während des Baus zunächst heftig kritisiert worden.

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