Überraschende Entdeckung

Neuer alter Brunnen

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Zwei Brunnenfundamente aus vergangenen Tagen: links das Fundament des älteren Brunnens, rechts das des ehemaligen gusseisernen Hildegardbrunnens.

Kempten – Auf Erwartetes und auch Unerwartetes ist das Archäologenteam bei ihren Grabungen im Zuge der Umgestaltungsmaßnahmen am Hildegardplatz gestoßen. Das Brunnenfundament des gusseisernen Hildegard-Brunnens war laut Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber keine Überraschung. Errichtet im Jahr 1862, sei der Brunnen in den Königlich Württembergischen Hüttenwerken in Wasseralfingen nach einem Entwurf eines Münchner Architekten namens Berger in neugotischem Stil gegossen worden; „im August 1950 wurde er abgebrochen“, da er baufällig und „nicht mehr sicher gewesen“ sei. Wo sich der von seinem Lagerort verschwundene Brunnen heute befinde sei unbekannt.

Überraschend sei das zweite, etwas tiefer liegende Brunnenfundament gewesen, das ziemlich sicher von einem älteren Brunnen stamme, den Weber auch schon auf einer alten Abbildung ausfindig machen konnte. Wie an der Grabungsstelle selbst auch, könne man auf dem Bild erkennen, dass der Platz zur Zeit des ersten Brunnens (18./19. Jahrhundert) zuordnete, „sichtbar tiefer gelegen hat“. Auch scheine es so, dass der Hauptstrang des Schlangenbaches „auf Steinplatten begehbar war“. Dass an diesem älteren Brunnen „nur Holzdeichseln gefunden wurden“, ist für den stellvertretenden Grabungsleiter Manfred Haas ein möglicher Hinweis darauf, dass er „direkt vom Schlangenbach gespeist wurde, ohne Druck von Metallrohren“. Auffällig sei für ihn auch die „sehr komplizierte Konstruktion“ des Wasserablaufs am Hildegardbrunnen gewesen, der in einem gemeinsamen Ablauf mit dem des älteren Brunnen münde. Was sich in so einem Brunnenablauf alles wiederfindet, davon kann das Grabungsteamebenfalls ein Lied singen: „Beim Hildegardbrunnen hatten wir Funde durch alle Epochen von Ende 19. Jahrhundert bis heute“, erzählte Haas von „diversen Münzen, Ton- und Glasscherben, von Brillen- und Vergrößerungsgläsern, unterschiedlichen abgefeuerten Munitionshülsen, von Kettenanhängern und auch einem kleinen Bleipferdchen. Die weiteren, nun ebenfalls sichtbar gewordenen Spuren der, laut Weber, „vermutlich vorbarocken Nutzung des Platzes“ müssen erst noch näher begutachtet werden. Zunächst werde voraussichtlich am kommenden Dienstag „das letztes Stück beim Kiosk noch Laser gescannt werden“. Christine Tröger


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