Vogelschutz und ökologische Ausgleichsflächen haben Vorrang

Windparkpläne gestoppt

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Altusried – Die Zerstörung des Natur-Juwels „Adelegg/Hohentanner Wald“ durch den geplanten Bau von drei 230 Meter hohen Windtürmen ist vorerst gestoppt. Wendelin Einsiedler ist Planer und Geschäftsführer des Windparkprojektes in diesem sensiblen, großen Wald-, Wiesen- und Tobelgebiet der Adelegg, das vom Regionalen Planungsverband Allgäu als besonders schützenswert ausgewiesen ist. Nun zog Einsiedler seinen Antrag auf Zustimmung zum Windpark bei der Marktgemeinde Altusried zurück.

Ausschlaggebend dafür waren Gespräche mit dem von der Firma Center Parcs beauftragten Tierökologen Jürgen Trautner. Als ökologischer Ausgleich für den Bau des „Ferienpark Allgäu“ sollen im Bereich Kürnach in der Adelegg neue Brutplätze und Reviere für Großvögel geschaffen werden. Laut einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichtshofs München müssen von Windkraftanlagen, insbesondere zu Brutplätzen des Rotmilan, 1500 Meter Abstand eingehalten werden. Einsiedler plante nur 1000 Meter Abstand ein. Der Wildpoldsrieder Windradbauer hatte, unterstützt von Mitgesellschaftern, in den vergangenen Monaten in der Gemeinde Altusried durch Werbekampagnen für sein Windpark-Projekt für Aufregung gesorgt.

Für die Mitglieder der „ILKA-Arbeitsgruppe Schutz Hohentanner Wald-Adelegg“ war es unverständlich, dass Einsiedler seine Planung weiter verfolgt hat, obwohl er die vielen Fakten kannte, die zusätzlich gegen sein Projekt sprechen: im Hohentanner Wald, einem europäischen FFH-Schutzgebiet finden seltene Vogelarten ihren Lebensraum. Die aktuelle, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte, wissenschaftliche „Progress-Studie“ von 2016 zum Kollisionsrisiko bestätigte, dass gerade Greifvögel kaum Ausweichreaktionen zeigen. Das Tötungsrisiko, auch für viele Fledermäuse, denen die Lungen platzen können, seien deshalb sehr hoch. Einsiedler erhoffe sich nun eine Genehmigung der Anlagen durch den Einsatz einer Fototechnik, die die Rotoren dann abschalten soll, wenn sich Vögel annähern. Dieses vorgeschlagene „Monitoring“ lehnt der von Center Parcs beauftragte Tierökologe ab. Seines Erachtens darf hier kein Testgebiet entstehen, sondern der Ausgleich bestehe darin, zusätzliche Brutplätze für Großvögel zu schaffen. kb

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