Ein Zeichen der Zeit

Riesig war der Ansturm beim Familientag mit vielen Attraktionen zur Eröffnung des neuen Wasserkraftwerks des Allgäuer Überlandwerks (AÜW) vergangenen Sonntag. Bereits am Freitagabend davor wurde das architektonisch durchaus reizvolle Laufwasserkraftwerk bei einem fulminanten Festakt mit geladenen Gästen aus heimischer Politik, Wirtschaft und am Bau Beteiligten offiziell eingeweiht.

Dabei bestach nicht nur die futuristisch anmutende, selbstbewusste Architektur, die sich organisch in das denkmalgeschützte Ensemble der ehemaligen Spinnerei und Weberei einfügt. In stimmungsvoller Abenddämmerung erlebten die Gäste ein spektakuläres Kulturprogramm, das sich auf dem, im und um das Schwerpunkt-Element Wasser abspielte. Zentrum des Geschehens war das Recheneinlaufbecken – natürlich bei abgeschalteten Turbinen. Statt Reden sorgte ein kleines Podiumsgespräch für den Auftakt, für das AÜW-Geschäftsführer Michael Lucke, Michael Becker, Architekt des bauausführenden Büros „becker architekten“, OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Moderator Arno Jauchmann stilvoll per Floß zur mittig schwimmenden Bühne chauffiert wurden. „Das ist ein schlafender Delphin“, bekannte sich AÜW-Chef Lucke zu seiner spontanen Assoziation beim ersten Anblick des Bauentwurfes. Andere hätten in der Konstruktion, die bei den Kemptener Bürgern „viel Zustimmung findet“, von einer „stehenden Welle“ bis zum „kalbenden Gletscher“ noch vieles mehr erkannt, freute er sich über den neu geschaffenen Ort, „wo Energie nicht nur produziert sondern auch getankt werden kann“. Nach fast dreijähriger Bauzeit und einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro könnten mit dem sehr leistungsfähigen Kraftwerk rund 3000 Haushalte versorgt werden, bei „5400 Tonnen CO2, die wir jedes Jahr einsparen“, frohlockte er. Lob für Architektur Kemptens OB DR. Ulrich Netzer sah darin „ein Zeichen zeitgemäßer, gelungener Baukultur“ sowie eines dafür, „dass wir auf regenerative Energien setzen“. Ein besonderer Aspekt des Projektes war für Becker, „keine Vorgaben bereits vorhandener Gebäude“ gehabt zu haben, sondern „alles komplett neu zu machen“. Als Idee hinter der Planung habe beim Architektenteam der Gedanke gestanden, „die beim Durchlaufen von Turbinen generierte Dynamik des Wassers zum Ausdruck zu bringen“. Er wünsche sich, dass das Kraftwerk im Zusammenwirken mit dem Radweg „zum öffentlichen Raum wird“. Eine mit warmem Sopran vorgetragene Opernarie eröffnete anschließend den kurzweiligen Reigen von unterschiedlichen Musikgenüssen, Tanzeinlagen, über dem Wasser schwebenden Körperakrobaten und – besonders passend zum Thema – einem Wasserballett, das tapfer im nur 16 Grad kalten Wasser brillierte. Mit Augen, Ohren und Gaumen wurde so gerne noch bis spät in die laue Sommernacht gefeiert.

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