Und der Filmheld geht an...

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Der Filmheld des 7. Diessener KurzFilmFestivals, Beston Zirian Ismael, konnte gleich zwei Auszeichnungen mit nach Hause nehmen: Der in Leipzig lebende Filmemacher – hier mit den Filmfest-Organisatorinnen des Heimatvereins, Nina Munker (links) und Ulrike Kreutzer (rechts) – erhielt den 1. Preis in der Kategorie „Dokumentarfilm“ und den erstmals verliehenen Amnesty-Filmpreis der Ortsgruppe Amnesty Ammersee.

Dießen – Mit einer wundervoll glamourösen Preisverleihung endete am Samstag das 7. Dießener KurzFilmFestival des Heimatvereins im Club 1516. Für den fulminanten Sound, zu der von den Filmfest-Organisatorinnen Nina Munker und Ulrike Kreutzer humorvoll und charmant moderierten Show, sorgte die Michael Lutzeier-Big Band. Filmheld des Festivals war der aus dem Irak stammende und in Leipzig lebende Filmemacher Beston Zirian Ismael, der für seinen Film „Wasserläufer“ den mit 750 Euro dotierten 1. Preis in der Kategorie Dokumentarfilm und ebenso den erstmals verliehenen Amnesty-Menschenrechts-Filmpreis der Amnesty Gruppe Ammersee erhielt: Eine Veröffentlichung im auflagenstarken Amnesty Journal. Alle Preise des Festivals werden – anstatt mit einem Oscar - mit dem „Diessener Filmheld“ aus der Bildhauerwerkstatt von Katharina Ranftl begleitet.

„Wasserläufer“, der Film, in dessen Mittelpunkt der 12-jährige Djudi steht, schildert das Leben einer ehemals glücklichen syrischen Familie, die sich auf der Flucht in Istanbul mit dem Verkauf von Trinkwasserflaschen durchschlagen muss. Hier fristet die Familie ein Leben ohne Sicherheit, ohne Arbeit, ohne Bildung für ihre drei Kinder und ohne jede Perspektive für die Zukunft. Dank der unaufgeregten Schilderung, die ohne jegliches Pathos auskommt, bekommen die Zuschauer ein Bild der Katastrophe vermittelt, die dieser Familie widerfahren ist. Zugleich ist der Film ein bewegendes Abbild des Lebens hunderttausender Syrer, die ihre zerbombte Heimat verlassen mussten.

Glamouröser Abschluss beim KurzFilmFestival

Den 2. Preis in der Kategorie Dokumentarfilm (500 Euro) mussten sich bei „absoluter Stimmengleichheit im Publikumsvotum“, so die Moderatorinnen Nina Munker und Ulrike Kreutzer, zwei Regisseure teilen, deren Filme unterschiedlicher nicht sein könnten: In „Dyab“ von Regisseur Mazun Sherabayani bringen jesidische Kinder nach der Vertreibung ihres Volkes durch den IS ihre schmerzlichen inneren Bilder zum Ausdruck, indem sie selbst einen Film über diese Ereignisse drehen. Ganz unbeschwert ist dagegen das Glück eines betagten Paares, dargestellt in der schwedischen Wohlfühl-Doku „A cup of Coffee & pieces of wood“ von Andreas Gerke, der seine eigenen Eltern porträtierte.

Ein klares Publikumsvotum gab es in der Kategorie Spielfilm, hier konnte der deutsche Kurzfilm „Er und Sie“ von Marco Gadge (1. Preis, 750 Euro) punkten – ein tragisch-komisches Beziehungs-Roadmovie, das seinen verträumten Protagonisten nach einer großen Enttäuschung ins Lebens zurückholt – gefolgt von „Trial and Error“ (2. Preis, 500 Euro) einem fünfminütigen Animationsfilm der Regisseurin Antje Heyn: Der Verlust eines Knopfes an der Jacke wird in einer zauberhaft ideenreich gezeichneten Geschichte wieder wettgemacht.

Zu den sechs Filmpreisen gehörte auch der mit Spannung erwartete Jury-Preis. Er ging heuer an Tal Umiran (England) für „Seven days a week“: Es sei das erste Mal, so Jurorin Katalin Fischer, dass die Jury ihren Preis an einen Dokumentarfilm vergebe. Ein Film, der die Betrachter in eine fremde Welt führe, an der sie bislang täglich achtlos vorbeigingen: Im Mittelpunkt des Filmes steht Paul, der 365 Tage im Jahr in seinem Kiosk in London, den er von seinem Vater geerbt hat, Zeitungen verkauft. Trotz dieses gleichförmigen Lebens ist der 66-Jährige nicht abgestumpft. „Ein großer Mann mit einem kleinen Schicksal“.

Mit einem Gedicht des Kurden Latif Halmet bedankte sich schließlich Beston Zirian Ismael beim Publikum und den Festival-Machern, die heuer erstmals fremdsprachige Filme in den Wettbewerb aufgenommen und den Themenschwerpunkt Menschenrechte gesetzt hatten: „Die Könige sollen zuhören, ein Dichter möchte sprechen / Der Wind soll sich legen, ein Pflänzchen möchte wachsen / Die Waffen sollen schweigen, ein Kind möchte schlafen.“

Ursula Nagl

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