Linienförmiges Tanzen

Wilder Westen im Allgäu

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Vor allem bei jungen Frauen im Allgäu kommt der Line Dance zunehmend in Mode. Das passende Outfit gehört dann aber selbstverständlich dazu.

Kempten/Allgäu – Wer glaubt, dass es den Wilden Westen nur in der amerikanischen Provinz gibt, der täuscht sich gewaltig. Westernstimmung und Country-Boom haben längst unsere Breitengrade erreicht und erleben derzeit im Allgäu einen großen Aufschwung.

Besonders das Westertanzen, weltweit bekannt als Line Dance. Ob „Green Hill Billies“, „Hot Socks“, „Kemptener Line Dancer“ oder „Thunder Boots“ – allein im Umkreis von Kempten haben sich über die Jahre rund fünfzehn verschiedene Line Dance-Truppen formiert.

Und immer mehr Tanzbegeisterte schließen sich an. Es ist ein derartiger Boom, dass sogar das Bayerische Fernsehen davon Wind bekommen hat und der Szene am vorvergangenen Freitag einen Besuch abstattete. Das vierköpfige TV-Team war im Dienste der Gesundheit unterwegs und wollte herausfinden, worauf es beim Line Dance ankommt, wie das Ganze funktioniert, und ob man sich mit Westerntanzen wirklich fit halten kann. Zu diesem Anlass trafen sich Tänzer unterschiedlichster Gruppen im Haus der Senioren in Kempten. Hier trainieren eigentlich die Line Dancer von Mary Clapp. Die gebürtige Kölnerin lebte lange Zeit in den Vereinigten Staaten und brachte das Westertanzen Mitte der 90er Jahre ins Allgäu.

Für Mary und die versammelte Line Dance-Gemeinde hieß es dann: „Action!“ Mit von der Partie: BR-Radiomoderator Jim Sampson. Vor laufender Kamera verpasstem ihm die Line Dancer einen Crashkurs, bei dem der Neuling ganz schön ins Schwitzen kam. Im Anschluss pilgerten TV-Team und Tänzer auf den Heinzelberg bei Betzigau. Mitten in der Allgäuer Prärie steht dort der Pferdehof von Rosi und Michael Ladwig – das Trainingsdomizil der „Green Hill Billies“. Saloonstimmung wie im Wilden Westen.

Hauptdarsteller Jim Sampson musste hier seine erlernten Tanzschritte unter Beweis stellen. Und zwar wie es sich gehört: In einer Reihe mit anderen Line Dancern, Cowboys und Cowgirls. Denn Line Dance ist ein Gruppentanz, bei dem einzelne Teilnehmer in Linien vor- und nebeneinander tanzen. „Das Tolle dabei ist, dass man keinen Tanzpartner braucht, wie beim Standardtanz“, freut sich Angie Hustoles von den „Green Hill Billies“. Das Besondere dabei: Alle Tänze sind passend zur Musik choreographiert, was auf den Ursprung des Line Dance zurückdeutet: Denn der Tanzstil entwickelte sich eigentlich aus dem Showtanz. Anfang der 50er Jahre verhalf eine amerikanische TV-Sendung dem Line Dance schließlich zu ungebrochener Popularität. Jede Woche stellten dort Tänzer die neuesten Line Dance-Choreographien vor. Damals fast ausschließlich zu Country-Musik. Heute tanzen und stampfen die Line Dancer mit ihren Boots auch zu Pop oder Rock. Das macht den Tanzstil interessant für die jüngere Generation. Dabei wiederholen sich die Schrittfolgen. Oft sind es 32, 48 oder 64 Schritte. Auch Drehungen gehören dazu, sodass die Richtung immer wieder wechselt. Außerdem finden Elemente aus unterschiedlichen Tanzformen zusammen. Von Cha-Cha-Cha bis zu Walzer, Rumba oder Polka. Facettenreiche Tänze, ein unerschöpfliches Repertoire. Rund 30 000 Choreographien gibt es weltweit und jedes Jahr kommen hunderte von neuen Tänzen dazu.

Viele Möglichkeiten

Egal wie viele man davon beherrscht: Line Dancer oder solche, die es gerne werden wollen, haben auf jeden Fall ausreichend Gelegenheit das Erlernte aufs Tanzparkett zu bringen. Eine Veranstaltung jagt die Nächste. Auch im Allgäu. Live-Bands wie die „Colorados“ oder „Take-Off“ sorgen in Kempten und Umgebung für den dazu passenden Country-Sound. „Von der Bühne aus ist es toll mit anzusehen, wie so viele Menschen gemeinsam tanzen. Teilweise ein und dieselbe Choreographie. Das ist dann ein beeindruckendes Bild“, meint Andreas Held von den „Colorados“. Das Schöne dabei: Jeder kann sich einfach anschließen. Und so tanzen nicht nur unterschiedliche Menschen, sondern auch unterschiedliche Generationen neben- und miteinander. Line Dance verbindet.

Wer jetzt Blut geleckt hat und mehr über das Westerntanzen erfahren will, der hat gleich zwei Möglichkeiten: Entweder im Internet nachschauen unter www.derlinedancer.info oder am kommenden Dienstag, 5. März, den Fernseher anschalten. Um 19 Uhr können Line-Dance-Interessierte in der Sendung „Gesundheit“ im Bayerischen Fernsehen das Endergebnis der Line-Dance-Dreharbeiten im Allgäu bestaunen.   Nadja von Thaden

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