Direkt in die U-Haft

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Im Gerichtssaal klickten die Handschellen.

Landsberg – „Ihr Leben ist ein Chaos“, fasste Richter Alexander Kessler den Fall eines 28-Jährigen vor dem Schöffengericht Landsberg zusammen. Innerhalb eines halben Jahres soll der junge Mann insgesamt 1,2 Kilogramm Haschisch von einem Bekannten aus dem Landkreis gekauft haben. Die Gerichtsverhandlung endete für den jungen Mann hinter Gittern.

Erst im April war der 28-Jährige vom Amtsgericht Landsberg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Damals hatte er in seiner Wohnung in Kaufering und am Lechufer Canna­bis angebaut (der KREISBOTE berichtete). Jetzt stand er erneut vor Gericht, weil er von Oktober 2014 bis März vergangenen Jahres pro Monat zwei 100-Gramm-Platten Haschisch gekauft haben soll. Was er offenbar nicht wusste: Sein Dea­ler war wohl eine „zu große Nummer“ für ihn, so Richter Alexander Kessler. Denn über Telefonüberwachung des Dealers kam die Polizei auch dem 28-Jährigen auf die Spur.

Warum er bei der Verhandlung im April nichts von seinen Drogenkäufen erwähnt habe, wollte Richter Alexander Kessler nun von dem Angeklagten wissen. „Das wäre von der Optik her besser angekommen.“ Aber nicht nur das legte der Richter dem 28-Jährigen negativ aus. Auch, dass der junge Mann bisher nichts unternommen hat, um sein Drogenproblem in den Griff zu bekommen, stellte einen Negativpunkt dar. Nach eigenen Angaben konsumiert der 28-Jährige seit er 14 Jahre alt ist Cannabis, zuletzt drei bis fünf Gramm täglich. Seit der letzten Verhandlung im April habe er aber nicht mehr konsumiert, so der Angeklagte, der derzeit arbeitslos ist. Schließlich habe er ja auch Urinkontrollen machen müssen.

Dass er aber im August mit 0,7 Gramm Haschisch erwischt worden war, wiegelte der junge Mann vor Gericht ab: Das habe er gerade erst erhalten, konsumiert habe er davon noch nichts. „Wer 14 Jahre lang konsumiert, ist nicht einfach so von Drogen weg“, hielt Kessler dagegen. Auch dass er alles für sich selbst gekauft haben will und nur „gelegentlich etwas an Freunde abgegeben“ habe, diesen „Gutmenschen“ wollte Kessler dem Angeklagten ebenfalls nicht so recht abkaufen. Da ihm der Handel mit Betäubungsmitteln allerdings nicht nachzuweisen war, wurde das Verfahren diesbezüglich eingestellt.

"Fluchtanreiz"

 Dass am Ende der Verhandlung nur eine Gefängnisstrafe stehen kann war wohl allen Beteiligten klar. Dass der Angeklagte aber direkt von zwei Polizeibeamten in die Untersuchungshaft gebracht werden würde, überraschte zumindest diesen selbst. Wegen Fluchtgefahr hatte das Schöffengericht diese Entscheidung getroffen. Der Angeklagte habe keine gefestigten sozialen oder familiären Bindungen – er war zwischenzeitlich sogar ohne festen Wohnsitz –, zusätzlich könnte die Verhängung der Strafe einen „Fluchtanreiz“ für den 28-Jährigen darstellen, begründete Kessler die Entscheidung. Das Urteil des Schöffengerichts fiel am Ende auf drei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe. Damit folgte das Gericht dem Vorschlag von Staatsanwalt Dr. Benedikt Weinkamm. Er führte die fünf Vorstrafen des Angeklagten ins Feld. Auch die nur sporadisch wahrgenommenen Gespräche mit der Bewährungshelferin sprachen für den Staatsanwalt dafür, dass der 28-Jährige sein Leben nicht in den Griff bekommt.

Verteidigerin Anita Trautwein hatte eine „möglichst geringe“ Strafe gefordert, indem sie das Geständnis des 28-Jährigen anführte. Durch die letzte Verurteilung habe er seine Wohnung und seine Arbeit verloren und sich außerdem mit seiner Mutter überworfen. Er habe sich dadurch in einem „Abwärtsstrudel“ befunden, aus dem er selbst nicht mehr herauskam, so Trautwein. Sie plädierte auf eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Richter Alexander Kessler und die Schöffen waren sich dagegen offenbar sicher, dass es sich bei den Taten nur um die „Spitze des Eisbergs“ handelte, so Kessler. Ein geordneter Tagesablauf im Strafvollzug werde dem jungen Mann gut tun, so der Richter: „Am Ende werden sie froh sein.“

Astrid Erhard

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