Zerstreute Befürchtungen

Die Zukunft des Hildegardplatzes ist weiterhin offen: In einer der nächsten Stadtratsitzungen soll daher über den Bau einer Tiefgarage (TG) diskutiert und entschieden werden. Die Stadträte der UB/ödp-Fraktion hatten sich deshalb bereits im Februar mit einem umfangreichen Fragenkatalog an OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) gewandt (der KREISBOTE berichtete), der Unklarheiten beseitigen sollte. In einem Schreiben geht das Stadtoberhaupt jetzt auf die Bedenken der Stadträte Dr. Philipp Jedelhauser, Michael Hofer und Helmut Hitscherich ein.

Die Ausweisung als verkehrsberuhigte Zone habe die Aufenthaltsqualität am Rathausplatz wesentlich erhöht, führt Netzer in seinem Schreiben als Vergleich für eine mögliche ähnliche Entwicklung des Hildegardplatzes an. Hintergrund war die Frage der UB/ödp-Fraktion, was Netzer unter mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität und Attraktivität verstehe, die geschaffen werden soll. „Höhere Aufenthaltsqualität und Attraktivität, die sich wohl alle Bürger so sehr wünschen, entsteht durch die Entwicklung von vielfältigen Nutzungen, die auch einen solch großen Platz beleben“, so der OB. Die Sorge von Dr. Jedelhauser, Hofer und Hitscherich, dass man bei der Tiefgaragenlösung außer an den Wochenmarkttagen einen „großen, leeren Platz“ sehe, entkräftete der Rathauschef damit, dass „ein großer leerer Platz im historischen Kontext vor einer schönen Basilika, wie es in vielen alten Städten auch der Fall ist, eine optimale Lösung für das Stadtbild ist.“ Das geplante Platanen-Quadrat und die Sitzstufen entlang des Basilikahügels würden laut Netzer sowohl schattige Sitzmöglichkeiten als auch für „Sonnenhungrige“ geeignete Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der Befürchtung, dass durch den Bau einer Tiefgarage der historische Charakter des Platzes verloren gehen könnte, hält der OB entgegen, dass die TG-Ausgänge auf ein gestalterisch vertretbares Minimum reduziert wurden. So sind im jetzigen Planungsstand ein großer Ausgang mit Aufzug mit den Maßen 6,20 mal 5,60 Meter und der Höhe 3,10 Meter sowie drei kleine Ausgänge von je 6,40 mal 1,90 Meter und einer Höhe von 2,75 Meter vorgesehen. Außerdem werden die Treppenauf- und Abgänge jeweils an den Rändern des Platzes angebracht und seien daher nicht störend, meint Netzer in seinem Schreiben. Die elf Be- und Endlüftungsschächte (Größe: drei mal ein Meter) sieht das Stadtoberhaupt ebenfalls nicht als Einschränkung des historischen Ambientes. Den Vorwurf der drei Stadträte, er habe behauptet, dass die Stellplatzrücklage für eine oberirdische Lösung nicht herangezogen werden dürfe obwohl es erlaubt sei, entkräftete Netzer mit Hilfe der Bayerischen Bauordnung (BayBO). „Da die gesamte Fläche des Hildegardplatzes als Ortsstraße gewidmet ist, würde es sich um die Herstellung oberirdischer Parkplätze auf einer gewidmeten Fläche handeln“, schreibt der Rathauschef. Solche Stellplätze können laut BayBO aber nicht aus Stellplatzablösemitteln finanziert werden. Später mehr Umsatz Entgegen den Vermutungen von Jedelhauser, Hofer und Hitscherich hat die Stadt laut Netzer mit Geologen hinsichtlich eventuell auftretender Probleme mit dem Grundwasser kooperiert. „In den letzten 12 Jahren haben drei Diplom-Geologen insgesamt vier Bodengutachten für den Bereich Hildegardplatz ausgearbeitet“, schreibt er. Der Bau einer eingeschossigen Tiefgarage ist demnach unter Beachtung einiger Vorgaben problemlos möglich. Entsprechend den alten und den aktuellen Messungen ergab eine Auswertung durch das Büro Geo-Consult, dass sich durch den Bau einer Garage nur eine geringere Grundwasserschwankung im Vergleich zum natürlichen Schwankungsbereich ergeben wird. Um jedoch einen leichten Aufstau auf der Südseite der Tiefgarage zu vermeiden, werden einzelne Pfähle kürzer ausgeführt, so Netzer. Der OB versicherte den Stadträten außerdem, dass die Kosten für eine Beweissicherung bzw. Schadensdokumentation an allen angrenzenden Gebäuden von Beginn an in der Kostenberechnung berücksichtigt wurden. Sorgen machen sich die UB/ödp-Fraktionsmitglieder auch über die Umsatzeinbußen der Geschäfte während der Bauarbeiten. Netzer bestätigte in seinem Schreiben, dass die öffentliche Hand für eventuelle Umsatzverluste nicht aufkommen könne. Nach dem Umbau seien die Geschäftsaussichten jedoch umso besser, frohlockte er. Auch die Parkplatznot während der Bauzeit sprachen Jedelhauser, Hofer und Hitscherich an. Dazu schrieb Netzer, dass der Platz und die Tiefgarage in Teilabschnitten (um-)gebaut werden sollen. Daher gebe es immer Parkmöglichkeiten.

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