Wenn Schatten verschwinden

Die Künstlerin Marianne Manda zeigt in der Ausstellung „Vom verschwinden des Schattens“ mit überwiegend archäologischen Zeichnungen derzeit einen ihrer Arbeitsschwerpunkte im Haus der Senioren. Foto: Tröger

Kunst, die Kunstwerke darstellt? Oder wie sonst könnte man den Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung der Kemptener Künstlerin Marianne Manda im Haus der Senioren auf den Punkt bringen? Handelt es sich doch um eine Auswahl ihrer archäologischen Zeichnungen, die sie seit 1979 an 17 Grabungsstätten im Abend- und Morgenland auf insgesamt rund 10 000 Blättern – viele davon mit gleich mehreren Darstellungen – zu Papier gebracht hat.

Die Originale zu den gezeigten, hochwertigen Drucken lagern wohlweislich im Deutschen Archäologischen Institut in Berlin. Zwischen akribisch wiedergegebenen Fundstücken, unter anderem aus dem Jemen, neben Kempten einer ihrer Hauptaufenthaltsorte, finden sich Zeichnungen auch aus der Illerstadt, oder besser gesagt von Gegenständen aus dem ehemaligen Cambodunum. Warum Zeichnungen besser sind als Fotos erklärte, sie jetzt im Rahmen der Ausstellungseröffnung. „Die Technik ist bis heute nicht in der Lage, Gegenstände so wiederzugeben, dass der Archäologe wissenschaftlich damit arbeiten kann“. So könne die Kamera zum Beispiel nicht unterscheiden, ob es sich um einen Kratzer oder eine Ritzung handle – „ich schon“, meinte sie selbstbewusst. Auch perspektivische Verzerrungen könnten beim Zeichnen mit genauen Messungen vermieden werden, was eine „sehr exakte Wiedergabe“ ermögliche. Mit ihrer Ausstellung „Vom Verschwinden des Schattens“ will sie eine „Verbindung von Sachzeichnung und Kunst“ schaffen. Denn auch wenn sie „nur abbilden darf, was ich sehe“, ohne Interpretation, stecke in jedem der gezeichneten Fundstücke „letztendlich ein Stück Seele von mir“. Lange Vorbereitung Zwei Jahre lang hat Karl-Heinz Frick, Leiter des Haus der Senioren, nach eigener Aussage, mit der Künstlerin am Zustandekommen der Ausstellung gearbeitet. Umso mehr freute es ihn, dass sie in Kempten nun den Auftakt für eine Wanderschaft bildet. „Danach geht sie in den Jemen und dann nach Berlin“, verkündete er. Beeindruckt zeigte sich auch Kulturbeauftragte Hildegard Greiter (CSU), unter anderem da Manda immer die „richtige Darstellung“ für die unterschiedlichen Materialien der Fundstücke finde. Das Gesamtschaffen Mandas fasste sie in drei Schwerpunkten zusammen: Performance und Action, Radierung und Malerei sowie die archäologischen Zeichnungen, in denen sich die Künstlerin „den Funden ebenso intensiv zuwendet, wie die Archäologen“. Nicht nur für Kunstliebhaber interessant, ist die Ausstellung noch bis zum 10. Juni im Haus der Senioren zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr.

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