Wie der Biobauer…

Keine Lust auf Gestrecktes

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"Genau wie ein Biobauer seine Tomaten", hat ein 28-jähriger Kauferinger Cannabis angebaut – erst in seiner Wohnung, dann am Lechufer.

Kaufering – Zuerst baute ein 28-Jähriger aus der Marktgemeinde Cannabis in seiner Wohnung an. Als ihm die Polizei draufkam, verlegte er die Pflanzenzucht ans Lechufer. Jetzt stand er wegen unerlaubten Besitzes und Anbaus von Betäubungsmitteln vor dem Schöffengericht Landsberg.

Er sei als 18-Jähriger erstmals mit Drogen in Kontakt gekommen, berichtete der Angeklagte. Sie würden ihm helfen zu entspannen. Für rund 1000 Euro habe er sich aus dem Internet die Aufzuchtanlage besorgt. „Ich hatte keine Lust, gestrecktes Marihuana zu kaufen und mich damit zu vergiften, also habe ich selber angebaut“, beteuerte er. „Genau wie der Biobauer seine eigenen Tomaten anbaut.“ Verkauft habe er nie etwas von seiner Ernte.

Im März letzten Jahres flog der illegale Anbau auf. Die Polizei wollte einen ehemaligen Mitbewohner des Angeklagten festnehmen und klingelte mit einem Haftbefehl an der Tür. Der Gesuchte war zwar schon ausgezogen, doch umsonst war der Besuch der Beamten trotzdem nicht, denn aus der Wohnung wehte ihnen ein eindeutiger Geruch entgegen. Sie fanden Marihuanablätter unter dem Sofa, in Schränken und Schubladen. Hanfpflanzen standen auf dem Balkon und im Schlafzimmer. Hinter einer Trockenmauer, die der Angeklagte selbst gebaut hatte, entdeckten die Polizisten schließlich die Aufzuchtanlage. Sie stellten alles sicher und nahmen es mit.

Doch der Angeklagte hatte offensichtlich noch ein paar Samen in der Tasche. Die streute er später am Aussichtspunkt „Kongo“ am Lechufer aus. Dass er die Pflanzen aber, wie es in der Anklageschrift hieß, „gehegt und gepflegt“ habe, bestritt der 28-Jährige. Er sei erst nach Monaten wieder zu der Stelle gegangen und habe nicht damit gerechnet, dass der Hanf gedeihen würden. „Dafür ist es eigentlich bei uns zu kalt.“ Doch vier Pflanzen waren gewachsen, und der Angeklagte machte ein paar Handy-Fotos. Die entdeckte die Polizei im September wiederum durch Zufall. Diesmal wurde die Wohnung des 28-Jährigen im Zusammenhang mit Ermittlungen in einer Diebstahlssache durchsucht.

Staatsanwalt Christian Peikert fand das Vorgehen des Angeklagten ausgesprochen dreist und vermisste ein Unrechtsbewusstsein. Die erste Durchsuchung habe den Mann offenbar nicht beeindruckt, da er danach nichts Besseres zu tun gehabt habe, als seinen Hanfanbau an den Lech zu verlegen. Das sichergestellte Marihuana – gut 270 Gram mit einem Wirkstoffgehalt von fast 14 Gramm – lag deutlich über dem, was der Gesetzgeber als geringe Menge einstuft. Außerdem brachte der Angeklagte drei Vorstrafen mit. Deshalb beantragte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten.

Verteidigerin Anita Trautwein führte das Geständnis des 28-Jährigen ins Feld, ebenso wie die Tatsache, dass er nicht um des Profits willen gehandelt habe. Sie sah eine günstige Sozialprognose, da der Mann eine feste Arbeit bei der Telekom und familiären Rückhalt bei seinen Eltern habe. All das rechtfertige eine Bewährungsstrafe.

Und die verhängte das Gericht schließlich auch – ein Jahr und zehn Monate, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Der 28-Jährige muss künftig drogenfrei leben, dies mit entsprechenden Tests nachweisen und zehn Drogenberatungsgespräche absolvieren. Außerdem muss er 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. „Sie wandeln auf einem schmalen Grat“, gab der Vorsitzende Alexander Kessler dem Kauferinger mit auf den Weg. Er hoffe, dass der 28-Jährige nun „die Kurve gekratzt“ habe.

Ulrike Osman

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