Kleinod mit Haken

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Ist noch zu haben: Das Fischereirecht für ein 4,7 Kilometer langes Stück Alte Ammer steht zum Verkauf.

Dießen – „So eine Gelegenheit gibt es einmal in 100 Jahren“, sagt der Dießener Berufsfischer Andreas Noll. Er verkauft ein Fischereirecht für die Alte Ammer bei Dießen. Der Preis ist ebenso einmalig: 749000 Euro will Noll dafür haben. Das Fischereirecht an dem 4,7 Kilometer langen Stück Alte Ammer gehört seit Jahren der Familie Noll.

Andreas Noll hat es von seinem Vater übernommen, der sich jahrzehntelang für den Durchstich zwischen Alter und Neuer Ammer eingesetzt hat. Vor 14 Jahren erfüllte sich dieser Wunsch, an dem sich auch Familie Noll mit einem Batzen Geld beteiligte. Seitdem hat sich die Wasserqualität in der Alten Ammer wesentlich verbessert. „Das war vorher ein totes Gewässer“, sagt Noll, der als Kind schon dort spielte und miterlebte, wie der Fluss zuerst immer lebloser und dann immer belebter wurde. Inzwischen schwimmen dort Aale, Hechte, Schleien, Karpfen, Bachforellen, Seeforellen, Barsch, Wels und Zander. Noll hat noch ein Fischereirecht für den Ammersee und will das für die Alte Ammer verkaufen, um in seine Fischzucht in Bischofsried investieren zu können. 

Die Alte Ammer ist idyllisch im Naturschutzgebiet gelegen. Das ist wunderschön, aber auch schwierig. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben. „Ohne den Naturschutz hätte längst ein Fischereiverein zugegriffen“, ist Noll überzeugt. Das Naturschutzgebiet stellt auch eine Hürde für den künftigen Eigentümer dar. Das Gebiet ist vom Ammersee aus zu erreichen – am leichtesten mit dem Motorboot. Eine Erlaubnis für ein Motorboot bekämen aber nur Berufsfischer, sagt Anna Diem-Sickinger von der Pressestelle des Landratsamts Landsberg. „Ein Privater hat es da schwer. Man braucht einen plausiblen Grund, um in ein Naturschutzgebiet hineingehen zu dürfen. Nur zur Gaudi und wegen des Hobbys Fischerei, das reicht nicht“, unterstreicht sie. Für Berufsfischer ist es allerdings kein Problem eine Motorbootzulassung zu bekommen. „Wichtig ist, dass die Fischerei erwerbsmäßig betrieben wird.“ Eine Ausbildung sei nicht unbedingt erforderlich. 

Das alles erleichtert es Noll nicht gerade, sein Fischereirecht loszuwerden. Den Preis hält er nicht für zu hoch. „Das ist eine einmalige Gelegenheit – wann gibt es das schon einmal zu kaufen?“ Eine Expertin bei der VR Bank habe 1,4 Millionen Euro errechnet, sagt der Dießener. Doch wie lässt sich ein Fischereirecht an einem 4,7 Kilometer langen Ammersee-Zufluss im Naturschutzgebiet bewerten? Eine schwierige Frage. Noll zieht einen Vergleich heran: „Wenn Sie einen Wald pflanzen, rechnen Sie auch keine Rendite aus. Das machen Sie für Ihre Kinder und Kindeskinder“. So sei es auch mit dem Fischereirecht, das üblicherweise über Generationen vererbt wird. Eine einmalige Gelegenheit. Erste Interessenten haben sich laut Auskunft des ImmoZentrums der VR Bank Landsberg-Ammersee bereits gemeldet.

Ursula Nagl

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