Zeitreise mit Prunkstücken

Eine Herausforderung sei es schon gewesen, all die Kunstwerke wieder ausfindig zu machen, meinte die freie Kunsthistorikerin Ilka Knöpfel im Gespräch mit dem KREISBOTE. Unterstützt von Mitarbeiterinnen der Kemptener Museumsabteilung hatte sie sich für die aktuelle Ausstellung in der Kemptener Kunsthalle „Aus Liebe zur Kunst. 40 Jahre Bürgerpreis und Thomas-Dachser-Gedenkpreis“ auf Spurensuche begeben und war zum größten Teil fündig geworden. Die 35 gezeigten Werke von 28 Preisträgerinnen und Preisträgern zeigen eine interessante Entwicklung nicht nur des Kunstschaffens im Allgäu als solches.

Es ist zugleich eine Art Zeitreise durch die sich in den vier Jahrzehnten wandelnden „Moden“, denen sich auch die Kunst nicht zu entziehen vermochte. Wirkungsvoll in Szene gesetzt ist eines der „Prunkstücke“ der Ausstellung, wie Knöpfel das Triptychon „Eintag“ des Malers Erwin Steinbach bezeichnet. Die eindrucksvolle Darstellung eines Tagesverlaufes hatte die Jury 1969 und damit im ersten Jahr der Preisstiftung überzeugen können. Vor feuerrotem Hintergrund zieht die goldbronzene Sonne darin kraftvoll ihre Bahn. Eine Reihe der ausgezeichneten Werke sind Bestandteil der Kunstsammlung des Logistikunternehmens Dachser, einige sind in städtischem Besitz. Aber auch an unterschiedlichsten Orten hatte Knöpfel mit ihrem Team nach Erben bereits verstorbener Künstler und dem Verbleib verkaufter Werke gesucht – manchmal mit frappierenden Ergebnissen. Fündig waren sie im Falle der 1984 prämierten Skulptur „Melancholie in der Südsee“ von Hansjörg Schäfer zwar geworden. Aber „bei dem jetzigen Besitzer ist es einbetoniert“, erzählte Knöpfel. Ebenso habe der Maler Ernst Waldner für eine „Überraschung“ bezüglich seines 1983 ausgezeichneten Bildes „Mutter mit Kind“ gesorgt. Er hatte es nämlich inzwischen etwas „überarbeitet“ meinte sie schmunzelnd und demonstrierte die Veränderung anhand der im Katalog abgebildeten Originalversion. Eine kleine Geschichte hat Knöpfel auch zu Eberhard Weibls 1992 gekürtem Objekt „o.T.“ auf Lager. Seit der Festwochen-Ausstellung 1992 werde es – optisch durchaus nahe liegend – gern als „Trampolin“ bezeichnet, denn „damals war ein Kind hineingesprungen“. Ob allerdings der Sprung den Namen ausgelöst habe oder umgekehrt, konnte sie nicht mehr rekonstruieren. Aber nicht nur die Werke selbst erzählen und bergen Geschichten. Geht es doch auch um den Preis selbst, der Dank einer privaten Initiative seit 40 Jahren das Kunstleben im Allgäu fördert. Sein Ursprung liegt im Jahr 1969, als ein Kemptener Bürger den zur Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche eingerichteten Kunstpreis der Stadt Kempten um den „Bürgerpreis“ erweiterte. "Visionärer Unternehmer" Fünf Jahre lang stiftete der damals bereits 60-jährige Käsefabrikant, Bildhauer und Kunstliebhaber Karl Hoefelmayr den mit 1200 DM dotierten Preis. 1974 hatte im Alter von 68 Jahren der „visionäre Speditionskaufmann und Unternehmer“, wie OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ihn bei der Ausstellungseröffnung beschrieben hatte, Thomas Dachser, die Stifterrolle übernommen. Nach seinem Tod im April 1979 wurde der Bürgerpreis nahtlos vom Unternehmen Dachser weiterhin jedes Jahr gestiftet. Seit 1981 in „Thomas-Dachser-Gedenkpreis“ umbenannt, ist er inzwischen mit einem Preisgeld in Höhe von 2600 Euro verbunden. Zu sehen ist die Ausstellung in der Kunsthalle Kempten in der Memminger Straße 5, und zwar jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr sowie an Donnerstagen jeweils von10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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