Bunte Welt in Miniatur

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An seinem Arbeitstisch verbringt Otto Veith viele Stunden mit der Anfertigung seiner Figuren. Für eine einzelne Figur braucht er mindestens einen Tag Arbeitszeit, für die kompletten Szenen mehrere Tage.

Landsberg – Ein scheinbar normales Zimmer in einem Seniorenwohnheim, hell, wohnlich und funktional zugleich. Doch dieses Zimmer ist etwas besonderes, wird dominiert von einem Arbeitstisch und einem Regal, auf dem sich hunderte bunte, kleine Männchen drängen. Denn hier widmet sich Otto Veith seinem liebsten Hobby: dem Fertigen von Figuren aus Pfeifenreinigern, Holz und Filz.

„Mir macht das Freude, ich könnte nie einfach nur dasitzen und nichts tun“, erklärt der 93-jährige gelernte Schreiner und spätere Bundeswehr-Offizier. Gewerkelt hat er auch privat immer schon. Zunächst, um die Puppenstube seiner Tochter zu bestücken, auch eine schön geschnitzte Madonna zeugt von seinem Talent. Die kleinen, etwa fingerhohen Männchen sind seine neueste Passion, denn Otto Veith fertigt nicht nur die Figuren selbst, sondern setzt sie gekonnt in einen Zusammenhang: 68 Szenen aus bekannten und unbekannten Märchen hat er gefertigt: Hänsel und Gretel, Zwerg Nase, Kalif Storch und viele mehr, Geschichten aus dem „Struwwelpeter“ und „1001 Nacht“, sie alle erwachen unter Otto Veiths geschickten Händen zum Leben. „Die Idee kam meinem Vater vor Weihnachten, mit Krippenfiguren und Schneemännern fing es an“, erzählt seine Tochter Brigitta Dörrstein. Auslöser war ein Geschenk seines Enkels, eine kleine Krippe aus ähnlichen Materialien. 

Neben den Märchenszenen widmet er sich der Darstellung von alten und ausgestorbenen Berufen, aktuell 37: da gibt es das Milchmädchen samt winziger Kannen, den Fassbinder, die Flößer, den Viehhändler mit seiner Kuh. Neuestes und gerade abgeschlossenes Projekt ist eine komplette Blaskapelle in korrekter Marschordnung, Uniform und Mini-Instrumenten. Jede Figur erzählt eine Geschichte, man merkt, dass neben dem rein handwerklichen auch viel Herz und Wissen hinter jeder Bastelei steckt. „Da sind auch viele Erinnerungen dabei“, meint der 93-Jährige. So erhält jede Figur ihre typischen, winzig kleinen Requisiten, manche sind sogar beweglich. Eine Schere für den Barbier, Mini-Holzschuhe für den Holzschuhmacher, Farbeimer für den Blaufärber. Und natürlich Schuhe – hunderter kleinster Schuhe aus stabilem Papier. 

Hauptmaterial sind Pfeifenreiniger, Styroporkugeln, Holz, Stoff, Filz und Farbe. „Aber man kann eigentlich alles brauchen. Das wichtigste ist eine gute Schere, eine Pinzette und manchmal auch die Leselupe“, erklärt Otto Veith, der für die detailgenaue Darstellung auch öfter das Internet als Ratgeber heranzieht. Und als er alle ihm bekannten Märchen „abgearbeitet“ hatte, recherchierte eine Dame aus der Heimleitung für ihn Märchen und Geschichten aus aller Welt. „Das war ein ganzer Ordner“. So sehr geht Otto Veith in seiner Arbeit auf, dass er darüber manchmal die Essenszeiten vergisst. 

„Das schwierigste ist die Auswahl der Kostüme und der richtige Moment der Handlung“. Doch der ist immer richtig gewählt, seine kleinen Männchen scheinen so lebendig, als würden sie gerade nur kurz innehalten, um betrachtet zu werden um dann in ihrer Geschichte weiter zu agieren. Hauptproblem ist gerade der Platz, längst haben seine kleinen Geschöpfe Tische und Regale seines Zimmers erobert. Und Ideen hat er für viele weitere: als nächstes plant er die Umsetzung einer Fronleichnamsprozession…

Patricia Eckstein

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