Wieder eine Prachtstraße?

Das staatliche Bauamt will mit Geldern aus dem ersten Konjunkturpaket noch in diesem Frühjahr die Beethovenstraße sanieren lassen. Das hat Markus Wiedemann, Leiter des städtischen Tiefbauamts, vergangene Woche im Bauausschuss erklärt. Damit wird der ohnehin geplante Ausbau um zwei Jahre vorgezogen. Die Verwaltung plane, die Gehsteige gleich mit zu sanieren und dabei auch die Straße gestalterisch an das Bild der zahlreichen, rund 150 Jahre alten Villen in dem Bereich anzupassen. Einigen Stadträten geht dies jedoch zu weit.

Die Beethovenstraße gehört zur B 19 und damit zahle der Bund den Ausbau, so Wiedemann. Anders sei das bei den Gehsteigen. Beides jedoch getrennt voneinander zu reparieren, „das geht einfach nicht, da muss die Stadt mitziehen“, erklärte der Tiefbauamtsleiter. Quasi in einer Eilaktion hat das Tiefbauamt im Januar die Planung vorgenommen, denn die Zeit drängt. Bald müsse die Ausschreibung geschehen und im April müsse gebaut werden, sonst gibt es kein Geld. Konkret werde die Straße von der Salz-/Mozartstraße bin zu Lingg-Straße neu asphaltiert. Der Radweg, der bislang auf Höhe des Gehwegs verläuft, werde auf die Fahrbahn verlegt. Der Gehsteig werde dann immer noch zwei Meter breit sein. Auch zum Stadtbild hatte das Baureferat sich Gedanken gemacht. Wiedemann erinnerte daran, dass größtenteils Villen aus dem 19. Jahrhundert das Bild der Beethovenstraße prägen. „Wir müssen dem Ensemble gerecht werden“, erklärte er. Deshalb schlug er vor, den Gehweg zu pflastern, statt wie bisher zu asphaltieren. Zudem soll die Straßenbeleuchtung, die derzeit über der Fahrbahn von Haus zu Haus gespannt ist, durch Straßenlaternen ersetzt werden. Bei den Ausschussmitgliedern stieß dieser Vorschlag auf wenig Anklang. „Unsere Vorgänger haben die Beleuchtung nicht umsonst da oben hin gehängt“, argumentierte CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier. Gerade wenn während der Festwoche dort die Fahnenmasten stehen, würden Laternen stören, pflichtete ihm sein Fraktionskollege Karl Sperl bei. Thomas Kiechle, ebenfalls CSU, sah einen Gegensatz zwischen dem Ziel des schuldenfreien Haushalts und der Bereitschaft, 90000 Euro mehr für Pflaster und Licht auszugeben. So viel betrage nämlich der Unterschied zu einem Asphalt-Bürgersteig, wie Wiedemann erklärte. Stadtrat Kiechle zweifelte zudem daran, ob Laternen wirklich besser aussehen als eine Oberbeleuchtung. Bürger sollen mit entscheiden OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) hingegen konnte dem Plan durchaus etwas abgewinnen. „Wir müssen uns fragen, wie die Optik für die vielen Besucher ist. Wenn sie besser ist, sind die Kosten auch zu tragen.“ Nur die Investitionen für die Gehwegerneuerung müsse die Stadt selbst tragen und könne zudem die Hälfte auf die Anwohner umlegen. Asphalt würde 180000 Euro kosten, Pflaster 220000 Euro. Stadt wie Anwohner müssten sich diese Kosten teilen. 50000 Euro würde es kosten, die Beleuchtung zu ändern. Da die Lampen, erst vor wenigen Jahren erneuert, nur aus gestalterischen Gründen durch Laternen ersetzt würden, müssten die Anwohner diese Kosten nicht berappen. Als Kompromiss entschied sich der Ausschuss auf Vorschlag Netzers dafür, den Ausbau an sich in Auftrag zu geben, um die Gelder nicht zu verlieren. Ob es nun tatsächlich Laternen und Pflaster sein müssen, darüber wolle die Stadt erst mit den Anwohnern diskutieren.

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