Anzügliche Sprüche:

Unterstes Niveau im Fahrschulauto

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Symbolfoto

Landsberg – Anzügliche Sprüche gegenüber einer Fahrschülerin haben einem Landsberger Fahrlehrer (53) eine saftige Geldstrafe eingebracht. Der Mann bestritt zwar die Vorwürfe, konnte das Amtsgericht Landsberg jedoch nicht von seiner Unschuld überzeugen.

Nicht nur die 19-Jährige, die den Fahrerlehrer angezeigt hatte, sagte gegen ihn aus. Auch zwei junge Frauen, die schon vor einigen Jahren bei ihm den Führerschein gemacht hatten, berichteten von zotigen Äußerungen. Sie sollten den Schaltknüppel anfassen „wie einen Schwanz“, habe der Angeklagte geäußert – das sagten alle drei. Der damals 18-Jährigen beschied er, sie sei „so geil“, sie habe sich wohl schon „durch die ganze Weltgeschichte gevögelt“.

Solche und ähnliche Sprüche habe „jedes einigermaßen ansehnliche Mädel“ zu hören bekommen, sagte eine 26-Jährige aus dem nördlichen Landkreis. Sie habe das eklig ge­funden, ergänzte die dritte Zeugin. Anzeige erstatteten die beiden nicht – sie hätten nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollten, sagten sie. Nach Abschluss der Fahrschule sei das Thema dann für sie erledigt gewesen.

Auch die 19-Jährige hatte nach eigener Aussage lange überlegt, ob sie zur Polizei gehen sollte. Kurz nach Weihnachten 2012 wechselte sie die Fahrschule, stritt sich anschließend noch mit dem Fahrlehrer um die Rückerstattung zu viel bezahlter Kosten. Diesen Umstand versuchte Verteidigerin Orpha Zepp dazu zu nutzen, die Strafanzeige als Racheakt darzustellen. Als Beweis wurde ein SMS-Austausch zwischen der Zeugin und dem Angeklagten vorgelegt, in dem die junge Frau unter anderen angekündigte, den Mann fertigzumachen.

Die 19-Jährige bestritt nicht, etwas Ähnliches geschrieben zu haben. Sie habe monatelang auf ihr Geld warten müssen und überdies eine kosten­- lose Fahrstunde, mit der die Schule warb, nie bekommen.

Diese Auseinandersetzung spielte aber nach Einschätzung von Richterin Sabine Grub für das Urteil keine Rolle. Für sie stand fest, dass die fraglichen Äußerungen gefallen waren. Die sexistischen Sprüche seien unterstes Niveau und nicht das übliche Vokabular beim Fahrunterricht. Der Angeklagte habe seine Stellung als Fahrlehrer und die Wehrlosigkeit seiner Schülerinnen schamlos ausgenutzt. „Sie konnten aus dem Auto nicht weg und mussten sich das anhören“, so Grub.

Richterin Grub verurteilte den Mann wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro und blieb damit nur knapp unter den 4500 Euro, die Staatsanwalt Schäfer gefordert hatte.

Ulrike Osman

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