Mutter misshandelt ihr Baby

Fatale Überforderung

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Landsberg – Pures Glück, dass ihr Kind noch lebt und wieder völlig gesund ist, hatte eine heute 24-Jährige, die ihren drei Monate alten Sohn im Mai vergangenen Jahres schüttelte und ihm womöglich einen Schädelbruch zufügte. Das Landsberger Schöffengericht verurteilte sie zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe samt mehrerer Auflagen. Auch, um den eigentlich intakten Familienverbund nicht zu zerreißen.

„Sie haben schwere Schuld auf sich geladen, mit der Sie ein Leben lang zurecht kommen müssen“, fand Richter Alexander Kessler Worte, als er die Frau aus dem Ammerseeraum zu zweijähriger Bewährung, einer ambulanten Psychotherapie und 150 Sozialstunden verurteilte. Der drei Monate alte Säugling der Angeklagten litt 2015 an Koliken und schrie über mehrere Monate hinweg täglich stundenlang. Im Mai war der Junge plötzlich schläfrig, trinkschwach und schrie untypisch schrill. Seine Großmutter, die im selben Haus wohnt und sich in hohem Maße um das Kind kümmerte, bemerkte eine „matschige“ Stelle am Kopf. Die Untersuchung im Krankenhaus ergab ein Schütteltrauma mit Einblutungen in Hirn und Netzhaut sowie einen Schädelbruch. Klar war von Beginn an, dass weder Vater noch Großmutter die Verletzungen herbeigeführt haben konnten. Damit blieb nur noch die Mutter, die auch die gesamte Verantwortung auf sich nahm. Ihre Erklärungsversuche blieben jedoch unglaubwürdig. Erst im Gericht gab sie zu, ihren Sohn in ihrer Überforderung zwei- oder dreimal geschüttelt zu haben. „Das passt zum Verletzungsbild“, bestätigte Prof. Dr. Elisabeth Mützel vom Institut der Rechtsmedizin an der Münchener LMU. Sie führt vor Gericht aus: „In dem Moment, in dem ein Baby so oft geschüttelt wird, ist der weitere Ausgang völlig offen. Schwere Folgen und der Tod sind möglich.“ Reines Glück, dass das Kind wohl keine Spätfolgen davontragen wird. Doch damit war der Schädelbruch noch nicht erklärt. Der Version der Mutter, sie sei mit dem Kind versehentlich gegen den Türstock gestoßen, sprachen die Sachverständigen sämtliche Glaubwürdigkeit ab. Ein Unfall war aber nicht gänzlich auszuschließen, sodass das Gericht nur das Schütteln als schwere Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener bewertete und mit seinem Urteil unter der Forderung von Staatsanwalt Matthias Neumann blieb; er hielt eine dreijährige Haftstrafe für angemessen hielt. Die Angeklagte, die im Kindesalter von ihrer Mutter verlassen worden war und bis heute unter der Alkoholsucht ihres Vaters leidet, hat eine Therapie anzutreten. Ihr Sorgerecht ist bis auf weiteres verwirkt. Gesundheitsfürsorge und Aufenthaltsbestimmungsrecht verbleiben bei der Großmutter, zu der ein gutes Verhältnis besteht. Sie überwacht auch die Kontakte zwischen Schwiegertochter und ihrem Enkel.

Rasso Schorer

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