Wichtiges Mosaiksteinchen

Körpereinsatz: Die drei Brüder Franz, Stefan und Erwin beim Abtragen der Schlammschicht auf dem kleinen Badesee unterhalb von Untermoos. Fotos: pos

Der kleine, etwa 5000 Quadratmeter große Badesee unterhalb von Untermoos wurde jüngst von einer etwa 30 Zentimeter dicken Schlammschicht mit Wasserpflanzen befreit. Die Aktion in diesem Badesee war möglich geworden, weil das nur durch einen Erddamm vom Rottachsee abgetrennte Gewässer abgelassen werden konnte: Der momentan drei Meter unter Normalpegel liegende Wasserstand des Hauptsees eröffnete diese Chance.

Und diese Chance packte Franz Hösle am Schopfe. Ein Dorn im Auge war ihm die reichlich wuchernde Wasserpest, die im Sommer immer mehr Badegäste an ihrem Vergnügen hinderte. Und so ließ er sich von Wasserwirtschaftsamt und Gemeinde die Erlaubnis geben, die am Seegrund liegende „Pflanzenpracht“ entfernen zu dürfen. Vor allem seine beiden Brüder Erwin und Stefan halfen bei diesem Kraftakt. Mit dem Rechen zogen die Akteure Teile der Schlammschicht ans Ufer. Die großen, wohl über 20 Tonnen schweren Aufhäufungen wurden dann vom Sulzberger Bauhof beseitigt. Auch Klaus Mohr, Chef der Fischereivereins Sulzberg/Oy-Mittelberg, packte kräftig mit an. Über so viel Einsatz freute sich vor allem Axel Göricke, Vorsitzender des Sulzberger Verkehrsvereins. Er lud die ehrenamtlichen Wasserpest-Beseitiger zu einem Essen im Gasthof „Engel“ und begründete sein Lob: „Wenn unsere Gäste dieses Gewässer-Kleinod wieder ohne Belästigung durch die Wasserpest-Pflanzen betreten können, dann haben wir ein wichtiges Mosaiksteinchen unserer Angebotspalette zurückgewonnen“. Natürlich weiß Göricke, dass es in den 1980er-Jahren letztlich die große Hartnäckigkeit des damaligen Gemeinderats Franz Hösle war, die zum Bau des Badesees geführt hatte. Seine damaligen Argumente hatten schließlich den Gemeinderat und das Wasserwirtschaftsamt überzeugt. Seinerzeit war von einem Maximalabsenkung des normalen Wasserstandes um bis zu 15 Metern die Rede, um Niedrigwasserstände in Iller und Donau abmildern zu können. Nicht nur Hösle dachte daher an „mehr Schlammkrawatten als Badegäste“. Feiner Geheimtipp Daher seine Idee von einem kleinen, unabhängigen Badegewässer. Zwar hat der Markt Sulzberg später mit dem Freistaat wesentlich moderatere Absenkziele ausgehandelt und diese für die Sommermonate ausgeschlossen – doch der Nutzen des Kleinods für Mensch und Tier gilt als unbestritten. Hat sich doch der Badesee, von Insidern gerne auch als „Franz-Hösle-See“ bezeichnet, als Geheimtipp für Familien und Fans ruhiger, beschaulicher Badefreuden herumgesprochen. Der Ansturm hält sich auch an heißen Tagen in Grenzen, weil der letzte Kilometer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden muss. Übrigens sind die Gebrüder Hösle in Sachen Allgemeinwohl und Naturschutz schon seit Jahr- zehnten aktiv. So gehörten vor allem Erwin und Franz zu den Antreibern, als es darum ging, wertvolle Pflanzenarten (z.B. Orchideen, Märzenbecher) vor dem ersten Vollaufstau des Rottachsees (1991) in Sicherheit zu bringen. Will heißen: Botanische Kostbarkeiten der Überflutungsflächen an die Uferzonen verpflanzen. Davon berichtet Erwin seinen Zuhörern noch heute, wenn er als Naturführer unterwegs ist. Auch als Naturschutz-Beauftragter der kreisweiten Wasserwacht ist es Erwin gewöhnt, den Nachwuchs an einen sensiblen Umgang mit der Natur heranzuführen.

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