In zwei Stufen

Investieren muss die Stadt in den kommenden beiden Jahren in eine neue Finanzsoftware, da die jetzige ein „Auslaufmodell“ ist, wie es Kämmerer Kai Welzig jetzt im Finanzausschuss formulierte. Die neue Software soll sowohl für die Kameralistik als auch für die Doppik (doppelte Buchführung in Konten) geeignet sein. Mit der Umstellung auf die Doppik als Buchungsart für die Verwaltung empfahl Welzig jedoch aufgrund der aktuellen finanziellen Situation noch zu warten.

Bei den Haushaltsberatungen im vergangenen Jahr sprach sich der Finanzausschuss dafür aus, von der Kameralistik auf die Doppik umzustellen. In Bayern ist die Umstellung auf die Doppik jedoch im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht verpflichtend. Nichtsdestotrotz ist das System Welzig zufolge die kommende Buchungsmethode. „Bundesweit dampft der Zug Richtung Doppik.“ Die kameralistische Finanzsoftware ist daher ein Auslaufmodell. Die Firma, mit der die Stadt momentan zusammenarbeitet, konnte auch keine Garantie geben, dass es die Software noch bis zum Jahr 2015 gibt bzw. dass der Pflegevertrag bis dahin bestehen bleibt. Vielmehr habe das Unternehmen darauf hingewiesen, dass für den Vertrag nur eine dreimonatige Kündigungsfrist besteht. Eine Arbeitsgruppe habe bereits mit mehreren Software-Anbietern Kontakt aufgenommen und eingeladen, ihre Produkte vorzustellen. Außerdem wurde eine Masterarbeit von Birgitt Richter, ehemalige stellvertretende Leiterin des Kämmereiamts, hinzugezogen, in der einige Kommunen zu Umstellung auf Doppik befragt wurden. Die Softwares der Firmen könnten alle die Kameralistik und die Doppik, erläuterte Welzig. Der Lizenzerwerb würde je nach Firma zwischen 70 000 und 110 000 Euro kosten, die Pflege jährlich 18 000 bis 48 000 Euro. „Der Zeitaufwand für die Umstellung auf die Doppik beträgt im Mittel vier Jahre“, so Welzig. Für die Umstellungsphase wären wohl drei Vollzeitstellen notwendig. Der Finanzexperte empfahl daher, die Doppik noch nicht für 2011 und die Folgejahre in den Haushalt aufzunehmen. Er schlug dem Ausschuss vor, in den kommenden beiden Jahren auf eine neue Finanzsoftware umzustellen, jedoch ohne Einführung der Doppik. Die Umstellung auf eine neue Software bewertete er jedoch als „unabdinglich“. Der Ausschuss beschloss einstimmig, die doppelte Buchführung in einem zweistufigen Verfahren einzuführen. Zuerst wird auf eine neue Software umgestellt, dafür ist eine EU-weite Ausschreibung erforderlich, danach kommt die Doppik.

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