Mit Campus-Gedanken:

Große Pläne am "3C-Ring"

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Die in der ehemaligen Lechrain-Kaserne angesiedelte High-Tech-Firma 3C-Carbon (Foto) will ihren Standort am „3C-Ring“ deutlich ausbauen und bekam dafür jetzt vom Landsberger Stadtrat „Grünes Licht“.

Landsberg – Nicht alle ihre Wünsche kann die Firma 3C-Carbon umsetzen, doch im Wesentlichen ist die große Betriebserweiterung im Süden der Lechstadt in trockenen Tüchern. Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung dem neuen Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Lechrain-Kaserne zu.

Der Grundstücksverkauf hatte der Stadt bereits einen siebenstelligen Betrag in die Kasse gespült. Zuletzt wurden in meh- reren Hintergrundgesprächen zwischen Verwaltung, Fraktionen und 3C-Geschäftsführer Karsten Jerschke die Details für die Betriebserweiterung festgezurrt. Dementsprechend zügig verliefen – trotz über 100 Seiten an Unterlagen – die Beratungen im Stadtrat.

Die 3C-Pläne sind beeindruckend: Wegen des großen wirtschaftlichen Erfolges will man nicht nur die Produktionsanlagen ausweiten, sondern auch ein neues Hauptgebäude errichten, eine Kindertagesstätte, Sportanlagen und sogar einen „Tante-Emma-Laden“ bauen.

Auch Wohnungen sind auf dem früheren Kasernengelände vorgesehen – ein Punkt, mit dem sich Dr. Reinhard Steuer (UBV) bis zuletzt nicht recht anfreunden konnte. „Es muss uns doch darum gehen, eine Arbeitersiedlung wie im letzten Jahrhundert zu verhindern – das ist in unserem schönen Landkreis unangebracht.“ Die scheidende Stadtbaumeisterin Annegret Michler wollte das klarstellen: „Es geht um wenige Betriebswohnungen und temporäres Wohnen. So viel Platz ist da ja gar nicht, dass man viele Leute unterbringen könnte, es soll auf jeden Fall kein neues Stadtviertel entstehen.“

Nicht zu dominant

Etwas kleiner als vom Unternehmen gewünscht wird das „sehr repräsentative Firmengebäude“ im Nordosten des Geländes ausfallen, so Referats- leiter Claus Müller. Statt 35 Meter Wandhöhe mit Option auf eine Erhöhung um weitere zehn Meter werden es jetzt 25 Meter werden. „Davon ließ sich der Unternehmer überzeugen“, sagt Müller, „das ist das Einfahrtstor zu Landsberg, das Gebäude soll nicht zu dominant werden.“

Zum Vergleich: Sowohl der benachbarte „Isotex“-Schornstein als auch das Edeka- Logistik-Zentrum im Frauenwald liegen unterhalb der 35 Meter-Marke. Genau diese Höhe bekam 3C jedoch für ein weiteres Forschungsgebäude bewilligt. Dieses ist allerdings von der B17 etwas zurückgesetzt und liegt in einer kleinen Mulde. Unter anderem bei den Sicherheitsmaßnahmen rund um das Gelände hatte Ellighofens Ortsteilsprecher Tobias Schmid Bedenken. „Ist das wirklich von der Mehrheit gewünscht, dass da eine Kindertagsstätte und Menschen im Fitnessstudio eingezäunt werden“, fragte er. Michler verwies auf den „Campus-Gedanken“ wie beim Novartis-Konzern in der Schweiz oder dem Berliner „Adlershof“. „Die Kita wird aber auch für den Zugang von außen offen sein.“ Letztlich handele es sich aber um ein Firmengelände, das entsprechend geschützt werden dürfe.

Das Museumsdepot der Stadt Landsberg, das mit großem finanziellem Aufwand an der Nordseite des Gebietes hergestellt wurde, bleibt nach den Verhandlungen mit 3C an dieser Stelle. Es wird „ausgezäunt“ und erhält eine eigene Einfahrt von der Zufahrtsstraße. Eine neue Zufahrt für 3C von der Bundesstraße 17 lehnte das Staatliche Bauamt dagegen aus Gründen der Verkehrssicherheit dagegen ab. „Das hatten wir als Stadt genauso gesehen“, bekräftigte Claus Müller.

Nach Auskunft des Referatsleiters wurde auch die Ansiedlung weiterer Firmen auf der ehemaligen Konversionsfläche eingeschränkt. „Gewünscht waren dort ,alle freien Berufe‘, wir haben das jetzt aber auf Unternehmen eingegrenzt, die im Zusammenhang mit Carbon stehen. Wir wollen ja beispielsweise dort keine Anwälte haben.“

Verwechslungsgefahr

Bei drei Gegenstimmen von Grünen und Landsberger Mitte stimmte der Stadtrat der Änderung des Bebauungsplanes und des Flächennutzungsplanes zu, mit 24:1 ging eine weitere Änderung durch: Die bisherige „Lechrainstraße“ heißt künftig „3C-Ring“. Geschäftsführer Karsten Jerschke hatte für den Wunsch „Verwechslungsgefahr“ angeführt. Immer wieder würden externe Lieferanten versehentlich die Lechstraße, Lechfeldstraße, Lechwiesenstraße oder den Lechanger anfahren.

„Wir haben im Landkreis ja auch schon eine Delo-Straße und eine Hirschvogel-Straße“, hatte OB Mathias Neuner für Zustimmung geworben. „Wir sollten da zeigen, dass uns das Unternehmen willkommen ist und wir seine dynamische Entwicklung unterstützen.“

Christoph Kruse

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