Fast 80 Veranstaltungen

Interkultureller Herbst 2016 bietet viel Neues

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Lajos Fischer, Geschäftsführer Haus International, mit dem ambitionierten Programm für den Interkulturellen Herbst 2016.

Kempten – Stattliche fast 80 Seiten hat das Programmheft für den „Interkulturellen Herbst 2016“ und ist damit wohl den gleichermaßen gewachsenen Herausforderungen einer gelebten interkulturellen Welt angepasst worden.

Das übersichtliche, in den einzelnen Formaten farblich voneinander abgesetzte Programmheft liegt seit vergangener Woche an vielen Orten der Stadt zum Mitnehmen aus. Die Erarbeitung des Programms und seine Finanzierung liegen wie immer maßgeblich auf den Schultern des Integrationsbeirats der Stadt und Haus International (HI).

Abgelöst werden die bisher bunten Kulturprogramme oder politischen Vorträge am Auftaktwochenende. Stattdessen bietet die Drama- und Theatertherapeutin Johanna Hartmann einen zweiteiligen Workshop an. Im ersten Teil, am 7. Oktober, begibt sie sich mit maximal 55 TeilnehmerInnen in einer systemischen „Großgruppen-Aufstellung“ auf nachgezeichneten Routen durch Europa. Wortlos soll dabei kollektiver Wissensraum von Erinnerung, Anerkennung, Versöhnung, Empathie und Frieden erkundet werden. Am Tag darauf geht es in Teil zwei um „Die Kraft meiner Worte“ und die Frage, wo Rassismus und Diskriminierung im Alltag anfangen und wie man ihnen begegnen kann.

"Kaleidoskop"-Abend

„Wir leben in einer Zeit, in der Reden nicht ausreicht, hier muss man handeln“, die Dinge an sich heranlassen und sehen „ich bin ein Teil von diesem Ganzen“, sagt HI-Geschäftsführer Lajos Fischer im Gespräch mit dem Kreisboten. Ein buntes Kulturprogramm gibt es aber auch am Eröffnungswochenende dennoch und zwar in Form des ersten „Kaleidoskop“-Abends in Kempten, nach Vorbild der bunten Abende des gleichnamigen renommierten Künstlerkreises, in deren Rahmen bekannte und weniger bekannte KünstlerInnen jeweils 15 Minuten für ihren Auftritt auf der Bühne bekommen. Zum Start des neuen Formats – „Jeder der beim nächsten Kemptener Kaleidoskop-Abend mitmachen will, kann sich im HI melden“, ermuntert Fischer – treten der Chansonpoet Csaba Gál auf, Kabarettist Manfred Abholzer, die Musikgruppe Albanischer Verein Kosovo e.V., der aus Mali stammende Tänzer und Sänger Abdoulaye Fadio Koumare, Drehbuchautor und Filmemacher Tamás Horváth mit dem Schauspieler Gyula Somogyi sowie Eugenie Krause am Akkordeon und Hannes Natterer am E-Bass.

In acht Formate ist das restliche Programm gegliedert, in dem sich auch ein ganzer Reigen an Neuen Angeboten findet: „Auf dem bunten Sofa“ wird unter anderem Mutherem Aras, Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg und wie Fischer betont, die erste türkischstämmige Frau in einem solchen Amt, sitzen. Einen interessanten Vortrag mit Diskussion verspricht sich Fischer im Format „Informationen, Gespräche, Debatten“ unter anderem von Ingmar Niemann, der nur sechs Tage nach der Wahl in den USA mit „Nach der Entscheidung – Wie geht es weiter in den USA?“ zu Gast sein wird. „Länder, Menschen, Kulturen“ heißt eine Reihe, in der ein Novum das Japanische Fest am 30. Oktober ist. Wie Fischer erklärt, wollen einige der hier lebenden Japanerinnen eine japanische Gemeinschaft für Menschen initiieren, „die sich für die japanische Kultur interessieren“. Auch ein etwas anderer italienischer Abend ist angesetzt, an dem es einmal um Geschichte und Gegenwart der italienischen Kaffeekultur geht, zum anderen um das Verstehen der gestenreichen Kommunikation von Italienern, die auch ohne Worte Bedeutung hat. Neu ist auch die Gründung eines Clubs „Freunde interkultureller Viefalt“, für Menschen, die sich für Literatur, Film, Kunst, Philosophie etc. mit interkulturellem Inhalt interessieren. Am 23. November steht eine Diskussion über den Roman „Der Bastard von Istanbul“ an, in dem sich der Autor Elif Shafak mit dem türkisch-armenischen Konflikt beschäftigt. „Mitmischen in Kempten“ stellt mit Bildern, die immer wieder an anderen öffentlichen Orten wie Schaufenstern u.ä. in der Stadt zu sehen sein werden, 20 ehrenamtlich engagierte KemptenerInnen aus unterschiedlichen Bereichen vor, bietet aber unter anderem auch Seminare für Ehrenamtliche, die ihre Arbeit erleichtern helfen. Im „Kulturcafé“ werde in der Doppelausstellung von Michael Trammer und Leo Simon – „zwei Fotografen, die eigentlich eher im Untergrund arbeiten“, verrät Fischer – „Refugees in Griechenland“ gezeigt. Wer den Dschungel aus Vorschriften und Möglichkeiten rund um die berufliche Anerkennung ausländischer Abschlüsse durchblicken möchte, ist bei dem praktisch orientierten Vortrag von Yuliya Jabbari und Hülya Dirlik am 18. Oktober gut aufgehoben.

Die „Grundlagen der alevitischen Lehre“ – über die man laut Fischer „null Komma null weiß“ – bringt Melek Yildiz, Bundesvorstand Alevitische Gemeinde Deutschland e.V., im Rahmen der Reihe „Interreligiöser Dialog“ allen Interessierten näher. „Bildungsangebote“ gibt es von Bereichen rund um Gesundheit und Prävention für Migranten bis zu Anregungen zur ehrenamtlichen Deutsch-Förderung. „Musik verbindet“ bietet Konzerte aus verschiedenen Kulturkreisen. „Gemeinsam leben“ bietet vom gemeinsamen Singen, über das „Repair-Café“ bis zum Flohmarkt alles mögliche. An „Kinder und Jugendliche“ richtet sich unter anderem die Pianistin und Dozentin an der Universität Würzburg, Nataliya Tkachenko, in „Musik als Fremdsprache – Europäische Klassik hören und verstehen für Kinder und Jugendliche“.

Insgesamt bietet der Interkulturelle Herbst 2016 von September bis Dezember 79 Veranstaltungen, in denen nach Ansicht Fischers „so ziemlich für Jeden etwas dabei ist“.

Christine Tröger

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