Zukunft entschieden?

Der Marstall in der Landwehrstraße: Derzeit noch Museum, in Zukunft Stadtbücherei?. Foto: Matz

Nicht wenige Kulturschaffende und Stadträte sehen im Marstall den optimalen Standort für ein Allgäu-Museum. Und obwohl es bis zur Umsetzung des Museums-Konzeptes noch ein weiter Weg ist, fiel bereits am Dienstagabend wohl eine Vorentscheidung hinsichtlich der weiteren Zukunft des historischen Gebäudes in der Landwehrstraße. „Der Marstall eignet sich grundsätzlich als Bibliothek“, befand Klaus Dahm, Leiter der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen, im Kulturausschuss. Allerdings knüpfte der Experte die Nutzung des Marstalls als Stadtbücherei an einige Voraussetzungen. Eine endgültige Entscheidung ist jedoch in absehbarer Zeit wohl eher nicht zu erwarten.

Bereits seit Jahren beschäftigt sich ein Arbeitskreis mit der Reform der Kemptener Museumslandschaft. Im Zuge der Debatte kam auch die Idee auf, den Marstall – derzeitiger Standort des Alpinmuseums – entweder zu einem Allgäu-Museum oder eben zu einer Bücherei umzufunktionieren. Hintergrund ist, dass die Stadtbücherei in der Orangerie räumlich mittlerweile an ihre Grenzen stößt. „Die vorhandene Nutzfläche von insgesamt 1279 Quadratmetern unterschreitet schon heute bei weitem die empfohlenen Werte für eine moderne, attraktive öffentliche Bibliothek“, analysierte Dahm am Dienstagabend. Jeder weitere Ausbau des Bestandes in der Orangerie müsse demzufolge automatisch zu einer weiteren Verschlechterung der Aufenthaltsqualität führen. Ganz anders der Marstall. Unter Berücksichtigung heute für Bibliotheken geltender Parameter sei für Kempten eine bibliothekarische Nutzfläche von 2700 Quadratmetern nötig. Dazu kämen noch weitere 100 Quadratmeter für das Magazin, mithin also insgesamt 2800 Quadratmeter. Mit einer Gesamtnutzfläche von rund 2800 bis 3000 Quadratmetern eigne sich der Marstall somit sehr gut als künftige Kemptener Stadtbücherei, erläuterte der Experte aus München. "Keine Lesetempel mehr" Kritisch zu betrachten seien allerdings die statischen Verhältnisse des viergeschossigen Gebäudes. „Die Bibliothek muss so geplant werden, dass Bereiche mit geringeren Nutzlasten grundsätzlich in den oberen Geschossen situiert werden“, empfahl Dahm den Stadträten. Denkbar wäre demzufolge unter anderem, das Erdgeschoss für den Romanbereich, die Zeitschriftenpräsentation sowie Ausstellungs- und Präsentationsflächen vorzuhalten. Im ersten Obergeschoss könnten der Sachbuch- und Informationsbereich, Lern- und Studienplätze sowie die Allgäu-Bibliothek und das Magazin untergebracht werden. Der Kinder- und Jugendbereich sowie das Medienzentrum könnten dagegen in das erste Dachgeschoss ziehen und die Verwaltungsräume im zweiten Dachgeschoss untergebracht werden. Komplizierter wird es allerdings, wenn der Marstall gleichzeitig als Bibliothek und Museum für Ausstellungen genutzt werden sollte – beispielsweise in den beiden Hallen im Erdgeschoss. Dadurch verringere sich die Nutzfläche auf 2000 Quadratmeter, rechnete Dahm dem Ausschuss vor. Anders verhalte es sich bei kleineren, flexibleren Wechselausstellungen. „Die Bibliothek erweitert dadurch ihren Kultur- und Informationsauftrag und erschließt sich neue Benutzerschichten“, erklärte Dahm. „Moderne Bibliotheken sind heute keine Lesetempel mehr.“ Zusammenfassend, so Dahm, mache ein Umzug der Stadtbücherei in den Marstall nur Sinn, wenn die gesamte Fläche genutzt werden kann und das Gebäude modernisiert wird. „Größere Umbaumaßnahmen sind jedoch nicht zu erwarten“, so der Fachmann weiter.

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