Neue Perspektiven am See

Graffiti machen den Summerpark zum Kulturraum

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Aus der richtigen Seh- und Seeperspektive betrachtet fügt sich dieses Jänisch-Graffiti in die Landschaft des Summerparks bis über den Steg hinaus.

Utting – „Darum werden euch die anderen Gemeinden rund um den Ammersee beneiden“, urteilte eine Besucherin aus Herrsching über die Open-Air-Kunstaktion mit den Graffiti- und Streetart-Stars „Loomit“ Mathias Köhler und Nils „Bert“ Jänisch. Die beiden Vertreter dieser angesagten Kunstrichtung haben am Wochenende vier riesige Tafeln mit acht außergewöhnlichen Bildwerken gestaltet, die den Summerpark wieder einmal mehr zu einem angesagten Kulturraum werden lassen.

Umso mehr erstaunte es viele Gäste bei der Übergabe der Werke, dass von der Gemeinde weder Bürgermeister Josef Lutzenberger noch seine Stellvertreterin Margit Gottschalk oder ein anderer offizieller Vertreter anwesend waren. Gemeinderat Florian Münzer (GAL) hielt zwar die Stellung, aber in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kulturforums Utting, das die Aktion initiiert hatte.

Monumentale Sprühbilder am See

Wolf-Eckart Lüps, Kuratoriumsmitglied des kulturellen Highlights, dankte in seiner Rede dennoch der Gemeinde, die den Park quasi als Geschenk der Öffentlichkeit zur Verfügung stelle. Mit Aktionen wie dieser wolle man den Summerpark zusätzlich zur Seebühne und zum Sommermarkt noch mehr zum Kulturraum erheben. Über weitere Events im idyllischen Park denke man bereits nach und sei für Ideen und Vorschläge aufgeschlossen. Lüps lobte die Initiatoren Bettina Senger, Angelika Hoegerl und Florian Münzer, die es geschafft haben, den auf der ganzen Welt gefragten Streetart- und Graffiti-Künstler Loomit nach Utting zu locken, ebenso wie seinen genialen Co-Künstler Nils Bert Jänisch aus Weimar.

In nur zwei Tagen zauberten die beiden Künstler auf die 2 mal 4 Meter großen Holztafeln acht einmalige Kunstwerke, die „einen Bezug zum Ort des Geschehens und zum Geschehen am Ort“ aufweisen. Live vor Publikum sprühten sie reale und abstrakte Motive wie Dampfer, Biene, Frosch, Eidechse oder Höckerschwan – aber ohne Höcker.

Das realste Sprühbild zauberte Nils Bert Jänisch. Aus der richtigen Seh- und Seeperspektive fügt sich sein Graffiti in die Landschaft des Summerparks über den Steg bis in den See hinaus. Über 200 Sprühdosen in den der Natur angepassten Farben blau, grün, gelb, weiß und schwarz waren am Ende der „spontanen, robusten und doch flüchtigen“ Aktion aufgebraucht, wie sie Wolf-Eckart Lüps bezeichnete.

Doch so spontan entsteht keines der Bilder, wie Loomit im Gespräch mit dem KREISBOTEN ausdrücklich betonte. Vor dem Sprühen werden nach einer Ortsbesichtigung zum Anlass passende Motive gesucht, Skizzen angefertigt, Farben gewählt. Ganz anders als bei den „wilden illegalen Nacht- und Nebelsprayern“ wird hier vor der Arbeit ein zeitraubender Prozess durchlaufen, der schließlich in einer relativ zügigen Sprühaktion endet.

Nur durch diese Vorarbeit sei es möglich gewesen, an knapp zwei Tagen acht große Werke zu schaffen. Die bleiben übrigens vier Monate zur Freude der vielen Summerpark-Besucher stehen. Danach können sie über die Künstler käuflich erworben werden. Da die Kunstwerke im öffentlichen Raum entstanden sind und stehen, können sie von jedermann fotografiert und in sozialen Medien gepostet werden. Mit dieser Aussage beruhigte Loomit die vielen Smartphone-Knipser und facebook-Fans im Park.

Mathias Köhler bedankte bei den Initiatoren für die freundliche Aufnahme, das optimale Arbeitsumfeld und das kommunikative Interesse des Publikums. Bereitwillig beantworteten er und sein Kollege Jänisch die vielen Fragen der Parkbesucher, die jetzt die Graffiti-Kunst mit anderen Augen sehen. Besonders anregend fanden die beiden Sprayer ihre Besuche bei den Uttinger Kollegen anlässlich der offenen Ateliertage. „Unglaublich, in welche tolle Künstlerkolonie wir hier in Utting geraten sind“, so Loomits Kompliment.

Loomit, 1968 in Celle geboren, machte erste Schlagzeilen, als er mit sechs anderen Jungs 1986 einen kompletten S-Bahnzug in Geltendorf besprühte. Nach den Turbulenzen mit der Justiz wurde er „legaler Sprayer“ und erhielt 2002 sogar den Schwabinger Kunstpreis. Unter anderen hatte er das Badezimmer von Münchens OB Christian Ude gestaltet.

Inzwischen wird Loomit weltweit engagiert. Seine Werke stehen von Miami bis Sao Paulo und jetzt auch im Uttinger Summerpark. In der ARD-Dokumentation „Loomit – der Sprayer“ wurde Köhler als der „bedeutendste deutsche Graffitikünstler der Gegenwart“ bezeichnet. Sein Wissen und Können gibt er in eigenen Seminaren weiter. Sein Kollege Nils Bert Jänisch aus Weimar ist ebenfalls ein bekanntes Graffiti-As und arbeitet immer wieder mit Loomit zusammen.

Als Wahlmünchner will Loomit in den nächsten Wochen öfters an den Ammersee fahren und sich inkognito unter die vielen Besucher des Summerparks mischen. „Mal hören, was sie zu unseren Werken sagen“ freut sich Loomit.

Dieter Roettig

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