Zweifel bleiben

Bei fünf Gegenstimmen aus Reihen von FDP und ödp/UB hat der Stadtrat am Donnerstag den Entwurf der zweiten Änderung des Bebauungsplans für das XXXLutz-Möbelhaus am Haslacher Berg gebilligt. Damit kann das Papier erneut in die öffentliche Auslegung gehen. Wie in der Diskussion davor jedoch deutlich wurde, bereitet das Projekt dem ein oder anderen Stadtrat trotz der jüngst gefundenen Kompromisse nach wie vor zum Teil erhebliche Bauchschmerzen.

Streitpunkte zwischen Unternehmen und Bauverwaltung waren zuletzt vor allem die Höhe der Gebäude, die Anzahl der Parkplätze sowie die Gestaltung der Fassade. XXXLutz war erst kürzlich nach der Intervention eines „entscheidungsberechtigten Mitinhabers“ des Unternehmens Bauverwaltung und Bauausschuss entgegen gekommen (der KREISBOTE berichtete). So konnte in den Verhandlungen erreicht werden, dass die leichte Erhöhung der beiden Gebäude „keine zusätzlichen Sichtbeeinträchtigungen“ für die Anwohner nach sich zieht, „weil die Anhebung lediglich Brüstungs- bzw. Deckenbereiche betrifft“, erläuterte Baureferentin Monika Beltinger. Bei der Fassadengestaltung haben die Investoren ebenfalls nachgebessert. Eine größere Tiefenwirkung soll beispielsweise durch einen Abstand zwischen Metallschale und Wand erreicht werden. „Zur Betonung dieser räumlichen Tiefe ist eine Hinterleuchtung des Zwischenraums von unten vorgesehen“, berichtete Beltinger. Darüber hinaus habe das Unternehmen zugesichert, dass hinter den großen Glasflächen keine Werbeanlagen installiert werden. Hinsichtlich der Parkplätze haben sich Verwaltung und Investor mittlerweile auf 639 Parkplätze verständigt. „In dieser Form können wir weiterfahren“, zeigte sich die Baureferentin zufrieden. Einige Stadträte dagegen weniger. Trotz „einiger Verbesserungen“ sei der Haslacher Berg nach wie vor der „falsche Standort“, meinte Ullrich Kremser (FDP). Thomas Hartmann (Grünen) kritisierte dies ebenfalls. „Wir sind davon nicht überzeugt“, sagte er. „An den Verzögerungen kann man ablesen, dass der Bauwerber möglicherweise den Standort auch nicht mehr für richtig hält“, fuhr er fort. Zweifel äußerte er auch hinsichtlich des Randsortiments. „Dimension und Zusammensetzung sollten genau beobachtet werden“, mahnte er. Helmut Hitscherich (UB/ödp) warnte dagegen vor Staus auf dem Ring, da wohl niemand, der über die B12 komme, über Waltenhofen den Kemptener Süden anfahren werde. Seinen Stadtratskollegen warf er vor, bei Parkplätzen, Fassadengestaltung und Gebäudehöhe gegenüber dem Investor zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben. „Ich bin erstaunt, welche Wandlungen hier in kürzester Zeit stattfinden“, sagte er. Es stelle sich mittlerweile die Frage, wer „hier mehr Kröten schlucken muss?“. Die Stadt oder der Investor? 640 Parkplätze seien zu wenig, so Hitscherich weiter. Als Beispiele führte er unter anderem München an, wo XXXLutz bei einer etwa gleich großen Verkaufsfläche fast 900 Parkplätze anbiete. „Kommt es zum Verkehrschaos, können Sie mit heftigen Protesten rechnen“, warnte er. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) verwies darauf, dass die gefundenen Kompromisse „gegenüber der Baugenehmigung eine deutliche Verbesserung für die Anwohner“ seien. Hinsichtlich der Fassadengestaltung meinte Netzer, dass man nicht nur das Lochblech, sondern die gesamte Fassade betrachten müsse. „Und da haben wir eine deutliche Lockerheit.“ CSU-Fraktionschef Erwin Hagenmaier warnte davor, jetzt gegen die Änderungen zu stimmen: „Wenn wir heute nicht zustimmen, dann baut er einfach wie vor drei Jahren genehmigt.“ Siegfried Oberdörfer von der SPD nannte die jetzige Lösung „einen sehr guten Kompromiss“, während Stadtrat Dieter Zacherle die Stadt hinsichtlich des Möbelhauses endlich auf der „Zielgerade“ wähnte.

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