"Es wird nicht alles ganz kuschelig"

Zum Abschluss des Allgäu-Tages wurden die Chancen und Risiken der Energiewende auf dem Podium diskutiert. Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena, v.l.), AÜW-Chef Michael Lucke, Moderatorin Tosca Maria Kühn, Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben, Hans-Joachim Weirather, Landrat Unterallgäu, und Andreas Eggensberger vom Biohotel Eggensberger. Foto: Tröger

„Energiewende 2022 – Chancen und Risiken für Mittelstand und Tourismus im Allgäu“ stand auf dem Programm des Allgäu-Tages, zu dem die Allgäu GmbH vergangene Woche im Rahmen der Festwoche ins Kemptener Kornhaus geladen hatte. Zu den Fachvorträgen mit abschließender Podiumsdiskussion konnten die rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Tourismus via TED-Umfrage mehrmals ein Stimmungsbild zu bestimmten Punkten abgeben.

Eine Energiewende „ohne dass Sie etwas davon merken“, schloss der Hauptreferent Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena), aus. Es sei eine Herausforderung „die nur funktioniert, wenn wir alle mitmachen“, angefangen beim energieeffizienten Kühlschrank bis zur optimalen Dämmung des Hauses und/oder der eigenen Stromproduktion auf dem Dach. Dass zur Energiewende auch ein „fossiler Kraftwerkspark“ aus Öl, Gas und Kohle bis mindestens zum Jahr 2040 benötigt werde, stand für ihn außer Frage. „Wir sind ein Industrieland und müssen eine hohe Versorgungsgarantie gewährleisten“. Intelligente Netze, die Stromverbrauch und Einspeisung „sinnvoll zusammenbringen“ waren für Kohler dabei ebenso essentiell wie „neue Speichermedien“. Hohes Potential räumte er der Windkraft ein, die heute mit einem Anteil von über zehn Prozent die Wasserkraft schon überholt habe. Energieeffizienz, die bei der Wende generell „an erster Stelle“ stehe, mahnte er auch für die gesamte Produktionskette von Biomasse an. Ferner gab er zu bedenken, dass „wir heute Umweltverschmutzung exportieren“, unter anderem durch Ölplattformen in der Nordsee oder im Golf von Mexiko. Deshalb müsse die Frage gestellt werden, ob nicht zum Beispiel Wasserkraftwerke in unsere Landschaft eingebunden werden könnten, auch wenn es einen „Eingriff“ bedeute. Mit Bürgern abstimmen „Wir können nicht als einzige Region Anspruch auf eine schöne Landschaft erheben“, fand sein Vorstoß Unterstützung beim Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather. Dennoch könnten Möglichkeiten „mit Rücksicht auf die Landschaft“ und in Abstimmung mit den Bürgern gefunden werden. Für seinen Landkreis sah er den Bereich Biogasanlagen mit inzwischen rund 100 Stück ausgeschöpft. „Ich möchte nicht mehr, sondern dass auch in zehn Jahren im Unterallgäu noch vorwiegend Lebensmittel angebaut werden“, wies er auf ein Problem hin. Für Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben, war die Preissicherheit für den Verbraucher entscheidend. „Es wird teuer“, gab er sich keiner Illusion hin. Aber es sei wichtig, „dass nicht die Kleinen dafür bezahlen“ während die Großen Möglichkeiten für günstige Sonderabnahmeverträge hätten. Die Energiewende bedeute nicht, dass alles „ganz kuschelig“ werde, betonte Michael Lucke, Chef des Allgäuer Überlandwerks (AÜW), aber für jeden machbar. Die Versorgungssicherheit durch das AÜW sei im Vergleich „spitze“ und „wir haben derzeit das größte Projekt“ zum Thema intelligente Netze laufen. Für die nächsten Jahre kündigte er einen weiteren massiven Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Netze an. Mehr Kreativität Eine „sehr gute Preispolitik“ mahnte Kohler in der Diskussionsrunde an. Ihn würden keine Kilowattstunden interessieren, „sondern was ich am Ende des Jahres bezahle“. Befürworteten, laut TED, 68 Prozent der Zuhörer den Ausbau von Windkraft im Allgäu, hielt Andreas Eggensberger vom gleichnamigen Bio-Hotel mit einer Gästebefragung im eigenen Haus entgegen. Attraktiv sei am Allgäu nämlich gerade der Umstand, dass noch nicht alles „verspargelt“ und verbaut sei, aber wenn schon mehr Aus-bau, dann mit mehr Kreativität für die wenig ansehnlichen Windanlagen und Photovoltaik-Flächen. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) machte das Gelingen der Energiewende zusammenfassend an drei Säulen fest: Energie einsparen, Energieeffizienz steigern und Erneuerbare Energien ausbauen. „Wir müssen uns den Herausforderungen zuwenden, aber das Allgäu muss sein Gesicht dabei bewahren können“, stellte er klar. Auch Landrat Gebhard Kaiser, Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäu GmbH, betonte in seiner Begrüßung, neben der Vision, mit der Marke „Allgäu“ die führende alpin geprägte Gesundheits- und Wohlfühldestination zu werden“, das Allgäu auch zur „klimaneutralen Vorzeigeregion in Deutschland“ zu entwickeln. Dass es sich bei der Marke „Allgäu“ darum handle eine „Qualitätsmarke zu etablieren“, erläuterte Markenmanager Stefan Nitschke.

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