So wird Mathematik zum Erlebnis

Die Schüler der Klassen 4B und B5 demonstrieren die Arbeit am Lernfeld „Schauen und Bauen“. Foto: Stodal

An der Volksschule in Wiggensbach wurde am vergangenen Freitag Bayerns erstes begehbares geometrisches Klassenzimmer eröffnet. Das innovative Projekt soll Geometrie hautnah erlebbar machen. Der Einladung zum spielerischen Ausprobieren konnten auch die anwesenden Ehrengäste, darunter Landrat Gebhard Kaiser und Kultusstaatssekretär Thomas Kreuzer, nicht widerstehen.

„Die Mathematik als Fachgebiet ist eine so ernsthafte Sache, dass man jede Gelegenheit beim Schopfe packen sollte, damit sie Spaß macht“, forderte Thomas Kreuzer (CSU) in seinem Grußwort. So solle Mathematik als ein Fach vermittelt werden, das die Kreativität anregt, spannend ist und zum Knobeln und Problemlösen einlädt. Genau diese Vorgaben erfüllt der neue „Georaum“, der ab sofort allen Wiggensbacher Schülern von der ersten bis zur sechsten Jahrgangsstufe und natürlich auch den teils mehrfach körperlich und geistig behinderten Kindern der seit fünf Jahren hier bestehenden Partnerklasse der Astrid-Lindgren-Schule offensteht. In der Umsetzung stellt sich der „Georaum“ – der sich hochoffiziell „begehbares Geometrie-Lernumfeld auf mathematisch-didaktischer Grundlage“ nennt – als bunte Spielwiese dar, die mit ihren vier begehbaren Flächen und den großformatigen farbigen Objekten sofort die Neugier weckt und zum Ausprobieren reizt. Tatsächlich kann, während eine Gruppe von Schülern die Aufgaben demonstriert, auch ein Teil der zahlreich erschienenen Ehrengäste der Versuchung nicht widerstehen, selbst aktiv zu werden. So versuchen sich Landrat Gebhard Kaiser (CSU, der einst selbst in Wiggensbach die Schulbank drückte), Kultusstaatssekretär Thomas Kreuzer und Bürgermeister Thomas Eigstler spontan am Soma-Würfel, bei dem aus sieben Teilen ein Würfel zusammengesetzt werden soll. Soziales Lernen Bei den Spielen, die für jeweils drei bis sechs Kinder ausgelegt sind und verschiedene Schwierigkeitsgrade bieten, werden nicht nur das räumliche Vorstellungsvermögen und logisches Denken geschult, sondern überdies fächerübergreifende Lernziele wie selbstständiges Arbeiten, Kommunikation, Teamgeist, Problemlösekompetenz und soziales Lernen, erläutert Sebastian Wilhelm, der das Projekt zusammen mit seinem Kollegen Ulrich Lüttringhaus entwickelt hat. „Die Schüler sind hier sehr schnell sehr konzentriert – ganz anders, als wenn jeder vor seinem Heft sitzt. Meist wollen sie nach 90 Minuten noch gar nicht aufhören“, schildert Wilhelm seine Erfahrungen. Großes Interesse Schulleiter Josef Dietrich hörte im Rahmen einer Fortbildung von dem innovativen Konzept der beiden Augsburger Pädagogen und war sofort interessiert, zumal seine Anstalt seit drei Jahren an dem Programm „Sinus an Grundschulen“ teilnimmt, das sich die Steigerung der Effektivität des mathematischen Unterrichts zum Ziel gesetzt hat. Innerhalb nur eines Jahres konnte der erste begehbare Geometrie-Raum Bayerns schließlich realisiert werden. Die Finanzierung, das nach Schätzungen Sebastian Wilhelms zirka 4000 bis 5000 Euro gekostet hat und dessen Umsetzung zum großen Teil in Zusammenarbeit mit Augsburger Schülern stattfand, übernahm die Max Swoboda-Stiftung.

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