Wenn der Druck zu groß wird

Beim Illerstadion ist eine öffentliche Toilette vorgesehen. Eingeplante Kosten: 125 000 Euro. Foto: Matz

Für 125 000 Euro bekommt man so einiges: Beispielsweise eine gut ausgestattete Wohnung mit mindestens zwei bis drei Zimmern und 70 Quadratmetern. Oder einen nagelneuen 7er BMW mit einem ebenso nagelneuen Golf GTI als Bonusdreingabe. Was man mit dem Geld aber auch machen kann: Man baut damit eine Toilette für die Wohnmobilisten am Illerdamm. Exakt diese Summe hat die Bauverwaltung für den Bau eines öffentlichen Luxus-Potts im kommenden Jahr eingeplant. Obwohl da einige Stadträte am Mittwochabend im Haupt- und Finanzausschuss die Stirn runzeln mussten, passierte das Vorhaben das Gremium. Allerdings soll jetzt zunächst einmal nach Alternativen gesucht werden.

Ans Licht kam das Vorhaben im Zusammenhang mit der geplanten Erweiterung der Wohnmobilparkplätze am Illerdamm auf nunmehr insgesamt 20. Um den Wohnmobilisten den Aufenthalt an der Iller so angenehm wie möglich zu machen, soll auch gleich eine neue Toilette her, wie Baureferentin Monika Beltinger berichtete. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ergänzte, dass aus der Bevölkerung wegen der vielen Freizeitaktivitäten am Illerstadtion ebenfalls der Wunsch nach mehr öffentlichen Toiletten in diesem Bereich laut geworden sei. Nach Angaben von Beltinger handelt es sich bei dem angedachten stillen Örtchen um eine aus zwei Einheiten bestehende selbstreinigende Anlage aus Edelstahl. In den eingeplanten Kosten mit drin sind aber auch das dazugehörige Gebäude und die Nebenanlagen. „So groß wie am Königsplatz wird es allerdings nicht“, erläuterte sie gegenüber dem KREISBOTEN. Der Planungsansatz in Höhe von 125 000 Euro basiere auf Erfahrungswerten, allerdings müsse der Kostenrahmen nicht ausgeschöpft werden. Das sei aber Sache der weiteren Planungen. Angesichts des stolzen Preises stellte sich dem ein oder anderen Stadtrat die Frage nach Alternativen, beispielsweise den Toiletten im Stadion selbst oder in einer Gaststätte ganz in der Nähe. „Alle Möglichkeiten, die wir bisher gefunden haben, funktionieren aber nicht“, erwiderte Beltinger. Vor allem der Unterhalt der öffentlichen Klos gestalte sich schwierig. Trotzdem zweifelten einige der Anwesenden an dem Sinn des Projekts. CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier verwies zum Beispiel darauf, dass viele Wohnmobile mittlerweile so gut ausgestattet seien, dass eine Extra-Klo für sie überflüssig ist. „Die Wohnmobilisten brauchen so etwas auch gar nicht“, betonte er. „Die ganze Gaststätte dort hat weniger gekostet als die Toilette“, grantelte er. Ludwig Frick von der SPD hielt dagegen und meinte: „Es gibt nicht nur Zwölftonner auf drei Achsen – wir müssen an alle denken“appellierte er. Trotz strenger Blicke von Hagenmaier bleiben die 125 000 Euro zunächst im Investitionsplan – allerdings mit dem Auftrag an die Verwaltung, zu prüfen, ob nicht auch die Toilette der benachbarten Gaststätte genutzt werden kann.

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