"Wieder hervorragend"

Tom Gaebel und seine Big Band überzeugt mit Entertainment à la Las Vegas. Foto: Tröger

Der letzte Vorhang des 28. Kemptener Jazzfrühlings ist gefallen, die Bühnen sind wieder aufgeräumt, Banner eingesammelt, Musiker abgereist und das so genannte „Fahrerlager“, in dem während der neun Tage die freiwilligen Helfer und Musiker von wiederum fleißigen Händen des Klecks-Arbeitskreises verpflegt wurden, aufgelöst. Beim traditionellen Abschlussessen der Klecks-Helfer konnte Chef-Organisator Hansjürg Hensler bereits eine positive Bilanz verkünden. Trotz des leicht abgespeckten Konzertangebots „haben wir uns insgesamt gesteigert“, bilanzierte er.

Aber der Reihe nach. Schließlich standen nach dem letzten Redaktionsschluss noch drei Abende mit Konzerten an, unter anderem auf der Bühne des Stadttheaters. So verschiedenartig diese waren, fanden sie alle ihr zwar unterschiedlich zahlreiches, doch gleichermaßen hochbegeistertes Publikum. Mit dem vierfachen Echo-Gewinner Till Brönner stand ein charismatischer Meister der Trompete auf der Bühne, dessen Performance mit Magnus Lindgren (Saxophon und Flöte), Christian von Kaphengst (Bass), Jasper Soffers (Piano) und Wolfgang Haffner (Schlagzeug) sowohl optisch als auch klanglich aus einem Guss war. Dass sich ohrgängig und einfallsreich nicht gegenseitig ausschließen und dass Trompete wie Flügelhorn auch dann noch angenehm klingen können, wenn man ihnen alles abverlangt, wurde an diesem Abend jedenfalls bewiesen und vom Publikum entsprechend honoriert. Ein Kontrastprogramm – nicht nur was die Instrumentierung angeht – lieferte das Hannes Beckmann Quartett & String Section. Allein die unbändige Energie die der „Teufelsgeiger“ Beckmann selbst und erst recht über sein Instrument versprühte, machten es schlicht unmöglich sich einfach zurückzulehnen und zu konsumieren. Eine eigenwillige, eigenständige, fordernde Sprache war da zu hören – ätherisch, wild und feurig, sanft schmeichelnd, im Monolog, im Dialog, in Harmonie oder auch im Wettstreit mit Michael Blam am Bass, Imre Köszegi am Schlagzeug, Edgar Wilson Piano oder der aus drei Violinen bestehenden „String Section“. Das Publikum ließ sich mitreißen und forderte trotz Überlänge des Konzertes Zugaben ein. Wer nach so viel geballter Wucht an allumfassender Integration von Kulturen und Musiktraditionen noch aufnahme- fähig war, konnte sich im Anschluss ins TheaterOben zur LesART begeben: Oliver Karbus und Jazztrio interpretierten entspannt spannende Texte von Charles Bukowski. Krönender Abschluss Entertainment à la Las Vegas ließen Tom Gaebel und seine Big Band zu guter Letzt aufleben. Fette Bläsersätze, knallbunte Lichtshow, smarte Jungs im Anzug und ein vor Selbstbewusstsein nur so strotzender Gaebel, der sein Publikum nicht zuletzt durch sein jungenhaftes Auftreten, seine gute Laune und sein loses Mundwerk um den Finger zu wickeln verstand. Gesanglich überzeugte er vor allem mit Stücken wie „seinem“ James Bond-Song „Catch me if you can“ – den er immer dabei habe, falls „Plan A“, Schauspieler und James Bond-Darsteller zu werden, doch noch aufgehen sollte. Stücke wie „Satisfaction“ von den Rolling Stones hätte man sich dagegen etwas weniger „glatt“ gewünscht. Freunde glanzvoller Sounds und guter Unterhaltung kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten und bedankten sich mit tosendem Applaus. Was Hensler in seiner kurzen Rückschau unter anderem besonders freute: Zu den AÜW-Jazzperlen kämen inzwischen viele, ohne zu wissen was gespielt werde, aber sie „verlassen sich darauf, dass es ‚Jazz-Perlen’ sind“; dass sich die Musikerfrühstücke „toll entwickelt haben“ oder auch die Klecks- Nacht, die sich „super gemacht hat“. „Dieser Jazzfrühling wird ganz sicher eine ‚schwarze Zahl’ bringen, frohlockte er, nicht ohne sich bei den Helfern zu bedanken, die „alle einen Superjob gemacht haben“. Einen „wieder hervorragenden Jazzfrühling“ bescheinigte auch Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der das Funktionieren des Kemptener Jazzfrühlings vor allem im „Engage- ment des AK und der Organisatoren“ sah.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kempten – Das Haus International erfüllte auch an diesem Abend seine Mission als interkulturelles Zentrum der Stadt Kempten. Der recht gut besuchte …
Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kommentare