"Wikipedianer" kommen in Kempten zum Austausch und Kennenlernen zusammen

Im Sinne der Wissenschaft

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Stammtisch der Wissenschaftler: „Wikipedianer“ aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in Kempten getroffen.

Kempten – „Wikipedianer“ sind ein wissbegieriges Völkchen. Die Autoren der weltgrößten Online-Wissensdatenbank Wikipedia tragen haufenweise Fachwissen über Hunderttausende von Spezialthemen zusammen. Sie wissen zum Beispiel, dass die Weltmeisterschaften von „Schere, Stein, Papier“ jährlich in Toronto stattfindet, die Fußballnationalmannschaft von Nauru eine Siegesquote von 100 Prozent hat und „Ming“, die älteste Muschel der Welt, das stolze Alter von 507 Jahren erreicht hat. Sind „Wikipedianer“ also Fachidioten, Nerds, Besserwisser oder einfach nur interessierte Zeitgenossen, die mithelfen wollen, die Welt ein bisschen schlauer zu machen?

Peter Kumpert, ein langjähriger Wikipedia-Autor, hat das Süddeutschland-Treffen der „Wikipedianer,“ das am vergangenen Wochenende in Kempten stattfand, organisiert. Ziel des Treffens sei das persönliche Kennenlernen von Wikipedia-Autoren untereinander und ihr persönlicher Austausch, gemeinsames Erkunden der Stadt und ein gemütliches Beisammensein unter Gleichgesinnten, erklärt der 23-jährige Kemptener und erzählt von seinen Anfängen als „Wikipedianer“. 2009 habe er einen Fachartikel über Energie gelesen und das Gefühl gehabt, dass es daran „noch einiges zu verbessern und zu ergänzen gibt“. Gesagt, getan: Die Wikipedia, eine freie Enzyklopädie, bietet ein schier endloses Potential, Artikel zu verfassen und an Artikeln mitzuarbeiten. Schnell traf Kumpert „im Netz“ auf Gleichgesinnte, man tauschte sich fachlich aus und bald war ein „Stammtisch“ gegründet, der in den letzten Jahren in verschiedenen Städten im Süden Deutschlands stattfand. Auf dem Programm des Süddeutschland-Treffens, zu dem rund 25 „Wikipedianer“ aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Allgäumetropole gereist sind, standen vor allem Besichtigungen Kemptener Sehenswürdigkeiten: Die Wissensautoren statteten unter anderem der Erasmuskapelle, der Residenz und dem Archäologischen Park Cambodunum einen Besuch ab.

So unterschiedlich die Wissensgebiete der „Wikipedianer“, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die dahinter stecken. Alle „Wikipedianer“ tragen Pseudonyme, die sie in der Welt des Internets nutzen, und stellen sich beim Treffen auch meist so vor: „Hallo, ich bin Pimpinellus, wer bist Du?“. Schnell ist man auf einer sehr persönlichen und freundschaftlichen Gesprächsebene und tauscht sich rege aus. „Geolina“ aus Aachen, die, wie man an ihrem Pseudonym erkennen konnte, Geologin ist, bearbeitet in der Wikipedia am liebsten Fachthemen zu Geschichte und natürlich Geologie. „Matthiasb“ aus Mannheim, der seit 2006 Artikel zur Wissensdatenbank beisteuert, weiß viel über „Katastrophenthemen“: Flugzeugabstürze, Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme sind seine Spezialgebiete. Und wenn es auf der Welt gerade mal ruhig ist, beschäftigt sich der gelernte Industriekaufmann mit englischen und amerikanischen Baudenkmälern. Wikipedia ist sein Steckenpferd, sein liebstes Hobby, erzählt der Mannheimer und „warnt“ potentielle Wikipedia-Autoren augenzwinkernd: „Vorsicht, die Wikipedia macht süchtig!“

Dass das stimmen könnte, kann man sich sofort vorstellen, denn über 39 Millionen Artikel in 300 Sprachen und Dialekten hat die Gemeinschaft der „Wikipedianer“ weltweit zusammengetragen. Allein die deutsche Wikipedia sammelt Weltwissen in fast zwei Millionen Artikeln. In der Wikipedia, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert, findet man aktuell knapp 650 Einträge zum Thema Kempten. Über das Allgäu erfahren Interessierte einiges Wissenswertes in über 2700 Artikeln.

Nicolas Felder

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