"Wir sind keine Versuchskaninchen"

Geht es nach der Lesart von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, dann gibt es in Kempten eine ganze Menge „Provokateure“. Mindestens 650, denn ungefähr soviele Schüler hatten sich am Freitagmittag auf dem Rathausplatz eingefunden, um ihrem Unmut über G8 lautstark kund zu tun. Viele fühlen sich als „Versuchskaninchen“, so steht es jedenfalls auf ihren T-Shirts.

Morgens um sechs Uhr aufstehen, Unterricht vier mal pro Woche bis 16.30 Uhr, anschließend noch Hausaufgaben machen, lernen, Referate ausarbeiten oder Tests vorbereiten – die Kemptener Schüler haben die Nase voll vom achtstufigen Gymnasium und dessen Auswirkungen. Rund 650 Demonstranten hatten sich deshalb am Freitagmittag auf dem Rathausplatz versammelt. Darunter auch Eltern, Stadträte, Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und Stephan Thomae, Landtagsabgeordneter der FDP. Hohe Anforderungen Der Protest der Schüler ist deutlich. Sie protestieren „für Bildung und nicht dagegen“, wie sie immer wieder betonen. Vor allem die hohen Belastungen durch das zeitgeraffte Abitur und zu schwierige Klausuren und Leistungsnachweise werden ständig von ihnen thematisiert. Insbesondere für die nachfolgenden Jahrgänge wollen sie als erster G8-Oberstufenjahrgang etwas erreichen. Ihnen selbst werden Verbesserungen am System nun nichts mehr bringen. Nach der Zeugnisausgabe bekommt die Kundgebung auf dem Rathausplatz neuen Schwung. Trotz der von den Schulleitungen angedrohten Konsequenzen kommen immer mehr Schüler dazu. Sogar bis aus Lindau, dem südlichen Oberallgäu und dem Landkreis Ostallgäu kommen irgendwann die Protestler, um sich der Demonstration, die sich schließlich durch die Kemptener Innenstadt in Bewegung setzt, anzuschließen.

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