"Abends hört man die Lerche"

Josef Spicker (links) hat am Rande seiner Maisfelder Blühstreifen angelegt, um das Auge zu erfreuen und Insekten anzulocken. BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller (rechts) veranstaltete die diesjährige Erntepressefahrt auf Spickers Hof in Eching. Foto: Osman

„Gute bis sehr gute Erträge, im nördlichen Landkreis sogar Spitzenerträge bei Weizen und Wintergerste“ sagt Leonhard Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) für dieses Jahr voraus. „Auch der Mais steht hervorragend, die Hachfrüchte ebenfalls.“ Ertragseinbußen seien lediglich auf leichtgründigen Böden zu erwarten, die unter dem niederschlagsarmen Frühjahr gelitten haben, erklärte Welzmiller auf der diesjährigen Erntepressefahrt. Sie führte auf den Hof von Josef und Petra Spicker in Eching, deren Betrieb in mehrfacher Hinsicht beispielhaft ist.

Die Spickers bewirtschaften rund 73 Hektar Nutzfläche. Angebaut werden Winterweizen, Triticale und Mais, ein Viertel der Fläche ist Grünland, das teilweise extensiv bewirtschaftet wird. Vor drei Jahren haben die Spickers wegen der schlechten Preise die Milchviehhaltung aufgegeben und sich stattdessen auf die Energieerzeugung verlegt. Ihre 190-KW-Biogasanlage erzeugt 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom – genug für rund 400 Haushalte – und beheizt mit ihrer Abwärme das Echinger Schützenheim. 4000 Liter Heizöl werden auf diese Weise ersetzt. Möglich wäre noch viel mehr: Hätte die Anlage näher an Wohnbebauung errichtet werden können, ließen sich rund 50000 Liter Heizöl einsparen. Josef Spicker ist kein Biobauer, leistet aber dennoch seinen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Am Rande seiner Maisfelder hat er Blühstreifen angelegt, in denen verschiedene Kleesorten, Kräuter und Blumen sprießen. Hier summen Bienen und Hummeln. In den Getreidefeldern finden sich „Lerchenfenster“, ausgesparte Flächen, die den Vögeln Brutplätze bieten. „Abends hört man sie singen“, erzählt Spicker. In herkömmlichen dicht bewachsenen Getreidefeldern hat die Lerche keine Möglichkeit zum Auffliegen, wehalb ihre Bestände in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind. Zunehmend dafür die Wildschweinbestände, die sich nachts unerwünschterweise in den Getreidefeldern tummeln und Ähren abfressen. „Das wird jedes Jahr schlimmer“, weiß der Landwirt. „Im Winter kommen sie fast bis in die Ortschaft.“ Das Wildschwein sei schwierig zu bejagen – nicht nur, weil es vorzugsweise nachts unterwegs ist, sondern auch wegen seiner erstaunlichen Intelligenz. Einen Teil seines Grünlands bewirtschaftet Spicker im Rahmen des Wiesenbrüterprogramms extensiv. Die in der Nähe des Naturschutzgebietes Ampermoos gelegenen Flächen werden seit zehn Jahren nicht gedüngt und bieten einen Le­bens­- raum für Störche und Brachvögel. Für Spicker unverständlich ist, dass mancher Hundebesitzer trotz weithin sichtbarer Schilder den in diesem Gebiet herrschenden Leinenzwang nicht beachtet.

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