Bauloch-Streit: Schweizer reagieren

"Uns wird alles verweigert"

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Durch die Absperrung der Baugrube entlang der Bahnhofstraße ist die Situation für Passanten und Autofahrer noch enger geworden. Mittlerweile zeichnet sich aber etwas Bewegung im großen „Bauloch-Streit” ab.

Kempten – Kommt Bewegung in den Bauloch-Streit? Erstmals seit die Stadtverwaltung die Baugrube am August-Fischer-Platz Anfang Mai absperren ließ, haben sich die Grundstücksbesitzer in der vergangenen Woche öffentlich zu Wort gemeldet.

„Die Sicherheit der Baugrube unterliegt der laufenden Kontrolle“, betonte Thomas van der Heide, Anwalt der Ritter&Kyburz GbR, gegenüber dem Kreisbote. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die Schweizer in absehbarer Zeit die Arbeiten tatsächlich wieder aufnehmen werden. 

In einem Schreiben an die Stadt, in dem die Beauftragung eines Sachverständigen bestätigt wird, deuten die Investoren nach Auskunft der Stadtverwaltung an, in absehbarer Zeit zumindest den Verbau zu schließen. Sprich: Die unterirdischen Arbeiten zumindest bis zum Boden des Erdgeschosses fortzusetzen. Mittlerweile ruhen die Arbeiten an der Baustelle seit rund zwei Jahren, da die Investoren dort Einzel- handel ansiedeln wollen, die Stadt das aber bisher kategorisch ablehnt. 

 Jurist van der Heide hielt sich auf Nachfrage zu einer Fortsetzung der Arbeiten offiziell zwar noch bedeckt. Die Eidgenossen würden zur gegebenen Zeit aber alle erforderlichen Maßnahmen zur Sicherung des Baulochs vornehmen, versicherte er. „Unsere Mandantin wird selbstverständlich nicht irgendeine Gefährdung in Kauf nehmen“, so van der Heide weiter. Die vorgeschriebenen Kontrollen würden regelmäßig vorgenommen. „Entsprechende Nachweise liegen vor.“ 

"Können nicht warten" 

 Wie berichtet hat die Kemptener Stadtverwaltung das Bauloch Anfang Mai weiträumig abgesperrt, nachdem Experten der TU München diesen Schritt empfohlen hatten. Sie konnten die Sicherheit der rund 18 Meter tiefen Grube nicht mehr garantieren. Bis 4. Juni müssen die Investoren nun ein Konzept vorlegen, wie sie Ankerköpfe im Bauloch sichern wollen. Übernehmen soll das ein namhaftes Büro, wie van der Heide ankündigte. „Die machen sich jetzt an die Arbeit.“ Der Jurist aus München kritisierte in diesem Zusammenhang die kurzen Fristen, die die Stadt seiner Mandantin einräume. So sei am 7. Mai ein Bescheid eingegangen, in dem die Stadt die Schweizer aufgefordert habe, bis 17 Uhr am selben Tag die Auftragsbestätigung eines Unternehmens vorzulegen, das die Baugrube bis zum 10. Mai sichere. Es sei unmöglich, für einen Brückentag nach Christi Himmelfahrt so plötzlich eine Firma für diese Aufgabe zu finden, wundert sich der Münchner Fachanwalt. 

Dr. Franziska Renner, Leiterin des Kemptener Bauordnungsamtes, verteidigte die Fristsetzung. Da die Gutachter der TU München zu dem Schluss gekommen seien, dass die Sicherheit der Baustelle nicht mehr garantiert werden könne, „war die Sache eilbedürftig“, so die Baujuristin auf Anfrage. „Dann können wir nicht lange warten.“ Außerdem: „Eine Beauftragung ist in dieser Zeit möglich.“ Van der Heide bezifferte mögliche Schadensersatzforderungen der Investoren gegenüber der Stadt in Form von Mietausfällen, Zinskosten und Bauzeitverzögerungen unterdessen auf mittlerweile über vier Millionen Euro. Bauordnungsamtsleiterin Renner sieht dem allerdings gelassen entgegen: „Mieten hätten längst erzielt werden können.“

 Hoffen auf Kompromiss 

Während die Kemptener Stadtverwaltung den Grundstückseigentümern eine Frist bis 21. Juni eingeräumt hat, die Ankerköpfe der Grube zu sichern (der Kreisbote berichtete), hofft Anwalt van der Heide weiterhin auf eine Kompromisslösung mit der Stadt Kempten. „Ein vernünftiges Gespräch würde eine Lösung bringen“, versicherte er. Ein erstes Treffen am 27. Februar sei vor allem an der Kemptener Verwaltungsspitze gescheitert. Schließlich habe seine Mandantin ihre Forderungen nach Einzelhandelsflächen bereits deutlich reduziert. „Aber uns wird alles verweigert“, kritisiert der Fachanwalt.

Matthias Matz

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