Zahl der Arbeitslosen sinkt – Noch viele freie Ausbildungsstellen

Bester Wert seit vier Jahren

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Die Top 10 der unbesetzten Ausbildungsstellen.

Kempten – Von einem „goldenen Herbst“ hinsichtlich der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt konnte Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, am Mittwochvormittag bei einem Pressetermin berichten. Zusammen mit Claudia Rossel-Meyer von der HWK Schwaben und Thomas Schmid von der IHK Schwaben zog er außerdem Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2015/2016. Hier gibt es weiterhin mehr Ausbildungsplätze als Bewerber.

Mit 2,7 Prozent Arbeitslosenquote im Oktober konnte Litzka den besten Wert seit gut vier Jahren vermelden (Kempten: 2,9 Prozent). 9863 Arbeitslose (in Kempten: 2267) waren im Oktober im gesamten Bereich der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen gemeldet, 970 (in Kempten: 218) weniger als noch im September. Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen habe sich im Vergleich zum September um rund ein Dritter verringert. Gründe hierfür sind vor allem Ausbildungs- und Studienbeginn. Als „Stachel im Wohlbefinden auf dem Arbeitsmarkt“ bezeichnete der Agenturchef den hohen Anteil an Arbeitslosen über 50 Jahre (3840; in KE: 849).

Ausbildungsmarkt

Die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt muss laut Litzka aus zwei verschiedenen Blickrichtungen betrachtet werden. „Während junge Menschen die Wahl unter zahlreichen verfügbaren Ausbildungsmöglichkeiten haben, tun sich insbesondere kleine Betriebe und bestimmte Branchen schwer bei der Suche nach einer geeigneten Führungskraft.“ So hätten sich im Ausbildungsjahr 2015/2016 rund 4600 junge Menschen für eine Ausbildung interessiert. Dem gegenüber stellten Betriebe über 6200 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Ende September suchten noch 76 Jugendliche weiter nach einem Ausbildungsplatz, der ihren Vorstellungen entsprach. Gleichzeitig waren 674 Ausbildungsplätze noch zu haben. Insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie sowie in Handel und Handwerk gab es noch freie Stellen.

Auch bei einem hohen Angebot an Ausbildungsplätzen tun sich schwächere Schüler mitunter schwer, eine geeignete Stelle zu finden. Um auch diesen Jungen und Mädchen eine Ausbildung zu ermöglichen, unterstützt die Agentur für Arbeit entsprechende Betriebe mit der sogenannten „Assistierten Ausbildung“. Hiermit werden benachteiligte junge Menschen sowie ihre Ausbildungsbetriebe während der gesamten Ausbildungszeit eng begleitet und aktiv – auch finanziell – unterstützt.

Für die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) zog Ausbildungsberaterin Claudia Rossel-Meyer zum Ende des Ausbildungsjahres eine positive Bilanz. Gegenüber dem Vorjahr habe sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit leichter Tendenz nach oben stabilisiert. Derzeit sind bei der HWK Schwaben 4034 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen. Die duale Berufsausbildung gewinne wieder an Stellenwert: „Sobald die Chancen einer Ausbildung erkannt werden und Handwerk erlebt wird, fällt die Entscheidung pro Handwerk. Wir merken, dass unsere langjährigen und enormen Anstrengungen in der Nachwuchswerbung Früchte tragen“, so Rossel-Meyer. Dennoch ist der Bedarf an Nachwuchskräften im Handwerk hoch. Insgesamt werden in der Lehrstellenbörse der HWK Schwaben derzeit noch rund 700 Stellen querbeet angeboten.

Das Handwerk bilde außerdem flexibel aus und sei offen für alle Zielgruppen – auch für Asylbewerber, wenn entsprechende Sprachkenntnisse da sind. Möglich seien auch Teilzeitausbildungen für Personen, die Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen haben.

Bei der IHK Schwaben wurden bis Ende Oktober 8977 neue Ausbildungsverträge verzeichnet. Dies entspricht laut Ausbildungsberater Thomas Schmid einem leichten Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings wären noch mehr Abschlüsse möglich, wenn den Firmen nicht zu wenig geeignete Schulabsolventen zur Verfügung stehen würden. Zwar sei der Anteil der Abiturienten an den neuen Ausbildungsverträgen von 16 Prozent in 2015 auf 18 Prozent in 2016 angestiegen, „dennoch ist vielen Abiturienten noch immer nicht klar, welche beruflichen Chancen, sowohl im Hinblick auf eine spätere Führungsfunktion als auch auf das Gehalt, mit dem Einstieg in den Beruf mittels einer dualen Ausbildung verbunden sind“, so Schmid. Auch die Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt in Abstimmung mit dem Betrieb ein berufsbegleitendes Studium durchzuführen, sei vielfach unbekannt.

Berufsorientierung ist aus Sicht der IHK sehr wichtig. Schmid bemängelte, dass oftmals die Eltern die „Berufsorientierer“ seien und appellierte deshalb an diese, dass sie ihren Kindern Luft zur Berufsorientierung lassen und nicht darauf hinarbeiten, dass sich ihre Kinder in die größtmögliche Komfortzone bewegen. „Man muss sich seinen Wert im Unternehmen erarbeiten“, betonte Schmid. Beliebte Ausbildungsberufe im Allgäu seien Industriemechaniker und Mechatroniker. Manche Berufe seien beispielsweise aufgrund von Schichtarbeit nicht so gefragt. „Der Freizeitwert wird mittlerweile oftmals höher angelegt wie der Verdienst.“

Auch die IHK tut viel dafür, Flüchtlinge im Berufsleben unterzubringen. Im Rahmen des Projekts „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ konnten für das neue Ausbildungsjahr laut Schmid 145 Flüchtlinge in Ausbildung gebracht werden.

Melanie Weidle

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