Wohnen statt parken

Auf wenig Gegenliebe bei den unmittelbar Betroffenen stößt der Bebauungsplan für das Gebiet südlich der Reichlinstraße im Bereich der „Freien Reformpädagogischen Volksschule“ und des Hildegardisgymnasiums. Da der Plan eine Verlegung der völlig maroden Schulsportanlage (der KREISBOTE berichtete mehrfach) vorsieht, befürchten die Anwohner künftig erhebliche Lärmbelästigungen. Außerdem beklagen sie das Fehlen von Parkplätzen. Nichts desto trotz hat der Bauausschuss den Bebauungsplan jetzt einstimmig abgenickt.

Im Westen des Gymnasiums soll wie bereits mehrfach berichtet Ersatz für die völlig marode Sportanlage der Schule gebaut werden. Vorgesehen sind unter anderem ein Kunstrasenplatz, ein Hartplatz, eine Laufbahn, Weit- und Hochsprunganlagen, ein Beachvolleyball-Platz sowie ein Geräteraum. Allerdings ist die Sportanlage künftig nicht nur der Schule vorbehalten, sondern kann auch von der sportbegeisterten Öffentlichkeit außerhalb der Schulzeiten genutzt werden. Bislang vorgesehen ist eine Öffnung der Anlage an Werktagen zwischen 8 und 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 9 und 13 sowie 15 und 20 Uhr. Aber genau hier setzt der Protest der Anwohner, vor allem der südlich der Sportanlage, ein. Im Vorfeld der Sitzung hatten sie ihre Einwände geltend gemacht und unter anderem gefordert, dass der Sportplatz zumindest sonntags geschlossen werden sollte. Dem hielt die städtische Baureferentin Monika Beltinger entgegen, dass durch die Festlegung der Ruhezeiten, einer Lärmschutzwand oder anderer Maßnahmen wie der Verwendung eines „lärmarmen Ballfangzaunes“ ein ausreichender Immissionsschutz gewährleistet sei. Darüber hinaus werde vor allem die südlich anschließende Wohnbebauung durch eine weitere, 5,5 Meter hohe Schutzwand zusätzlich geschützt. Sollte sich trotzdem heraus stellen, dass die Ruhezeiten künftig nicht eingehalten werden, bestehe aufgrund des Bebauungsplans immer noch die Möglichkeit, den Sportplatz für die Öffentlichkeit wieder zu schließen, so Beltinger. Kritik hatten die Bürger auch an den Plänen der Bauverwaltung geübt, in der Feilbergstraße Flächen für den Bau von Wohnhäusern freizugeben. Lieber hätten sie gesehen, dass das derzeitige Schaller-Grundstück als öffentlicher Parkplatz ausgewiesen wird, da es gerade an Parkplätzen erheblich mangele. Beltinger gestand zwar ein, dass der Parkdruck dort erheblich sei. Andererseits eigne sich das Grundstück aber hervorragend zur Nachverdichtung. Weniger Krach mit G8 Darüber hinaus befinde sich das Areal in Privatbesitz, „sodass eine Nutzung des Geländes als öffentliche Stellplatzfläche eine Entschädigungspflicht nach sich ziehen würde“, erklärte die Baureferentin. Dazu komme, dass mit dem G8 der Parkdruck nachlasse, da dann weniger Auto fahrende Schüler das Gymnasium besuchen werden. Zurück gewiesen haben Verwaltung und Bauausschuss auch den Einwand der Augsburger Gesellschaft für Lehmbau, Bildung und Arbeit. Der gehört die nördliche Fläche des Areals mit der Aktiven Schule. Jetzt sieht sich die Gesellschaft in ihren Eigentumsrechten beschnitten und verlangt mehr Nutzungsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang verwies Kemptens Baureferentin Monika Beltinger darauf, dass man sich mit dem neuen Bebauungsplan lediglich an der bereits bestehenden Nutzung des Geländes orientiere – und das seien nun mal vor allem Schulen.

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